Tauschen Erinnerungen aus und berichten vom Heute: Ömer Köksal ist für eine Woche in der Stadt. Der Besuch im Jugendzentrum und das Gespräch mit Leiterin Rita Assauer ist ihm aus alter Verbundenheit wichtig. - © Dieter Scholz
Tauschen Erinnerungen aus und berichten vom Heute: Ömer Köksal ist für eine Woche in der Stadt. Der Besuch im Jugendzentrum und das Gespräch mit Leiterin Rita Assauer ist ihm aus alter Verbundenheit wichtig. | © Dieter Scholz

Warburg Topmanager bringt große Spende ins Warburger Jugendzentrum Mönchehof

Der Zeit im Jugendzentrum habe er vieles zu verdanken, sagt Ömer Köksal. In Warburg geboren, hat Köksal als Manager eine beeindruckende Karriere hingelegt.

Dieter Scholz
21.04.2019 | Stand 19.04.2019, 17:28 Uhr

Warburg. Im Pass steht der Vorname Ömer. Doch in Warburg nennen ihn alle Ömet. Das kommt dem Westfalen leichter über die Lippen. „Irgendwann hat sich das so eingebürgert", sagt Ömer Köksal und denkt zurück an die Zeit im Warburger Jugendzentrum. Selbst seine Eltern, die Ende der 1960er Jahre aus der Türkei in die Hansestadt kamen, nennen ihn Ömet. Er habe sich daran gewöhnt, sagt Köksal. Seine Bank auch. Auf der EC-Karte stehe Ömet. Seine Bank ist jetzt die UniCredit Austria. Bei einem der Tochterunternehmen, der UniCredit Leasing in Wien, ist der 42-Jährige der Chef. Ende der 1960er Jahre zog es seinen Vater aus Aksaray im Hochland Kappadokiens als Gastarbeiter an die Diemel. „Er arbeitete in der Produktion im Benteler-Werk", sagt Köksal. Die Mutter sei einige Jahre später nach Deutschland gekommen. Zuhause wurde türkisch gesprochen. Eine Patchwork-Familie: Beide brachten je zwei Kinder in die Ehe mit, zwei weitere Kinder wurden im Warburger St. Petri geboren. Köksals Bruder lebt in Menne, eine Schwester in Frankfurt, drei haben sich für die Türkei als Lebensmittelpunkt entschieden. Der beste Freund lebt immer noch in Warburg Schon als junger Schüler habe er wie viele seiner damaligen Freunde ein zweites Zuhause im Jugendzentrum an der Sternstraße gefunden, sagt Koeksal. Die Zeit habe ihn geprägt. Katholische Grundschule, Hauptschule, im Berufskolleg holt er den Realschulabschluss nach, geht bei Sport Mewes in die Lehre, schließt in Hofgeismar das Abi ab. Zum Studium der Betriebswirtschaftslehre geht es nach Paderborn. In Frankfurt findet er seinen ersten Job bei einer Bank, die beruflichen Wege führen ihn auch nach Amsterdam. 2007 wechselt er zur HypoVereinsbank, die als Teil der UniCredit zu seinem jetzigen Arbeitgeber gehört. 2011 nach Wien geschickt, machte Köksal neben dem Beruf an einer italienischen Business-School den Master. Nach und nach übernimmt Köksal Führungsaufgaben. 2015 arbeitet er für die Gruppe für ein Jahr in Prag. „Meine erste größere Managerrolle", sagt er mit Stolz. Doch das reicht dem ehrgeizigen Warburger nicht: Auf eigene Initiative lernt er während den beiden Jahren, die er für die Bank in London tätig ist, an Businessschools in den USA, in China, Brasilien, Irland und Dänemark. Unzählige Flugmeilen kommen auf dem Weg zum Exekutive MBA zusammen. International: Freundschaften mit „Leuten aus aller Welt" entwickeln sich. 2017 bekommt Köksal das Angebot, als Geschäftsführer in Wien Verantwortung zu übernehmen. Zehn Jahre nachdem Köksal beim Studium in Paderborn seine Frau kennengelernt hatte, heiraten Ömer und Türkan 2009. Das Paar zieht in die österreichische Hauptstadt. Sohn Leonardo Mustafa kommt 2014 zur Welt, „Als echter Wiener", sagt Köksal. „Natürlich waren wir Lausbuben, die Schabernack im Kopf hatten" „Mein bester Freund lebt in Warburg", sagt Koeksal. Der werde ebenfalls Ömet genannt. Auf die Frage „Hast du den Ömet gesehen? stets die Gegenfrage: den großen oder den kleinen", erinnert sich Rita Assauer. Seit 1993 in der Einrichtung leitet die diplomierte Pädagogin seit 21 Jahren die "Teiloffene Tür" (ToT). „Eine Institution", sagt Köksal. Für eine Woche ist der Geschäftsmann in der Stadt. „Aus Verbundenheit mit der Börde" und wohl auch zu Besuch