Warburg Pfarrer Wilke und Gemeindereferentin Bolte starten neue Gottesdienst-Reihe

Ein Angebot für "zweifelnde" Christen

Lieselotte Hasselhoff

Warburg. Mal was Neues probieren - das wollen Pfarrer Andreas Wilke und Gemeindereferentin Christina Bolte mit einer neuen Gottesdienst-Reihe "für zweifelnde, glaubende, suchende und andere Christen." Einmal im Monat sollen die Gottesdienste stattfinden, als Inspirationsquelle für die inhaltliche Ausgestaltung dienen die Jahreszeiten und die Themen des Lebens. "Wir richten uns ganz bewusst an Christen, die sich über ihr Verhältnis zur Amtskirche nicht sicher sind", erklärt Wilke, Pastor im Pastoralverbund Warburg. In diesem Sinne steht bei jedem Gottesdienst die Suche nach Gründen im Mittelpunkt. Auftakt wird der Gottesdienst am Sonntag, 23. September sein. Er trägt den Titel "Ernte 2018 - Danke dafür?!". Wie der Titel verrät, soll es um die Frage nach Gründen zur Danksagung gehen. "Unsere Gottesdienste leben stark von Symbolen", erzählt Bolte, "jedes Symbol hat zwei Seiten." So auch das Bild der "Ernte": "Da ist auf der einen Seite die Ernte auf dem Feld, die Früchte, die man dort einsammelt, der Dank dafür." Doch man könne auch einen Bezug zum persönlichen Leben herstellen: "Vielleicht hat jemand gerade jetzt ein Lebenskapitel abgeschlossen, jemandem ist etwas besonders gut geglückt - das ist auch eine Art der Ernte." Auf diese Weise wollen Bolte und Wilke mit, wie sie hoffen, vielen anderen Gottesdienst-Teilnehemern durchs Jahr wandern: "Lichterglanz und Plätzchenduft?!" lautet zum Beispiel der verlockende Titel des Dezember-Gottesdiensts. Das Thema: "Gründe zum Warten". Um das Thema Neuanfang dreht sich der Januar-Gottesdienst. Immer nah am Leben sollen die Feiern sein: "Was sind Gründe zum Zusammenbleiben" lautet so die Frage im Mai, dem Monat der Hochzeiten, "Was bedeutet Ausspannen" eine andere im Sommerloch-Monat August. "Letztlich spiegelt das Jahr, mit seinen Monaten alle wichtigen Lebensthemen wider", sagt Bolte. Wichtig ist Bolte und Wilke, dass die Gottesdienste als Angebote verstanden würden. "Im Fokus steht für uns immer die Frage an alle: 'Was siehst du?'" Jeder Mensch sei einzigartig mit dem, was er kann und nehme dementsprechend eigene Dinge wahr. "Während des Gottesdiensts kann ich nur anbieten, was ich sehe", sagt Bolte. »Wir werden keinem das Mikrofon vors Gesicht halten und sagen, jetzt sag' du auch mal was« Dabei sei auch denkbar, dass Gemeindemitglieder sich selbst in den Gottesdienst einbringen, erläutert der Pfarrer: "Natürlich tun sie das schon jetzt, indem sie Singen und gedanklich bei der Sache sind" und selbstverständlich werde niemand gezwungen. "Wir werden keinem das Mikrofon vors Gesicht halten und sagen, jetzt sag' du auch mal was." Die genaue Ausgestaltung der Zusammenkünfte hinge letztlich von der Gemeinde ab, die entstehen werde. "Die Leute sollen selbst entscheiden: 'Wie wohl fühle ich mich', 'was traue ich mich'." Erst mal solle es ein ganz klassischer Gottesdienst werden. "Wir sind ja selbst noch mitten im Prozess", sagt Bolte. "Wir sind sehr gespannt, was wir im Laufe des Jahres entwickeln werden". Die Kernidee der neuen Reihe hat die Malerin Rita Thön auf die Bitte der Gemeindereferentin hin in einem Bild zum Ausdruck gebracht. Es zeigt ein großes Herz, das von Ranken umschlungen ist, die sich an einem Ende zu einer dichten Spirale zusammenziehen. Weiter oben im Bild lichten sich die Ranken und verwandeln sich in eine Art runder Frucht. Bolte erläutert die Symbolik: "Das Herz steht für die allgegenwärtige Liebe Gottes, die eigentlich die Antwort auf alle Fragen ist." Die Ranken repräsentierten die verschlungenen Lebenswege. Die Mitte der Spirale symbolisiere die Einmaligkeit eines jeden Menschen, "seinen inneren Schwung". Demgegenüber verweisen die runden Früchte auf das, "was sich entwickeln kann". Beide, Bolte und Wilke, sind von Haus aus Gestaltpädagogen. "Dieser Ansatz fließt auch in unsere kirchliche Arbeit ein", erklären sie. Aus seiner Sicht gehe es bei der Gestaltpädagogik darum, die Dinge nicht ausschließlich mit dem Verstand zu erfassen: "Wir versuchen, auch hinter die Dinge zu schauen." So solle ein Evangelium nicht lediglich in seinem Wortlaut verkündet werden: "Die Frage ist, wie kann ich das Gehörte auf mich selbst übertragen, was habe ich persönlich dazu zu sagen, was gibt es mir?" Dass die Reihe ausgerechnet zum Erntedank-fest hin startet, ist übrigens reiner Zufall: "Es war einfach die Lust, etwas Neues zu probieren", sagt Bolte. Dennoch, bei aller Symbolik scheint auch der Zeitpunkt für den Beginn der Reihe gut gewählt. Wilke deutet auf zwei bunt geschmückte Ernte-Körbe: "Wir halten alles bereit, jetzt können die Körbe gefüllt werden: mit Gründen - zum Beispiel für das Leben, für Dankbarkeit oder auch für Sehnsucht." Bolte bekräftig: "Es ist immer schön, sich gemeinsam auf die Suche nach Antworten zu machen".

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