Neue Nutzung: Das Weberhaus in Nieheim ist jetzt von der Koptischen Kirche gekauft worden. - © Simone Flörke
Neue Nutzung: Das Weberhaus in Nieheim ist jetzt von der Koptischen Kirche gekauft worden. | © Simone Flörke

Nieheimer Weberhaus wird Schule für Migranten

Die Koptische Kirche will fleißigen Arbeitern aus dem Ausland in ehemaliger Kolping-Bildungsstätte deutsche Arbeitsstandards beibringen

Burkhard Battran

Nieheim/Brenkhausen. Es gibt ein neues Betreiberkonzept für das seit zwei Jahren leerstehende Weberhaus in Nieheim. Die traditionsreiche ehemalige Kolping-Bildungsstätte soll als Schule für Migranten fortbestehen. Betreiber der neuen Bildungsstätte, die vor allem Handwerker aus dem Ausland auf deutsche Fachstandards bringen soll, ist die Koptische Kirche in Deutschland mit ihrem Bischofssitz im Kloster Brenkhausen. Die Idee wurde vor drei Jahren bei einem Treffen von Koptenbischof Anba Damian (63) mit dem ehemaligen Kolping-Generalpräses Heinrich Festing (87) beim Libori-Fest in Paderborn geboren. „In den letzten zwei Monaten haben wir die Vertragsverhandlungen eingeleitet, die jetzt abgeschlossen wurden“, erklärte Wolfgang Gelhard, Geschäftsführer des Kolping-Bildungswerkes. Die Koptische Kirche hat das 7.000 Quadratmeter große Areal mit dem historischen Weberhaus und den angegliederten Seminartrakten gekauft. Über die Summe wird Stillschweigen bewahrt. Es soll sich um eine „relevante Anerkennungssumme“ handeln. „Der entscheidende Punkt ist, dass die Bildungsstätte in ihrem Wesen weitergeführt und nicht zweckentfremdet oder abgerissen wird“, betonte der Präses Festing. Der Priester und siebte Nachfolger Adolph Kolpings hat die Bildungsstätte in Nieheim selbst aufgebaut und lange Jahre geleitet. „Am 1. Juli 1962 war die Bildungsstätte von Kardinal Jäger geweiht worden“, erinnert sich Festing. 50 Jahre war das 140 Betten große Bildungshaus in Betrieb. Die Arbeit mit Senioren und Bundeswehrangehörigen sowie Familienfreizeiten waren das Fundament des Bildungsbetriebs. 2012 wurde der Betrieb eingestellt. Bis 2016 diente das Weberhaus als Unterbringungseinrichtung von bis zu 200 Geflüchteten. Bischof Damian ist überzeugt, mit der Weiterführung als Schule für Handwerker mit Migrationshintergrund einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft leisten zu können. „Viele Migranten, die zu uns kommen, sind willige und fleißige Handwerker. Um aber hier in Deutschland wirksam dem Fachkräftemangel Abhilfe leisten zu können, müssen sie sprachlich und berufstechnisch die hiesigen Standards erwerben. Das wollen wir mit dieser Schule leisten“, erklärt Bischof Damian. Wann die ersten Kurse starten, ist noch offen, aber es werde an einer zeitnahen Aufnahme gearbeitet. „Brandschutztechnisch ist alles auf dem neuesten Stand, es müssen noch einige Sanierungsarbeiten durchgeführt werden, aber dann kann es von unserer Seite auch schon losgehen“, sagt Damian. Finanziert werden sollen die Kurse über die Mittel für Integrationsmaßnahmen des Bundes oder anderer öffentlicher Stellen. Auch das Kolping-Bildungswerk soll als Kooperationspartner im Boot bleiben. „Wir bieten der neuen Bildungsstätte an, für handwerkliche Fachkurse auch unsere Werkstätten im Kolping-Berufsbildungswerk in Brakel zu nutzen“, erklärte Geschäftsführer Gelhard. Das Engagement der Koptischen Kirche als Bildungsträger ist im vergangenen Jahr in Bad Grund im Harz gestartet. Dort bauen die Kopten aktuell in einer ehemaligen Grundschule eine Akademie auf, die junge Menschen aus Ländern der altorientalischen Kirchen auf ein Hochschulstudium in Deutschland vorbereiten soll. Geleitet wird die Akademie von dem Ägyptologen Rainer Hannig (65) und der Ägyptologin Daniela Rutica, die auch die Bildungsstätte in Nieheim leiten werden. Rainer Hannig: „Unser Haus wird Festing-Bildungsstätte heißen, womit wir auch im Namen an die Tradition Kolpings anknüpfen wollen.“

realisiert durch evolver group