bei den Eltern. „Natürlich waren wir Lausbuben, die Schabernack im Kopf hatten", benutzt er alpenländische Redensarten. Doch „das Set an Regeln wurde respektiert". Eine Erfahrung, von der er immer noch zehre. Rita habe es nicht einfach mit so einer Rasselbude gehabt, die im Mönchehof tagtäglich zwischen drei und sieben sich mit Freunden trafen oder Hausaufgaben machten. Die Identifikation mit dem Jugendzentrum sei hoch gewesen, betont Köksal. „Kulturelle Unterschiede waren kein Thema, Keilerein untereinander schon" „Wir haben uns verantwortlich gefühlt"; schiebt er nach. Die Angst davor, das Jugendzentrum, das wie in vielen Städten öffentlich beargwöhnt wurde, in einem schlechten Licht dastehen zu lassen. „Uns war es wichtig, das der Ruf kein schlechter war", sagt Köksal. Dafür krempelten die Jugendlichen die Ärmel hoch und renovierten in Eigenregie. Es sei das „Fingerspitzengefühl der Pädagoginnen" gewesen, „die uns dort abholten, wo wir standen". Diese Ansprache prägte ebenso wie der Besuchermix. „Ein Melking Pot", sagt Köksal. Er möge den Ausdruck „mit Migrationshintergrund" nicht so sehr. Letztlich hätten sich doch alle als eine große Warburger Familie gefühlt. Der Zusammenhalt und ein gemeinsames Verantwortungsgefühl habe weit über die Einrichtung hinaus getragen. „Kulturelle Unterschiede waren kein Thema, Keilerein untereinander schon", sagt er. Aus Gründen von „Banalitäten, die Kinder und Jugendliche nun mal so auf die Palme bringen". Dann mussten sie der Leitung im Gespräch Rede und Antwort stehen. „Die uns auferlegte Konsequenzen trugen Früchte", sagt Köksal rückblickend. „In den Räumen des Mönchehofs haben wir immer ein offenes Ohr gefunden." Ein Anker im jungen Leben. Die Eltern wussten ihn in guten Händen, hatten ein gutes Gefühl. Im ToT nutzt Köskal besonders den Werkraum. „Möbel zu restaurieren hab’ ich gern gemacht", sagt er. Selbst noch im Studium habe er dort herumgewerkelt und sich gefreut „die Leute zu treffen". Schon damals gab es eine ältere Generation, die immer mal wieder vorbeischauten. Und die Jungen schauten beeindruckt zu ihnen hinauf. „Ein Kaffee ist immer drin", sagt Ashauer. „Jetzt sind wir die Älteren, die erzählen können", drückt Köksal seine Verbundenheit aus. Damals habe er das nicht so richtig wahrgenommen, aber es gehöre zum „Spirit" der Warburger Einrichtung, die weitertrage. Der Mönchehof sei nie so der Gymnasiastentreff gewesen. „Eher klassische Arbeiterklasse", sagt Köksal, mit einem ausgeprägten Wir-Gefühl. „Das wussten wir zu hegen und pflegen." „Rita oder eine Freund konnte man immer zur Seite ziehen" Seinen Ehrgeizig habe er sich im Jugendzentrum erarbeitet. Basketball, Fußball, sich in Turnieren mit anderen Jugendzentren messen und das Bemühen, Vorurteile untereinander und nach außen auszumerzen, seien große Anreize gewesen. „Wir waren nicht immer in Watte gepackt, da waren geordnete Bahnen für uns Rasselbande wichtig", blickt er in seine Kaffeetasse. Zum Erwachsenwerden gehöre es, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, was richtig oder falsch ist. Auch wenn es nicht immer gleich eingesehen werde, sagt der Manager. Sich auf unterschiedliche Charaktere einzustellen und Menschen zu begeistern, habe er im ToT gelernt. Offen miteinander umzugehen, Situationen besonnen zu beobachten und auf sich wirken zu lassen, helfe schon in jungen Jahren. Heute könne er das wertschätzen. „Ich glaube, in diesem Kreis sehr viel Feingefühl für Ursache und Wirkung bekommen zu haben, um den einen oder anderen Schritt zu gehen oder eben nicht", hält er fest. Von der heutigen Jugend würde er sich mehr Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit wünschen. Und stets zu wissen, zu jemanden gehen zu können – egal in welcher Situation. Das sei damals der Fall gewesen. „Rita oder eine Freund konnte man immer zur Seite ziehen", erinnert sich Köksal. Dies gute Gefühl habe das Jugendzentrum damals wie heute ausgezeichnet.

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