Einführung: Der stellvertretende Jugendleiter Leon Siek erläutert Kevin Wölfel, der bereits im Cockpit des Segelflugzeuges Platz genommen hat, worauf es ankommt. Siek hat zusammen mit Jugendleiter Joans Becker (l.) den Schnuppertag organisiert. - © Karin Prignitz
Einführung: Der stellvertretende Jugendleiter Leon Siek erläutert Kevin Wölfel, der bereits im Cockpit des Segelflugzeuges Platz genommen hat, worauf es ankommt. Siek hat zusammen mit Jugendleiter Joans Becker (l.) den Schnuppertag organisiert. | © Karin Prignitz

Oerlinghausen Schnuppertag auf dem Flugplatz

Segelflugverein: Zehn Jugendliche und junge Erwachsene gehen zum ersten Mal in die Luft. Im Juni gibt es eine weitere Möglichkeit

Karin Prignitz
30.04.2019 | Stand 30.04.2019, 12:06 Uhr

Oerlinghausen. Fußball? Klar, hätte Fabian Gier auch spielen können. Wenn da nicht der Schnuppertag des Segelflugvereins Oerlinghausen gewesen wäre. Der Neuntklässler des Niklas-Luhmann-Gymnasiums (NLG) meldete sich zur Premiere im Juni vergangenen Jahres an und war derart begeistert, dass er gleich noch einen Schnuppermonat anschloss. Vor drei Wochen hat der 14-Jährige seinen ersten Alleinflug bewältigt, „und zwar richtig gut", lobt Jugendleiter Jonas Becker. Jetzt hat es einen zweiten Schnuppertag gegeben. Fabian Gier ist wieder dabei. Diesmal allerdings als Helfer, der sein bereits erworbenes Wissen gerne weitergibt und überall dort mit anpackt, wo seine Hilfe gebraucht wird. Ambitioniert, wenn nicht gar routiniert, sieht es aus, als der Gymnasiast mit einer „Karre" auf vier Rädern über die asphaltierte Strecke auf der Ostseite des riesigen Flugplatzgeländes fährt und ein Segelflugzeug hinter sich herzieht. Neben ihm hat Jan Niklas Henkenius Platz genommen. Fabian Gier erklärt dem 17-Jährigen, mit welchen Handgriffen das Hinterrad des riesigen Seglers aus der sicheren Verankerung gelöst wird. Ein weiteres Flugzeug wartet da bereits auf den Start. Fabian macht sich auf den Weg, hält den Flügel, hebt den Arm, rennt eine kurze Strecke mit, als die Seilwinde anzieht und das Segelflugzeug Geschwindigkeit aufnimmt, um kurz darauf in die Luft zu gehen. Wie bereits im vergangenen Sommer haben Jonas Becker, Jugendleiter des Segelflugvereins Oerlinghausen, und sein Stellvertreter Leon Siek die Organisation des Schnuppertages übernommen. Zehn Teilnehmer im Alter zwischen 14 und 25 Jahren, darunter drei Mädchen, haben sich angemeldet, 15 sind es im Sommer 2018 gewesen. „Man braucht mindestens drei Leute, um ein Flugzeug in die Luft zu bekommen" „Die meisten", bestätigt Jonas Becker, „haben vorher noch nie in einem Segelflugzeug gesessen." Der erste Kontakt also. Den Verantwortlichen ist es wichtig aufzuzeigen, dass die Hürde für den Segelflug gar nicht so hoch ist, wie sie manchem erscheint. „Schon mit 14 Jahren kann man alleine fliegen, mit 16 Jahren die Segelfluglizenz erwerben", erläutert Jonas Becker das zügige Einstiegsprozedere. Gleich am Morgen haben die zehn Teilnehmer ein Sicherheitsbriefing erhalten. Erläuterungen zum Tagesablauf hat es gegeben. Schon da wird sehr klar, worauf es beim Segelfliegen vor allem ankommt: im Team zu arbeiten. Alle müssen mit anpacken bei den Vorbereitungen. Das hat auch Fabian Gier bereits verinnerlicht. „Man sollte einen gesunden Teamgeist mitbringen", betont der 14-Jährige und erläutert auch, warum. „Man braucht mindestens drei Leute, um ein Flugzeug in die Luft zu bekommen." Alleine läuft da gar nichts. Weitere Voraussetzung: Spaß am Lernen der Theorie. Fabian verweist beispielsweise auf das Luftrecht, auf das Wissen, „wie das mit dem Wetter funktioniert und wie man hochkommt". Das Verhalten des Segelflugzeug im Aufwind gehört ebenfalls dazu. Und wer fliegen möchte, sollte die Navigation beherrschen. Fabian weiß zudem, „dass man sich an Merkmalen der Landschaft orientieren kann". Zum Schnuppertag gehören zwei Windenstarts mit den Fluglehrern Christian Hund oder Jürgen Nolte. Für die Teilnehmer sind sie die Höhepunkte an einem ereignisreichen Tag. Auf dem Pilotensitz dürfen sie Platz nehmen, der Fluglehrer steuert hinter ihnen. „Den praktischen Teil lernen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen beim Fliegen", sagt Jonas Becker. Fabian Gier, der auch an der Segelflug-AG des NLG teilnimmt, fand es schon als kleines Kind während der Urlaubsflüge mit der Familie spitze, die Welt von oben zu sehen. Umso größer war die Vorfreude auf den ersten Alleinflug. Der ist zugleich mit der A-Prüfung verbunden. Mittlerweile kann er bereits acht Alleinflüge verbuchen, „auch schon längere bis zu 30 Minuten". Der Neuntklässler hat aber noch ganz andere Ambitionen. Sein Ziel ist „ganz klar der Flugschein". Mit ihm sind auch Streckenflüge möglich. Auf lange Sicht möchte Fabian auf den Motorsegler umsteigen. Dass Segelfliegen ein teures Steckenpferd ist, kann er nicht bestätigen. „410 Euro im Jahr, das ist auch nicht teurer, als Fußball zu spielen".

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