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Öffentliche Suche: Fünf Tage nach dem Verschwinden von Anton L. aus Steinheim gab die Polizei eine Vermisstenmeldung an die Öffentlichkeit. So stand es in der Neuen Westfälischen am 24. November. - © Foto: Simone Flörke
Öffentliche Suche: Fünf Tage nach dem Verschwinden von Anton L. aus Steinheim gab die Polizei eine Vermisstenmeldung an die Öffentlichkeit. So stand es in der Neuen Westfälischen am 24. November. | © Foto: Simone Flörke

Steinheim Vermisst seit 23 Jahren: Leiche eines Steinheimers nun in Holland identifiziert

1993 verschwand der Steinheimer Tankwart Anton L. plötzlich spurlos. Nun konnte die niederländische Polizei mit Hilfe der Kollegen aus Höxter den Fall lösen

David Schellenberg
23.03.2017 | Stand 23.03.2017, 15:18 Uhr

Steinheim. In Steinheim und Umgebung kannte sie jeder: Denn wer tanken wollte, fuhr gern zu Anton und Otto L., die in der Nähe des Bahnhofs eine Tankstelle betrieben. In ihrem kleinen Kabuff warteten sie auf Kundschaft. Sie tankten für die Autofahrer, waren immer offen für einen kleinen Plausch und rundeten auch schon mal zu Gunsten der Kunden ab. Mitte November 1993 verschwand Anton L., der in der Stadt als etwas wunderlich galt, plötzlich spurlos. Nie wieder hörten seine beiden Brüder Otto und Rudolf von ihm. Auch die Polizei konnte den Fall nicht lösen. Großangelegte Suchaktionen blieben damals ohne Erfolg. Bruder Otto, der vor einigen Jahren starb, hatte die Suche nach seinem Bruder nie aufgegeben. Jetzt gibt es eine Wendung in dem Fall. Denn nun konnte die niederländische Polizei mit Hilfe der Kollegen aus dem Kreis Höxter sowie dem Landeskriminalamt in Düsseldorf eine Leiche identifizieren, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der Vermisste Anton L. aus Steinheim ist. Bereits Ende 1993 wurde eine Leiche gefunden "Solche Vermisstenfälle werden nie ganz zu den Akten gelegt, sondern immer wieder abgeglichen", erklärt Frank Scheulen, Pressesprecher des LKA. Die Behörde wird immer eingeschaltet, wenn es um grenzüberschreitende Zusammenarbeit geht. Bereits kurz nach dem Verschwinden des damals 68-Jährigen wurde ein Leichnam in Pannerden nahe der Grenze zu Deutschland im Wasser liegend gefunden. Damals war es den Ermittlern nicht möglich, die Identität des Toten festzustellen. Auch eine Verbindung zu dem Vermisstenfall aus Steinheim wurde seinerzeit nicht gezogen, obwohl bei dem Toten eine Fahrkarte von Hameln nach Düsseldorf gefunden worden sein soll. Der Mann wurde schließlich anonym in den Niederlanden bestattet. Nun hat sich die niederländische Polizei den Fall noch einmal vorgenommen. Das "Cold-Case"-Team der niederländischen Polizei nutzte dabei neueste Fortschritte der DNA-Analyse, wie die Zeitung De Gelderlander berichtet. Die niederländischen Ermittler nahmen Kontakt zum LKA auf, das erstmals eine Verbindung zur Vermisstenanzeige von Anton L. erkannte. Um einen neuen DNA-Abgleich zu ermöglichen, wurde dem dritten, noch lebenden jüngeren Bruder, Rudolf L., Blut abgenommen. DNA-Abgleich, Gebissbilder und alte Fotos halfen bei der Identifizierung Bilder vom Gebiss des Toten und alte Fotografien halfen bei der sicheren Identifizierung des Leichnams. "Es ist gut, jetzt Gewissheit zu haben und endlich zu wissen, was damals genau passiert ist", sagt der heute 88-jährige Rudolf L., der im Steinheimer St.-Rochus-Krankenhaus lebt, gegenüber der Neuen Westfälischen. Mehr will er nicht sagen, um damit endlich abschließen zu können. Ein Gewaltverbrechen schließen die niederländische Polizei, aber auch die Angehörigen von Anton L. aus. Gern hätte die Familie den Leichnam von Anton L. zurück in die Heimat Steinheim geholt und in einem bestehenden Familiengrab beerdigt. Das ist leider aber nicht mehr möglich, weil das anonyme Grab in den Niederlanden bereits vor mehreren Jahren aufgelöst worden ist, wie ein Angehöriger bestätigt. Auch die legendäre Tankstelle von Otto und Anton L. ist längst Geschichte. Sie wurde im Zuge des Baus der großen Bahnunterführung um 1995 abgerissen.

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