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Lageortung aus der Luft: Oberbrandmeister Franz Bäumer leitet die Drohnen-Einsatzgruppe der Warburger Feuerwehr. - © Burkhard Battran
Lageortung aus der Luft: Oberbrandmeister Franz Bäumer leitet die Drohnen-Einsatzgruppe der Warburger Feuerwehr. | © Burkhard Battran

Warburg Warburgs Feuerwehr übernimmt mit Drohnen eine Vorreiterolle

Löschzug der Hansestadt gründet als erste Wehr im Kreis eine Drohnen-Einsatzgruppe

Burkhard Battran
10.10.2019 | Stand 09.10.2019, 23:12 Uhr

Warburg. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. „Ich denke da beispielsweise nur an die Waldbrände, die wir in der Vergangenheit hatten. Da leistet eine Drohne gute Dienste im Aufspüren versteckter Glutnester", sagte Warburgs Wehrführer, Stadtbrandinspektor Jürgen Rabbe. Um sich im Wortsinn einen Überblick verschaffen zu können, greift die Feuerwehr bislang auf das Drehleiter-Fahrzeug zurück. Die Leiter lässt sich 30 Meter hochfahren. „Allerdings sieht der Mann im Ausguck im Dunkeln von dort auch nicht allzu weit. Auf Waldböden fehlt es meist von vornherein an der notwendigen Standsicherheit", erklärt Löschzugführer Markus Müller. Als erste Feuerwehr im Kreis Höxter hat der Löschzug Warburg eine Drohnen-Gruppe im Einsatz und übernimmt die Vorreiterrolle bei der Anwendung dieser Technik. „Ein echten Einsatz hatten wir noch nicht, denn wir sind noch in der Übungs- und Aufbauphase", erläutert Drohnen-Arbeitsgruppenleiter Oberbrandmeister Franz Bäumer (57). Die Warburger Feuerwehr hat drei Drohnen-Teams ausgebildet. Breites Einsatzspektrum Jedes Team besteht aus drei Leuten. Es gibt einen Piloten, der sich auf das Steuern der Drohne konzentriert, einen Datenauswerter, der Veränderungen der Wärmebildsignale interpretiert, und einen Techniksupporter, der sich um Akkus und sonstige Betriebsmodalitäten kümmert. Seit vier Wochen wird konkret mit der neuen Drohne gearbeitet. Zum Team gehören die Feuerwehrleute Franz Bäumer (Junior), Stefan Heinemann, Björn Rose, Christian Moors, Andrea Fuest und Carsten Reineke. Es handelt sich um einen handelsüblichen Multicopter vom Typ Yuneec Thyphoon. Das Gerät kostet 700 Euro. Der besondere Clou der Feuerwehr-Drohne ist aber, dass sie mit einer Wärmebildkamera ausgerüstet ist. „Erst dadurch wird das Gerät für uns richtig einsatztauglich", betont Arbeitsgruppenleiter Bäumer. Mit der Wärmebildkamera lassen sich konkret Glutnester aufspüren, auch Menschen können geortet werden. „Man kann den Sensor der Wärmebildkamera auf die menschliche Körpertemperatur kalibrieren und so beispielsweise verletzte Personen aufspüren", erklärt Bäumer. Der Sponsor verschwindet bald Bei dem großen Waldbrand im April zwischen Hardehausen und Lichtenau hatte die Feuerwehr aus dem Kreis Paderborn eine Drohne mit Wärmebildkamera eingesetzt, die wichtige Informationen liefern konnte. Aber die Drohne kann nicht nur im Freien eingesetzt werden. „Auch Einsätze in großen Industriehallen oder Landwirtschaftsgebäuden sind denkbar", sagt Wehrführer Rabbe. 3.200 Euro hat die Warburger Feuerwehr-Drohne mit der Spezialausrüstung gekostet. Bezahlt hat das Gerät der Südzucker-Konzern. Den Impuls zur Anschaffung hatte die Zuckerfabrik bereits vor zwei Jahren gegeben. „Es gab in Warburg auch schon den einen oder anderen Brand, wo sich zum Glück alles in Grenzen gehalten hat. Aber wir hatten vor zwei Jahren den Großbrand in unserer Fabrik im Ochsenfurt, wo die Feuerwehr ebenfalls erfolgreich mit einer Drohne gearbeitet hat. Und ich mich gefragt habe, ob es diese Einsatztechnik auch in Warburg gibt", sagt Werkleiter Stefan Mondel. Gab es nicht. „Wir hatten eine Drohne schon auf der Investitionsliste, aber sie stand nicht ganz oben", erklärt Wehrführer Rabbe. Durch die Sponsorenzusage hat sich das geändert. „Technik ohne Taktik hat keinen Wert, darum war es wichtig, eine Eisatzkonzeption zu entwickeln, ein Team zusammen zu stellen und entsprechende Lehrgänge zu absolvieren", erläutert Drohnen-Chef Bäumer. Aufgrund der betrieblichen Entwicklungen und der bevorstehenden Schließung der Zuckerfabrik hat sich der Impuls zur Anschaffung der Drohne bereits überlebt. Wehrführer Rabbe: „Ich fürchte allerdings, dass es auch so mehr als genug Einsätze für die Drohnen-Teams geben wird."

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