0
Treppenlauf: (v.l.) Mathias Schmidt und Guido Hartmann engagieren sich seit vielen Jahren für an DMD erkrankte Kinder und trainieren regelmäßig für ihre Charity-Läufe an der Uni Paderborn. - © Simon Ratmann
Treppenlauf: (v.l.) Mathias Schmidt und Guido Hartmann engagieren sich seit vielen Jahren für an DMD erkrankte Kinder und trainieren regelmäßig für ihre Charity-Läufe an der Uni Paderborn. | © Simon Ratmann

Marienmünster Bredenborner Mathias Schmidt startet beim Boston-Marathon in Feuerwehr-Montur

In seiner Feuerwehr-Montur will er in den USA für die Duchenne-Stiftung werben

Uwe Müller
08.04.2019 | Stand 08.04.2019, 08:36 Uhr

Marienmünster-Bredenborn/Boston. Viele Ausdauersportler wollen irgendwann mehr. Ein Marathon ist oft das erklärte Ziel. Dafür muss viel getan werden, denn die legendären 42,195 Kilometer sind nicht im Vorbeigehen zu absolvieren. Auch Mathias Schmidt, seit sechs Jahren als laufender Feuerwehrmann in Sachen Charity unterwegs, nimmt nun das Nonplusultra der Ausdauerläufer in Angriff. Der 33-jährige Bredenborner startet am Montag, 15. April, beim Boston-Marathon. Dabei wird er in den USA viel Aufsehen erregen, denn einen in kompletter Feuerwehrmontur startenden Marathonläufer haben selbst die Amis noch nicht gesehen. Und diese besondere Aufmerksamkeit will Schmidt natürlich: Nach wie vor sammelt er unermüdlich Geld für die Aktion „Benni und Co." der deutschen Duchenne-Stiftung. 50.000 Euro hat er in knapp sechs Jahren schon erreicht, sein Ziel ist es, die 100.000 Euro zu knacken. Aber es geht ihm nicht nur ums Geld. Er will auch auf die immer noch recht unbekannte Muskelkrankheit Duchenne aufmerksam machen. "Ich bin nie gerne gelaufen" Mit Ausdauersport hatte Schmidt, der früher beim SV Fürstenau/Bödexen Fußball spielte, nicht viel am Hut. "Ich habe immer letzter Mann gespielt und bin nie gerne gelaufen", gibt er zu. "Als ich dann aber Jugendtrainer wurde, wollte ich Vorbild sein und musste fitter als die Jungs sein. Ich hatte da auch noch etwas mehr auf den Rippen, aber ich wäre nie darauf gekommen, mal einen Halbmarathon zu laufen." 2012 wurde Schmidt mit der A-Jugend der SG Kollerbeck sogar Kreispokalsieger. Ein Jahr später starb sein Vater, der an Multipler Sklerose erkrankt war. Für Mathias Schmidt war das der Auslöser. Er ist dann erstmalig mit einer Feuerwehrstaffel gelaufen und wollte etwas tun, um auf Muskelkrankheiten aufmerksam zu machen. "Ich bin dann auf die Aktion Benni und Co. gestoßen. Die hat ja auch Wurzeln im Kreis Höxter bei der Asklepios-Klinik", erklärt er. Seitdem startet er deutschlandweit, sei es in Bayreuth, Hamburg oder Köln und natürlich auch im Kreis Höxter. Immer in Feuerwehranzug mit Helm und Pressluftflasche auf dem Rücken. "Die Amerikaner finden das richtig geil" 2015 organisierte er dann den 1. Höxteraner Feuerwehrlauf und konnte stolze 7.500 Euro sammeln. Nun kann er die ganz große Werbetrommel für die Stiftung rühren. In den USA sind Feuerwehrmänner nicht erst seit dem 11. September als Helden angesehen. "Ich denke, ich werde schon am Start gefeiert. Im Internet wurde schon Werbung für mich gemacht. Die Amerikaner finden das richtig geil. Zudem führt die Strecke auch direkt an einem Fire-Department vorbei", ist sich Schmidt, der bei der Freiwilligen Feuerwehr in Marienmünster ist, einer großen Unterstützung sicher. Sicher ist er sich auch, dass er die knapp über 42 Kilometer schafft. Immerhin ist der Bostoner Marathon einer der schwersten aufgrund seines Höhenprofils. Der Streckenverlauf ist hügelig, so dass es schwer ist, seinen Laufrhythmus zu finden. "Ich bin sehr gut vorbereitet. Sicher ist der Boston-Marathon ein ganz anderer Lauf, aber ich habe auch den Hermannslauf, der ja auch nicht der einfachste ist, geschafft", so der Bredenborner. Training auch im Entruper Turm Mit dem erfahrenen Lauftrainer Axel Czech und bei Lange Fit in Höxter hat sich Schmidt 13 Wochen lang intensiv vorbereitet. Um sich auch an die Bergauf-Passagen zu gewöhnen, lagen auch der Entruper Turm und die Anstiege zur Abtei Marienmünster auf seiner Trainingsstrecke. "Wenn ich jetzt nach 28 Kilometern nach Hause komme, fühle ich mich genauso als wenn ich nur zehn gelaufen wäre", beschreibt Schmidt seinen Fitnesszustand. Hatte er im gesamten letzten Jahr nur etwa 380 Kilometer auf der Trainingsuhr, sind es jetzt schon über 500. Eine Zeit für seinen ersten Marathon hat er sich auch vorgenommen. "Die ist fest im Kopf verankert, die wissen aber nur mein Trainer und ich", will er sich keinen unnötigen Druck machen. Eine einzige Gefahr sieht er in der Euphorie. Schmidt: "Ich darf mich nicht davon anstecken lassen, muss mein Tempo laufen und darf nicht überpacen." Auf Tipps von außen kann er nicht hoffen, denn sein Trainer Axel Czech konnte nicht mit. Auch seine Familie nicht. Mathias Schmidt ist Einzelkämpfer in den USA, aber das ist er ja gewohnt, der Firefighter.

realisiert durch evolver group