Die Bodenintarsie wird eingesetzt: Der Ring wurde bei der vorangegangenen Aktion in Lüdinghausen gefertigt. Die Symbole von Christen- und Judentum sowie Islam formen den Engel. - © Svenja Ludwig
Die Bodenintarsie wird eingesetzt: Der Ring wurde bei der vorangegangenen Aktion in Lüdinghausen gefertigt. Die Symbole von Christen- und Judentum sowie Islam formen den Engel. | © Svenja Ludwig

Höxter Engel der Kulturen auf Höxteraner Marktplatz angekommen

400 Höxteraner Schüler, Geistliche und Interessierte beteiligen sich bei der Aktion

Svenja Ludwig

Höxter. Das Band des Friedens führt nun auch durch Höxter. Seine 129. Aktion wies dem Künstlerpaar Carmen Dietrich und Gregor Merten am Dienstag den Weg an die Weser. Mitgebracht haben sie den Engel der Kulturen, eine Intarsie aus Stahl und Kunststein, der durch die Aussparungen der Symbole der drei Weltreligionen (Kreuz, Stern und Halbmond) in einem Ring entsteht. „Wir stehen in der Verantwortung für den Erhalt unserer humanen freiheitlichen Grundordnung – besonders für uns als Deutsche sollte der Einsatz gegen jede Form von Rassismus und für die Unantastbarkeit menschlicher Würde eine Selbstverständlichkeit sein", erklärte Aktionskünstlerin Carmen Dietrich. Mit seinem Projekt möchte das Paar gegen Fremden- oder Judenfeindlichkeit eintreten, indem die interkulturelle Zusammenarbeit gefördert wird. "Friede, Friede für die Welt" Tatsächlich sind am Dienstag viele Hände nötig. Vier Stationen besuchte der rollende Engel der Kulturen, ein fast mannsgroßes, rundes und äußerst schweres Objekt. Zunächst hinterließ der Zug von rund 400 Menschen einen Sandengel an der Realschule, danach steuerten Künstler und Höxteraner das Jacob-Pins-Forum, die Ulu-Moschee sowie die Nicoalaikirche an. An jeder Station packten Geistliche, Schüler, Höxteraner und Künstler selbst mit an. Das Rad musste auf möglichst ebener Fläche hingelegt und mit Sand ausgefüllt werden. „Friede, Friede für die Welt", begleitete der rund 150 Kinderstimmen starke Chor der Grundschule am Nicolaitor die Herstellung des Sandkunstwerks an der Nicolaikirche. Geschrieben hat das Lied extra für den Anlass Lilli Streich. „Ich finde es klasse, dass es hier in Höxter eine Möglichkeit gibt, etwas für den Frieden zu tun", erklärt die Komponistin. „Wir können uns mit der Idee bestmöglich identifizieren", sagt Schulleiter Ingo Kortmann: „Wir sehen uns als überkonfessionelle Grundschule, sind christlich geprägt, öffnen uns aber allen Religionen." Zuletzt gelangte der rollende Engel zum Marktplatz. Dort wurde keine vergängliche, sondern eine bleibende Intarsie geschaffen. Der Stahlring wurde bei der vorangegangenen Aktion in Lüdinghausen ausgeschnitten und von Merten mit blauem Kunststein gefüllt. 2020 wird die Skulptur in Jerusalem aufgestellt Dann fertigten die Höxteraner noch den Ring für die 130. Stadt auf der Liste des Künstlerpaares. Gymnasiast Leon Martin durfte als erster thermisch brennen. „Im Herzen sind wir alle Menschen und zusammen erreichen wir mehr als alleine", sagt der 16-Jährige begeistert von der Kunstaktion. Auch Gemeindereferentin Marie-Luise Bittger durfte Stahl schneiden: „Der Engel geht nach Vilshofen, an dieser städteübergreifenden Verbindung beteiligt zu sein, finde ich schön." Der Engel, der mit Hammer und Armschmalz aus dem Ring herausgeschlagen werden musste, findet ebenfalls Verwendung. Die stählernen Himmelsbewohner werden zu einer Säule aufgeschichtet. 2020 möchte das Künstlerpaar diese Skulptur inmitten der Altstadt von Jerusalem aufstellen. Der Stadt, wo Christen, Juden und Muslime so nah beieinander leben, wie sonst vielleicht nirgendwo.

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