Campingplatz Lügde-Elbrinxen: Tatort des tausendfachen Kindesmissbrauchs. - © picture alliance
Campingplatz Lügde-Elbrinxen: Tatort des tausendfachen Kindesmissbrauchs. | © picture alliance

Missbrauchsskandal Fall Lügde: Gutachter erkennt bei einem Beschuldigten keine pädophile Neigung

Der 49-Jährige Heiko V. sitzt in U-Haft. Sein Verteidiger Jann Henrik Popkes hat Haftbeschwerde eingelegt.


Lügde. Bei dem in U-Haft sitzenden 49-jährigen Heiko V. aus Stade soll der Sachverständige „keine pädophile Neigung" festgestellt haben, das bestätigt Verteidiger Jann Henrik Popkes. Der Rechtsanwalt aus Schlangen hat vor dem Oberlandesgericht Hamm Haftbeschwerde eingelegt. Die Entscheidung dazu soll in Kürze fallen. „Der Haftbefehl stützt sich auf Wiederholungsgefahr, die kann ich dem Gutachten nicht entnehmen", sagt Popkes. Zwar hätten die Ermittler bei seinem Mandanten eine gigantische Menge an kinderpornografischen Dateien sichergestellt, Heiko V. sei jedoch nie selbst zum Täter geworden. Bei der Auswertung der insgesamt 26.500 Bilder und 10.300 Videos habe es keinen Bezug auf Geschädigte im Fall Lügde gegeben. „Die Öffentlichkeit hat vermutet, mein Mandant wäre der Strippenzieher des Ganzen – das ist er aber definitiv nicht", sagt Popkes. Weshalb Heiko V. dennoch so viele Kinderpornos besessen hat, könne Popkes nicht beantworten. Fakt sei aber, dass die zwei Livechats viele Jahre zurückliegen, an denen Heiko V. teilgenommen haben soll, 2010 und 2011 stehen in Rede. Verteidiger des anderen Hauptbeschuldigten, Andreas V., lehnt eine Begutachtung ab Sein Kollege Johannes Salmen, der den 56-jährigen Andreas V. verteidigt, lehnt eine Begutachtung seines Mandanten derzeit kategorisch ab. „Bei solchen Gesprächen werden natürlich auch Akteninhalte besprochen, dafür ist es noch viel zu früh", meint Salmen. Er wolle nicht, dass der Sachverständige vielleicht unbedachte Äußerungen seines Mandanten in die eine oder andere Richtung interpretiere. „Andreas V. sagt kein Wort ohne mich. Ich werde erst mit ihm reden, um eine Verteidigungsstrategie festzulegen", so Salmen. Ziel sei nach wie vor, den Opfern eine Aussage zu ersparen. „Wenn irgendwann ein Gutachten hilfreich sein sollte, werden wir uns dem nicht verschließen", so Salmen.

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