Blick von oben: So hat der Steinbruch 1954 ausgesehen. Die Südstadt und auch die Immenkamp-Siedlung sind erst später entstanden.
Blick von oben: So hat der Steinbruch 1954 ausgesehen. Die Südstadt und auch die Immenkamp-Siedlung sind erst später entstanden.

Oerlinghausen Steinbruch ist heute Biotop

Kalksteine aus der Südstadt lange Zeit auch in umliegenden Städten verbaut

Karin Prignitz

Oerlinghausen. Kreuzkröten, Libellen, Fransenenzian und Erlkäfer. Pflanzen und Tiere lieben die Bedingungen im stillgelegten Steinbruch in der Südstadt. Seit 1994 steht die 6,1 Hektar große Fläche unter Naturschutz. Betreut wird sie vom Ortsverein Oerlinghausen des Naturschutzbundes. Und der kann von einigen Erfolgen berichten. "Im vergangenen Jahr haben wir zum ersten Mal wieder ein Uhu-Pärchen gesichtet", sagt Werner Nowak. Über die wechselvolle Geschichte des Kalksteinbruchs lange vor dieser Zeit bis hin zum Biotop mit seinen steilaufragenden Wänden berichtete jetzt Werner Höltke. Wieder einmal war das Interesse an seinem Vortrag so groß, dass im Saal des gerade renovierten "Jägerhauses" die mehr als 50 Stühle schnell besetzt waren. Und es war wohl der längste Bericht, den Werner Höltke dort je gehalten hat. Mehr als 15 Seiten hatte er handschriftlich ausgearbeitet und bekam am Ende den verdienten Applaus für seine umfangreichen Recherchen. Bis Ende der 90er Jahre wurde im Steinbruch in der Oerlinghauser Südstadt Kalk abgebaut, 2001 die letzten Geräte demontiert. Schon zehn Jahre vorher hatte der Bund für Vogelschutz (heute Nabu Lippe) Teile des mittlerweile stillgelegten Steinbruchs erworben, die restliche Fläche gehört einem Pächter. Werner Höltke blickte zunächst auf die Anfänge. Im Jahr 1875 sei der Kalksteinbruch am Barkhauser Berg von Harald Tenge gegründet worden. "Von den Brennöfen und der Rüttelanlage ist heute nichts mehr vorhanden." Seit der Zeit des Kriegsendes 1945 "hat sich die Fläche mindestens um das Vierfache erweitert". Für einen Brennvorgang in den sogenannten Ringöfen, "die nach dem Anheizen noch drei Tage brennen mussten, bis die Kalksteine entnommen werden konnten", seien etwa 30 Zentner Kohlen und zwei Raummeter Buchenholz erforderlich gewesen, berichtete Werner Höltke. "Die Steine wurden abgeholt oder mit einem Fuhrwerk zu den Kunden gebracht." Schon immer habe es in Oerlinghausen Kalkvorkommen gegeben. Ganz im Gegensatz zum benachbarten Schloß Holte-Stukenbrock. "Es ist bekannt, dass schon vor mehr als 400 Jahren Kalksteine von Oerlinghausen in die Holte geschafft wurden. Benötigt wurde der Kalk wohl auch für den Wiederaufbau der Schlösser in Rietberg und Schloß Holte in den Jahren von 1585 bis 1616. Drei Jahrhunderte und unzählige Fuhrwerke von Ort zu Ort später wurde Conrad Foeth Pächter des Kalksteinbruchs, 1968 Werner Foeth. Der verpachtete weiter an den Unternehmer Vollmer. Eine Aufwertung habe die Renaturierung des Steinbruchs durch den Besuch des Biologen Heinz Sielmann, dem Namensgeber der örtlichen Sekundarschule, erfahren. "Mit einem Kamerateam hat er dort einen Film gedreht." Sielmann erkannte, dass durch den Wärmestau vor den hohen Felswänden der Grund des Steinbruchs viel wärmer war als das Umland. "Dadurch gäbe es hier seltene Tiere und Pflanzen wie die stark bedrohte Kreuzkröte und die seltene Bergeidechse. Und auch Fledermäuse hätten hier ein Zuhause gefunden." Sielmann habe seinerzeit betont, wie wichtig es sei, die Natur durch das persönliche Erleben kennenzulernen. Genau das gewährleistet der Nabu mit unterschiedlichen Aktionen. Auch Ziegen von Schäfereien sind regelmäßige Gäste, "damit die kleinen Bäumchen kurz gehalten werden", wie Werner Nowak erläuterte, der mit Musik unterlegte Naturimpressionen aus dem Steinbruch mitgebracht hatte. "Wir hoffen, dass das Uhu-Pärchen in diesem Jahr wieder brütet."

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