Im Gleichklang: Zur gefühlvollen Musik schwenken die Grundschülerinnen farbige Tücher. Als Kostüme hält der Circus Soluna schillernde Westen für alle bereit. - © Knut Dinter
Im Gleichklang: Zur gefühlvollen Musik schwenken die Grundschülerinnen farbige Tücher. Als Kostüme hält der Circus Soluna schillernde Westen für alle bereit. | © Knut Dinter

Oerlinghausen Junge Fakire und Jongleure

Zirkusprojekt der Grundschule Helpup: Bei ihrem Auftritt in der Manege genießen die Kinder den Applaus für ihre artistischen Leistungen mit großem Stolz

Oerlinghausen. „Hereinspaziert, hereinspaziert“, riefen die beiden Clowns. „Hier sehen Sie zum ersten Mal in Helpup, zum ersten Mal in Deutschland, zum ersten Mal in Europa und in der ganzen Welt – die Flaschenclowns!“ Alle 270 Kinder der Grundschule Helpup traten gestern bei der Premierenvorstellung ihres Zirkusprojekts auf. In rascher Folge waren sie als Akrobaten, Zauberer und Jongleure zu sehen. Nachdem ihnen die Flasche mehrfach von der Stange gefallen war, gelang den jungen Clowns endlich der Trick. Kein Wunder, denn die Zuschauer konnten schnell feststellen, dass die Flasche jetzt befestigt war. Mit Lachen und herzlichem Applaus quittierte das Publikum die Nummer. In der großen Sporthalle an der B66 herrschte echte Zirkusatmosphäre. Vor einem großen roten Samtvorhang war ein blau-gelber Boden ausbereitet, flotte Musik erschallte, farbiges Licht beleuchtete die Manege. Mädchen zeigten sich sehr geschickt auf dem Trapez, einige Jungen erwiesen sich als wahre Künstler beim Drehen von vier Tellern gleichzeitig. Aus einer kleinen Papiertüte zogen zwei Jungen einen überlangen, schwarz-weißen Zauberstab. Schülerinnen konnten nicht nur auf einem großen Ball balancieren, sondern zugleich noch einen Hula-Hoop-Reifen kreisen lassen. Vor den Augen der Zuschauer ließen junge Fakire ihre Finger in Flammen aufgehen. Eine große Gruppe turnte geschickt auf Leitern herum, einem Jungen gelang sogar das Kunststück, mit verbundenen Augen über ein Seil zu laufen. Seit Montag hatten die Grundschüler täglich zweieinhalb Stunden lang geprobt. „Die Schülerinnen und Schüler mussten sich den Auftritt selbst erarbeiten“, sagte Schulleiterin Ulrike Petersen. Dazu gehörten auch solche Fragen: Wie gehe ich in die Manege rein? Wie präsentiere ich mich? Wie verabschiede ich mich? „Um das Projekt zu begleiten, haben einige Eltern sogar Urlaub genommen“, berichteten die beiden Mütter Myriam Kersting und Silja Ober. „Die Gruppen waren bunt gemischt, das hat die Teamfähigkeit enorm gefördert“, sagten sie. „Ich wusste sofort, das Trapez ist einfach cool“, berichtete Lia Marie (8). „Und es ist ja auch alles gut gegangen.“ Sarah (7) turnt im Verein, musste aber dennoch lange für ihre Vorführung auf dem Seil proben. „Das ist schon etwas anderes als auf dem Schwebebalken“, meinte sie. Nur Moritz (6) war mit Poi, dem Schwenken farbiger Tücher zum Rhythmus der Musik, nicht ganz glücklich. „Ich hätte lieber Deutsch und Mathe gehabt“, meinte der Erstklässler, setzte dann aber hinzu: „Na ja, also beides.“ Das vierköpfige Team des Circus Soluna aus Köln hat das Projekt fachlich begleitet. Seit 2010 kommen die ausgebildeten Artisten und Pädagogen zu Kindergärten, Grundschulen und sozialen Einrichtungen. „Die Kinder hier in Helpup waren fröhlich, motiviert und hören gut zu“, stellte Katrin Sittinger vom Soluna-Team fest. Auch jene Kinder, die anfangs noch eher zurückhaltend waren, seien schließlich stolz auf ihren Mut gewesen. Katrin Sittinger: „Das sind natürlich wichtige Erfahrungen, die auch über die Schule hinaus wichtig sind.“

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