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Joana Dierkes setzt sich mit dem Megafon in der Hand an die Spitze der „Fridays for Future“-Demo durch die Innenstadt. - © Dieter Scholz
Joana Dierkes setzt sich mit dem Megafon in der Hand an die Spitze der „Fridays for Future“-Demo durch die Innenstadt. | © Dieter Scholz

Warburg Fridays for Future: Warburger demonstrieren für den Klimaschutz

Ortsgruppe der „Fridays for Future“-Bewegung setzt erstmals in Warburg ein Zeichen. Die Jugendlichen werden im Umweltschutz aber auch praktisch anpacken

Dieter Scholz
29.11.2019 | Stand 30.11.2019, 10:41 Uhr |

Warburg. "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut": Was mit der 16-jährigen Schwedin Greta Thunberg begann, hat jetzt das Warburger Land erreicht. Jugendliche Schüler demonstrierten am Freitagnachmittag erstmals in der Warburger Innenstadt für den Klimaschutz. Ihre "Fridays for Future"-Kundgebung sollte auf die Klimakrise aufmerksam machen. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich rund 120 Teilnehmer an dem Protestzug, der auf dem Neustadt-Marktplatz seinen Anfang nahm. "Danke, dass Ihr da seid, Warburg", begrüßte Paul Altmann übers Mikro die Teilnehmer. Mit seinen Mitschülern Sophie Ehle, Lara Moritz, Joana Dierkes und Celine Clobes hatte er den "Fridays for Future"-Zug initiiert und im Vorfeld Plakate und Flyer verteilt. "Was brauche ich wirklich im Leben?" Es sei ein "enormer Wert zu lernen, nachhaltig zu leben", hielt Altmann vor dem Eisenhoit-Brunnen fest. Um Zukunft zu haben, begründete er den Gedanken. Joana Dierkes hatte zuvor den Kohleausstieg, eine einhundertprozentige Energieversorgung aus erneuerbaren Energien und das Ziel, bis 2035 beim Ausstoß von Treibhausgasen "eine Nettonull" zu erreichen, gefordert. "Wir haben die Pflicht, die Klimakatastrophe zu verhindern", schlug die junge Warburgerin dabei markante Töne an. "Deshalb werden wir so lange streiken, bis unsere Forderungen erfüllt werden." Auch das aktuell gezeigte Konsumverhalten betrachten die Jugendlichen kritisch. "Was brauche ich wirklich im Leben?", fragt Altmann am "Black Friday" der Geschäftswelt. Aufgefordert zur Schnäppchenjagd sei man es dem Fortbestand des Planeten schuldig, "ein Bewusstsein für unser Handeln ins Gedächtnis zu rufen". Die Jugendlichen wollen einem nachhaltigen Konsum Wege bereiten. Das Mittel: die Beschränkung. Ob ein Auto wirklich mit Tempo 200 fahren müsse, um von A nach B zu kommen, oder der Kleiderschrank gleich doppelt voll sein müsse, stellte Altmann rhetorisch geschickt infrage. Und warum es häufig finanziell lukrativer sei, "ein Gerät neu zu erwerben, als es zu reparieren", sei ebenfalls kaum einsichtig. Das Streben nach einem "Immer mehr" sei es nicht wert, schädliche Fußabdrücke im labilen Ökosystem zu hinterlassen. "Für etwas, das uns eigentlich gar nicht glücklich macht", bilanzierte der junge Warburger durchaus selbstkritisch. Dagegen begrüßte Altmann, mit sich selbst im Reinen zu sein und behaupten zu können, "etwas Gutes für unsere Zukunft und jene unserer Nachkommen geleistet zu haben". Seine Vorstellung: "Sich auf diejenigen Dinge zu konzentrieren, die im Leben wirklich glücklich machen wie ein friedliches soziales Miteinander". "Hand in Hand mit den etwas Älteren" Das Klima sei längst aus den Fugen geraten. Die "Fridays for Future"-Bewegung wolle der Politik verdeutlichen, "das uns leere Worte nicht genügen", hielt der junge Redner fest. "Unsere Forderungen sollten bei der UN-Klimakonferenz in Madrid in der kommenden Woche ernstgenommen werden." Als weiterer Redner freut sich Julius Jacobi am Mikrofon darauf, "sich Hand in Hand mit den etwas Älteren, die sich wieder auf die Straße begeben", zu demonstrieren. Zu den jugendlichen Protestlern haben sich auf dem Marktplatz mittlerweile zahlreiche Bürger aus dem Warburger Land gesellt. Jacobi berichtet von seinem elterlichen Biobauernhof in Körbecke. Aufgrund der Trockenheit im Sommer "haben die Pflanzen gelitten wie noch nie". Die Landwirte bemerkten die Auswirkungen des Klimawandels. Allerdings gab Jacobi einer intensiven Landwirtschaft auch "eine gewisse Mitschuld" an der Klimakrise. "Es geht um ihre Zukunft" Sabine Giesel hatte in großen Lettern "Mutter for Future" über einen blauen Globus auf ihr Plakat gebracht. Sie freue sich, dass die Warburger Jugend aktiv geworden sei, sagt sie. "Jetzt werden ihre Gedanken sichtbar", bemerkt Giesel mit Blick auf die Menschenmenge. Für etwas zu sein und Generationen übergreifend weiterzudenken, sei doch wichtig. Dem stimmt Tochter Charlotte Drude (24) zu. Das Klimapaket der Bundesregierung reiche nicht aus, sagt sie und möchte auch "im kleinen Warburg darauf aufmerksam machen und Zeichen setzen". Auch Kalle Böhm, Biolehrer am Hüffertgymnasium, begrüßt die Demo der Schüler. "Es geht um ihre Zukunft", sagt der Pädagoge. Da sei es wichtig, sich zu engagieren. Dann formierte sich der Demozug. Lautstark zogen die Teilnehmer mit Sprechchören durch die Warburger Innenstadt bis zum Schützenplatz. Dort kündigte Joana Dierkes die nächste Aktion an. Die Jugendlichen planen für Samstag, 14. Dezember, ab 14.30 Uhr einen Einsatz mit Handschuhen und Eimern. "Wir wollen den Müll aufsammeln, der Natur und Stadt verschmutzt."

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