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Das ehemalige Schuhaus Pennig an der Marktstraße: Um das Jahr 1860 errichtet ist die Frage nach der Denkmalwürdigkeit des Gebäudes strittig. Der Eigentümer möchte das Haus abreißen und neu bauen. - © Dieter Scholz
Das ehemalige Schuhaus Pennig an der Marktstraße: Um das Jahr 1860 errichtet ist die Frage nach der Denkmalwürdigkeit des Gebäudes strittig. Der Eigentümer möchte das Haus abreißen und neu bauen. | © Dieter Scholz

Warburg Gutachter erkennt keinen Denkmalcharakter beim Warburger Haus Pennig

Ein Eintrag in die Denkmalliste der Stadt sei aus denkmalfachlicher Sicht nicht begründet, sagt die Expertise eines unabhängigen Gutachters.

Dieter Scholz
13.03.2019 | Stand 12.03.2019, 20:49 Uhr

Warburg. Aus denkmalfachlicher Sicht sei das Pennigsche Haus nicht denkmalwürdig. Zu diesem Ergebnis kommt der Hamburger Gutachter, den die Stadtverwaltung beauftragt hatte, das Fachwerkgebäude an der Marktstraße 18 genauer unter die Lupe zu nehmen. Aufgrund der erheblichen Schäden, die zu einem Austausch von wesentlichen Teilen der Substanz des Gebäudes führten, „und der Tatsache, dass es sich um ein sehr einfaches Gebäude ohne bauliche Besonderheiten im Inneren oder Äußeren und ohne besondere stadtgeschichtliche Bedeutung sowie einer schlechten Überlieferung der Substanz handelt", sei ein Denkmalwert sehr fraglich, begründet Sachverständiger Geerd Dahms sein Urteil. In der kommenden Woche soll in der Sitzung des Planungsausschusses wieder diskutiert werden. Ende November hatten die Ausschussmitglieder beschlossen, vor einer abschließenden Entscheidung über die Eintragung in die Denkmalliste die objektive Sichtweise eines unabhängigen Gutachtens einzuholen. Dieser Vorgehensweise hatte sich der Rat angeschlossen. In so einer strittigen und sensiblen Angelegenheit, sei eine sachliche Meinung wichtig, befand auch Bürgermeister Michael Stickeln. Das Urteil der Expertise sei für ihn verbindlich. Das Gutachten wurde in Auftrag gegeben. Ende Januar fand eine entsprechende Begehung statt. Auch wurde dem Sachverständigen die Bauakte zur Verfügung gestellt. In der Stadt wurde der geplante Abriss heftig diskutiert Der Eigentümer, das Büro Immobilien Center Peters (ICP) aus Salzkotten, hatte Anfang August bei der Stadt eine Bauvoranfrage zum Abbruch des bestehenden rund 160 Jahre alten Gebäudes und dem Neubau eines Wohnhauses mit zehn Wohneinheiten für das Grundstück gestellt. Der Planungsausschuss hatte daraufhin im September einstimmig dem Vorhaben zugestimmt. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) befürwortete dagegen eine Unterschutzstellung und führte orts- und sozialgeschichtliche sowie städtebauliche Gründe für ein öffentliches Erhaltungsinteresse an. Die Diskussion um das stattliche Giebelhaus stieß auf das Interesse der Öffentlichkeit. In der Stadt wurde heftig diskutiert. „Immer dann, wenn bereits erheblich in die Substanz eingegriffen worden ist und gleichzeitig zu erwarten ist, dass bei einer denkmalgerechten Instandsetzung weitere wesentliche Teile des Gebäudes ausgetauscht werden müssen, stellt sich die Frage, ob der Erhalt eines derart seiner Substanz beraubten Gebäudes im Ergebnis noch ein Denkmal sein kann", zitiert die Stadt in der Sitzungsvorlage den Sachverständigen. Eine Denkmalwürdigkeit setze die Originalität und Integrität voraus, auch spiele ein gewisser Seltenheitswert eine Rolle. „All das ist hier so nicht oder nicht mehr gegeben", sei in dem Gutachten Dahms zu lesen. Zudem werde das Gebäude nach einer durchgreifenden Instandsetzung „kaum mehr, als seine Kubatur behalten". „Die Intentionen der Bauzeit sind somit nicht mehr ablesbar" Das heute sichtbare Fachwerk sei erst in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg freigestellt worden. 1948/49 sei der Putz entfernt worden. Zuvor habe er eine Quaderung aufgewiesen. Die ursprünglichen Bauherren wollten um 1860 einen Massivbau vortäuschen. „Die Intentionen der Bauzeit sind somit nicht mehr ablesbar", bewertet Dahms. Eine Bedeutung für die Geschichte der Stadt aufgrund der Entwicklung bürgerlichen Bauens sei an vielen Warburger Gebäuden ablesbar, eine besondere Bedeutung sei aber für das Haus Pennig nicht nachzuweisen. Der Sachverständige fordert die Denkmalpfleger auf, eine Auswahl zu treffen, „damit der Denkmalbegriff nicht beliebig in der Anwendung ausgeweitet wird". Ein Neubau habe allerdings die benachbarten eingetragenen Denkmäler zu respektieren. Die Gestalt und Bauform des „abgängigen Bestandsgebäudes" sei zu übernehmen, eine Ausführung in Sichtfachwerk denkmalpflegerisch nicht erforderlich. „Ein Putzbau wäre an dieser Stelle auch aus stadtgeschichtlichen Gründen vorzuziehen", hält Dahms dagegen fest. Das Gutachten wird am Dienstag, 19. März, auf der Tagesordnung der Planungsausschuss-Sitzung im Behördenhaus stehen. In der Vorlage empfiehlt die Verwaltung aufgrund der denkmalfachlichen Stellungnahme dem Ausschuss, das Pennigsche Haus nicht in die Denkmalliste der Stadt einzutragen.

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