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Habe ich auch nichts vergessen? Gemeinsam mit seiner Chefin Monika Zimmermann, Geschäftsführerin des LKS, bereitet Thomas Schirmacher seinen Vortrag vor. - © Knut Dinter
Habe ich auch nichts vergessen? Gemeinsam mit seiner Chefin Monika Zimmermann, Geschäftsführerin des LKS, bereitet Thomas Schirmacher seinen Vortrag vor. | © Knut Dinter

Leopoldshöhe Leopoldshöher Azubi gewinnt Europa-Wettbewerb

Auszeichnung: Mit seinem Vortrag zum Thema „Inklusion“ konnte Thomas Schirmacher aus Leopoldshöhe bei einer Europa-Konferenz überzeugen

Knut Dinter
18.04.2019 | Stand 17.04.2019, 18:41 Uhr

Leopoldshöhe. Wie sehr sein Schulenglisch weiterhilft, hat Thomas Schirmacher (23) doch sehr überrascht. Bei einem europaweiten Wettbewerb gelangte der Leopoldshöher auf den ersten Platz. In einem Vortrag stellte der Auszubildende seinen Arbeitgeber vor – auf Englisch. „In der Schule war ich in dem Fach immer recht gut“, berichtet Schirmacher. „Sogar zu Hause habe ich noch Grammatikübungen gemacht.“ Mit Vorliebe hat er auch englische Bücher gelesen. Mit amerikanischen Schulfreunden konnte er sich mühelos unterhalten. Und als ihn kürzlich ein Kollege auf einen Wettbewerb aufmerksam machte, erfasste er die englisch formulierten Aufgaben sofort. Die Ausschreibung kam vom Europäischen Behinderten-Forum (EDF). Sie richtete sich an junge Menschen unter 30 Jahren. Sie sollten darstellen, wie ihr Betrieb die Ausbildung Behinderter fördert. „Das war an sich kein Problem, aber es sollte so kurz wie möglich sein“, erläutert der Leopoldshöher. Vorreiter bei der Ausbildung Nach einem Langzeitpraktikum beim Lippischen Kombi-Service (LKS) in Detmold konnte Schirmacher dort vor einem Jahr eine Ausbildung beginnen. Er möchte Kaufmann für Büromanagement werden. In dem Betrieb hat rund die Hälfte der Beschäftigten ein Handicap mit psychischen, sensorischen oder intellektuellen Einschränkungen. Von den insgesamt 230 Mitarbeitern sind 60 Azubis. „Wir betrachten Ausbildung als unsere Kernaufgabe“, meint die Geschäftsführerin Monika Zimmermann des Inklusionsunternehmens LKS „In dieser Hinsicht sind wir Vorreiter, denn wir bilden in einem Maße aus wie kein anderes Unternehmen.“ Zehn Minuten Zeit Mit der kurzen Präsentation bewarb sich Thomas Schirmacher und erhielt zwei Wochen später eine Einladung in die rumänische Hauptstadt Bukarest. Dort kamen rund 100 Delegierte zu einer internationalen Konferenz des EBF zusammen. Der Leopoldshöher konnte es kaum glauben: Neben einem Kandidaten aus Österreich und aus Bulgarien sollte er als einziger Vertreter aus Deutschland noch einmal ausführlich über seinen Betrieb berichten. Zwölf Fragen waren vorgegeben, der Vortrag sollte zehn Minuten lang sein. Gemeinsam mit Hartmut Günther vom Angehörigenverein machte sich der 23-Jährige per Flugzeug auf den Weg. Vor so einer großen Gruppe von Menschen hatte Schirmacher noch nie gesprochen. Guten Eindruck gemacht „Ich musste auf der Bühne sitzen und war ziemlich nervös“, sagt er. Doch während seines Vortrages wurde ihm bald klar: „Ich habe schon einen guten Eindruck gemacht.“ Am eigenen Beispiel schilderte er das Prinzip des Unternehmens, jenen zu einem Beruf zu verhelfen, die erst noch Barrieren überwinden müssen. Nach einer schweren psychischen Erkrankung kam er mit Unterstützung der Arbeitsagentur zum LKS. Er begann zunächst eine Kochlehre. Aufgrund weiterer Erkrankung und veränderter Interessen konnte er von der Küche ins Büro wechseln. Thomas Schirmacher sagte: „Ich bin glücklich darüber, dass ich die Chance bekommen habe, eine Ausbildung im LKS zu machen. Die Atmosphäre ist sehr gut. Mobbing gibt es nicht. Stattdessen wird Wertschätzung großgeschrieben. Nach der Ausbildung und gesammelter Erfahrung möchte ich noch studieren, aber zunächst will ich meine Ausbildung fortsetzen und gut abschließen.“ Die Ausführungen überzeugten die Delegierten, so dass sie ihm den ersten Preis zusprachen. „Und ich habe gedacht, dass der Sieger schon vorher feststeht“, meint Schirmacher mit lippischer Bescheidenheit. Seine Chefin freute sich mit ihm über den großartigen Erfolg. Die Einladung steht Da sah sie auch darüber hinweg, dass der Leopoldshöher alle Konferenzteilnehmer am Ende seines Vortrags zum Essen einlud. „Der LKS ist an 40 Standorten vertreten“, so hatte Schirmacher erzählt. „Unsere Mittagsangebote in den Mensen stehen auch euch offen, wenn ihr mal zu Besuch kommt.“

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