Ein Investor will das ehemalige Schuhhaus Pennig abreißen lassen. Dagegen regt sich Protest. - © Dieter Scholz
Ein Investor will das ehemalige Schuhhaus Pennig abreißen lassen. Dagegen regt sich Protest. | © Dieter Scholz

Warburger wehren sich gegen Abriss des Pennigschen Hauses

Ein Bürgerantrag fordert den Eintrag des Fachwerkhauses in die Denkmalliste

Dieter Scholz

Warburg. Der vom Investor erwogene Abriss des Pennigschen Hauses an der Marktstraße 18 in Warburg wird von den Bürgern heftig diskutiert. Die Stadtverwaltung hatte gegen den Abriss des Hauses aus denkmalschutzrechtlicher Sicht zunächst keine Bedenken geltend gemacht. Dagegen halten viele Bürger den Standpunkt der Stadtverwaltung und der Kommunalpolitik für fragwürdig. Jetzt erreichte das Rathaus ein Bürgerantrag, der den vorläufigen Eintrag des Fachwerkhauses in die Denkmalliste fordert. Das Büro Immobilien Center Peters (ICP) aus Salzkotten, das das markante Fachwerkgebäude erworben hatte, ohne dass der Denkmalschutz ein Thema gewesen war, will das Haus abreißen. Nach dem Umzug des Schuhhauses Sprenger an die Untere Hauptstraße waren vom Investor 2016 erste Planungen vorgestellt worden. Projekt plötzlich nicht mehr wirtschaftlich Sollten zunächst sechs barrierefreie Luxus-Eigentumswohnungen und eine rund 200 Quadratmeter große Geschäftsfläche entstehen, sah das Immobilien-Unternehmen in der weiteren Planung das Projekt nicht mehr als wirtschaftlich an. Die Bausubstanz sei marode, so das Argument. Die Gesellschaft beantragte bei der Stadt den Abriss. Auch wurde beim Kreis als oberste Bauaufsichtsbehörde in einer Bauvoranfrage der Abbruch des rund 160 Jahre alten Fachwerkhauses und den Neubau eines Wohnhauses auf dem etwa 400 Quadratmeter großen Grundstück mit zehn Wohneinheiten beantragt. „Wegen der Klärung denkmalrechtlicher Fragen ruht dieses Verfahren zurzeit", sagt Silja Polzin, Sprecherin des Kreises Höxter. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) habe bei der Stadt den Antrag auf Unterschutzstellung des Gebäudes gestellt. Über diesen Antrag sei noch nicht abschließend entschieden worden. Einstimmig für den Abriss gestimmt Im Planungsausschuss des Warburger Stadtrates hatten die Mitglieder Ende September einstimmig für den Abriss und gegen eine Unterschutzstellung des Gebäudes als Denkmal votiert. Und eben diese Entscheidung löste bei vielen Warburgern Bestürzung aus. Marktstraße, Sternstraße und Zwischen den Städten seien Straßenzüge mit einer weitgehend intakten, wertvollen historischen Denkmalsubstanz, so das allgemeine Empfinden. Das Fachwerkhaus Pennig sei zentraler Bestandteil dieses die Neustadt prägenden Ensembles, hieß es beispielsweise in einem Leserbrief an die NW. „Die Lebensqualität in unserer Stadt, der Fremdenverkehr und besonders unsere Verantwortung für die noch vorhandenen sichtbaren Zeugnisse der geschichtlichen Entwicklung erfordern den Erhalt unserer historischen Gebäude", begründen die sechs Unterzeichner ihren Bürgerantrag. Durch das Denkmalschutzgesetz sei diese Aufgabe der Stadt verpflichtend übertragen worden. Danach sei jedes Denkmal in die Denkmalliste einzutragen. „Einen Ermessensspielraum gibt es hier nicht", ist in dem Schreiben zu lesen. Unter Einbeziehung der zuständigen Fachbehörde, anderer Fachleute und interessierter Einwohner, sollte die Frage der Denkmalqualität eines Gebäudes diskutieren werden. „So viel Zeit sollten wir uns auch beim Haus an der Marktstraße 18 nehmen." "Wir befinden uns noch im Verfahren" „Wir befinden uns noch im Verfahren", sagt Bürgermeister Michael Stickeln. Der Bau- und Planungsausschuss werde in seiner Sitzung am 21. November nochmals über das Thema beraten. „Bis dahin werden keine Fakten geschaffen", beruhigt Stickeln. Gemeinsam mit Vertretern der Oberen Denkmalbehörde des Kreises werde er das Gebäude persönlich von innen in Augenschein nehmen, kündigt Stickeln an. Zudem habe der Investor bis Ende Oktober Gelegenheit, sich gegenüber der Stadt schriftlich zu seinen Plänen zu äußern. Es sei auch im Interesse der Stadt und der Politik, „keine Schnellschüsse in welche Richtung auch immer zu verfolgen", sagt Stickeln. Der Kreis werde keine Abrissgenehmigung erteilen, bevor nicht über die Denkmalfrage entschieden worden sei. Diese Sorge könne er den Bürgern nehmen. „Wir werden das sachgerecht und in Ruhe durchführen", bekräftigt Stickeln. Auch der Bürgerantrag, der am Montag im Rathaus eingegangen war, gehe jetzt seinen formellen Weg, werde geprüft und voraussichtlich auf der Tagesordnung der Ratssitzung am 27. November stehen. "Ein sehr emotionales Thema" Der geplante Abriss des Gebäudes sei, da ein sehr emotionales Thema, kein einfaches. Daher werde man sich die Zeit nehmen, „um zu einer politisch ausgewogenen Entscheidung zu kommen", so der Bürgermeister. Es gebe aber durchaus auch Stimmen, die einen Neubau befürworteten. Die intensiven Diskussionsbeiträge innerhalb der Bürgerschaft, die befürchteten, in der Innenstadt einen Schandfleck zu bekommen, rechtfertigten es, die Thematik nochmals in den Ausschuss zu geben. Sollten Ausschuss und Rat erneut einen Abriss befürworten, hätte der LWL über einen Ministerentscheid aus dem NRW-Bauministerium die Möglichkeit, einen Eintrag des Pennigschen Hauses in die städtische Denkmalliste zu erreichen. Diskussion um Denkmalschutz Dass die Sorge vor einem Prozess die Stadtverwaltung bewogen habe, das Haus in der Marktstraße nicht in die Denkmalliste aufzunehmen, sehen die Antragsteller nicht vom Denkmalschutzgesetz gedeckt. Handele es sich um ein Denkmal, so sei es in die Liste einzutragen, „ganz unabhängig davon, ob der Eigentümer mit dem Gericht droht". In einem Verfahren könne die Frage sorgfältig geklärt werden. Der Prüfung der Denkmaleigenschaft und ihrer intensiven Diskussion in der Bürgerschaft, unterstützt durch die Argumente der Fachbehörde des Landschaftsverbandes wird sich das Verwaltungsgericht sicher nicht verschließen", bleiben die Unterzeichner gelassen. Dafür gebe es hinreichende Beispiele aus der gerichtlichen Entscheidungspraxis.

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