Die Abtei Marienmünster: Hier sollten ab September französische Priester der Gemeinschaft St. Martin einziehen. - © Simone Flörke
Die Abtei Marienmünster: Hier sollten ab September französische Priester der Gemeinschaft St. Martin einziehen. | © Simone Flörke

Marienmünster Französische Priester kommen doch nicht nach Marienmünster

Grund sollen Unstimmigkeiten mit der Kirchengemeinde sein

Mathias Brüggemann
01.04.2019 | Stand 01.04.2019, 19:30 Uhr

Marienmünster. Die französische Priestergemeinschaft St. Martin kommt nicht nach Marienmünster. Das habe Erzbischof Hans-Josef Becker entschieden, teilte das Erzbistum Paderborn am Montag mit. Grund seien Unstimmigkeiten mit der Kirchengemeinde vor Ort. Bereits am Sonntag hatte während der heiligen Messe der Leiter der Zentralabteilung Pastorales Personal im Erzbischöflichen Generalvikariat, Andreas Kurte, der Gemeinde diese Mitteilung überbracht. Geistliches Zentrum war geplant Ursprünglich war geplant, dass die Priestergemeinschaft das ehemalige Kloster Marienmünster neu besiedelt, um dort ein geistliches und missionarisches Zentrum im Sinne der Priestergemeinschaft aufzubauen. Dieses Vorhaben soll nun an einem anderen Ort umgesetzt werden. Details zu den neuen Planungen will das Erzbistum zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgeben. Mit Vertretern der Kirchengemeinde und der Gemeinschaft St. Martin seien in den vergangenen Monaten Gespräche geführt worden, um im Verlauf der Planungen entstandene Unstimmigkeiten und Missverständnisse zwischen den Parteien zu klären. Unterschiedliche Perspektiven habe es beispielsweise hinsichtlich der gemeinschaftlichen Nutzung der zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten gegeben. „Leider führten diese Gespräche nicht zu der Einigkeit und Unterstützung, die für eine dauerhaft erfolgversprechende Umsetzung des Vorhabens notwendig gewesen wäre", so das Erzbistum in einer Pressemitteilung. Differenzen in Glaubensfragen Dem widerspricht Johannes Potthast, erster stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstands: „Diese Darstellung ist definitiv falsch. Über die Nutzung der Räume hatten wir uns geeinigt", betonte er gegenüber nw.de. Umso erstaunter sei er, „dass der Erzbischof nun den Anker geworfen hat". Davon seien er und die Gemeinde „völlig überrascht" worden. Differenzen habe es mit der Priestergemeinschaft St. Martin allerdings in Glaubensfragen gegeben, räumte Potthast ein. „Die französische Priestergemeinschaft hat einige erzkonservative Ansichten. Ihr Frauenbild, ihr Amtsverständnis des Priestertums und Fragen der Liturgie decken sich nicht mit unseren Auffassungen." Man sei aber übereingekommen, „dass Christen diese Verschiedenheiten aushalten können, wir sie nebeneinander stehen lassen können und wir uns in gegenseitiger Toleranz begegnen", sagte Potthast. Erzbischof Becker bedaure die Entwicklung, heißt es in der Pressemitteilung des Erzbistums. „Mein Dank gebührt ausdrücklich allen, die sich über lange Zeit für die Realisation des gemeinsamen Vorhabens eingesetzt haben. Ich bin optimistisch, dass wir gemeinsam mit der Priestergemeinschaft St. Martin bald einen passenden Ort für die Errichtung des geistlich-missionarischen Zentrums im Erzbistum Paderborn bekanntgeben können", so Becker. Abbé Thomas Diaradourian bleibe als Vertreter der Gemeinschaft St. Martin für das Erzbistum Paderborn wie bisher der Ansprechpartner für die weiteren Überlegungen. Baumaßnahmen wurden sofort gestoppt Die Gebäude in Marienmünster stünden der Kirchengemeinde unverändert zur Verfügung. Im Zuge der ursprünglichen Vorbereitungen sei die Umgestaltung eines „kirchengemeindlichen Flügels der Abtei Marienmünster" geplant gewesen. Dieser Bauabschnitt werde nun überprüft. Weitere anvisierte Umbaumaßnahmen in Marienmünster seien vom Erzbistum mit sofortiger Wirkung gestoppt worden. Für die Gemeindemitglieder ist eine Gemeindeversammlung als zusätzliches Informations- und Gesprächsangebot geplant. Das Gesprächsangebot soll am Mittwoch, 10. April, um 19.30 Uhr in Marienmünster stattfinden. Die Priestergemeinschaft St. Martin sollte zum 1. September mit fünf Geistlichen ihren priesterlich-seelsorglichen Dienst in Marienmünster aufnehmen. Es wäre der erste Standort der Gemeinschaft in Deutschland gewesen. Geplant war, in Marienmünster ein geistliches Zentrum zu schaffen, in dem mit den Verantwortlichen vor Ort missionarische Projekte für den Pastoralen Raum entwickelt werden sollten.

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