Das Geschäft mit dem Wasser: Ein Mitarbeiter des Mineralbrunnenbetriebs Germeta kontrolliert an der Abfüllanlage im Germeter Werk. Im Hochsommer läuft die Produktion auf Hochtouren. In den vergangenen Jahren hat das Traditionsunternehmen kontinuierlich in seine Anlagen, Lager- und Büroräume investiert. - © Dieter Scholz
Das Geschäft mit dem Wasser: Ein Mitarbeiter des Mineralbrunnenbetriebs Germeta kontrolliert an der Abfüllanlage im Germeter Werk. Im Hochsommer läuft die Produktion auf Hochtouren. In den vergangenen Jahren hat das Traditionsunternehmen kontinuierlich in seine Anlagen, Lager- und Büroräume investiert. | © Dieter Scholz

Germete Fränkischer Investor übernimmt Germeta

Das Warburger Unternehmen soll eigenständig bleiben, Arbeitsplätze seien nicht bedroht

Katharina Engelhardt

Germete. Germeta hat einen neuen Gesellschafter: Die im fränkischen Treuchtlingen ansässige Schäff-Gruppe hat sämtliche Anteile von den bisherigen Gesellschaftern der Heil- und Mineralquellen Germete GmbH übernommen. Die wohl wichtigste Nachricht für das Stammpersonal: Unabhängig vom Gesellschafterwechsel wird Germeta ein eigenständiges Unternehmen bleiben, der Standort sei in keinster Weise gefährdet, soll es auf der Betriebsversammlung am Montag geheißen haben, auf der Germeta-Geschäftsführer Thomas Grah die Mitarbeiter informiert hatte. Auch personelle Veränderungen habe die 160-Mann starke Belegschaft nicht zu fürchten. Alle Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben. Thomas Grah bleibt nach NW-Informationen weiterhin Geschäftsführer des Germeter Betriebs. Über die Hintergründe des Verkaufs ist nicht viel bekannt. Aus unternehmensnahen Kreisen wurde kolportiert, die bisherigen Gesellschafter Ernst Andreas und Jürgen Rabe hätten mit Blick auf die Nachfolgeregelung des Unternehmens aus Altersgründen an Schäff verkauft. Ernst Andreas, der in Eschwege die dortige Klosterbrauerei - ein Familienunternehmen in fünfter Generation - leitet, war bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen. Rabe und Andreas hielten jeweils Anteile zu 50 Prozent. Schäff macht aus Zweien jetzt Eins. Unter den Top Ten der deutschen Getränkehersteller Fakt ist: Die Schäff-Gruppe bringt hochattraktives Kapital mit, ist einer der kräftigsten Platzhirsche im Discounter-Markt und könnte Germeta neue Perspektiven und weite Spielräume in Sachen Investition und Vermarktung bieten. Germeta macht zu Umsatz- und Gewinnzahlen keine Angaben, kommuniziert aber gerne, gut im Geschäft zu sein. Noch im Januar war Grah mit einer Erfolgsmeldung an die Öffentlichkeit gegangen, hatte verkündet, das Jahr 2015 als bestes Geschäftsjahr in der Unternehmensgeschichte abgeschlossen zu haben. 332 Millionen abgefüllter und verkaufter Flaschen "seien ein großartiger Erfolg" gewesen, hatte sich damals Thomas Grah geäußert. Ein Erfolg, der dem Mineralbrunnenbetrieb einen Platz unter den Top Ten aller deutschen Getränkehersteller (nach Gesamtabsatzvolumen) sichern konnte. Genau da, nur viel weiter oben, nämlich auf Platz 3 dieser Bestenliste ist der neue Eigentümer von Germeta gelistet - die Schäff-Gruppe aus dem fränkischen Treuchtlingen gehört zu den größten Mineralwasserabfüllern und Mixgetränke-Herstellern in Deutschland. Sie beliefert nahezu alle Lebensmittelhändler und Discounter. Der Konzern ist ein mächtiger Getränkeriese, dessen Name zwar nirgends auf einem Wasserflaschenetikett zu lesen ist, der aber als Teilhaber mehrerer Getränkehersteller und Wasserproduzenten kräftig im mittlerweile hart umkämpften Getränkemarkt mitmischt: Zu dem Unternehmen gehören die Brandenburger Urstromquelle, der Altmühltaler Mineralbrunnen und die Vitaqua GmbH in Breuna, ein Wasserproduzent und Abfüllbetrieb. Hinter der Schäff-Gruppe steht der öffentlichkeitsscheue Unternehmer Michael Schäff aus Treuchtlingen. Seinen Ursprung hat die Gruppe in der 1364 gegründeten Treuchtlinger Brauerei, die seit 1938 im Besitz der Familie Schäff ist. Traditionsbewusst haben die bisherigen Gesellschafter agiert: Seit vielen Jahrzehnten stand das Unternehmen in Teilhaberschaft der Brauerei-Familie Andreas und der Familie Rabe aus Eschwege. Bereits in den 70er-Jahren, als Germeta noch im Kurpark ansässig war und Wasser aus den dortigen Heilquellen abgefüllt hat, soll sich Jakob-Ernst Andreas als Gesellschafter in die Mineral- und Heilquellen Germete eingekauft haben, dann auch Rabe senior. Bis heute füllte sein Sohn Ernst Andreas den Gesellschafterpart aus - gemeinsam mit dem zweiten Gesellschafter, Jürgen Rabe. Rabe ist als Getränkegroßhändler im Großraum Eschwege tätig. Ob und wie sich das Germeter Unternehmen ins Konzept des neuen Eigentümers einfügt, bleibt abzuwarten. Die Schäff-Gruppe hat sich mit seinen Unternehmen auf den Discounter-Markt fokussiert. Billigwasser für Aldi, für Lidl, Penny und Norma. Germeta stellt Qualitätsprodukte her. Die wichtigsten Marken des Unternehmens sind Germeta, Antonius Quelle, Warburger Waldquell und Bella Vita, dazu kommen Handelsmarken, die Germeta für Rewe und Edeka produziert. Im vergangenen Jahr wurden im Betrieb insgesamt etwa 340 Millionen Liter Getränke abgefüllt.

realisiert durch evolver group