Tritt gerne in die Pedale: Dirk Sommer, Inhaber des Fahrradfachgeschäfts Zweirad Sommer, verkauft mittlerweile viermal mehr Pedelecs als Fahrräder. Und die Tendenz steigt noch. - © Mareike Gröneweg
Tritt gerne in die Pedale: Dirk Sommer, Inhaber des Fahrradfachgeschäfts Zweirad Sommer, verkauft mittlerweile viermal mehr Pedelecs als Fahrräder. Und die Tendenz steigt noch. | © Mareike Gröneweg

Höxter Höxter: „Elektrofahrräder werden unterschätzt“

Sicherheit: Die Hersteller kommen mit der Produktion nicht nach, weil Pedelecs trotz ihres hohen Preises rege nachgefragt werden. Wer sicher radeln will, sollte auf Geschwindigkeit und Bremsweg achten

Höxter. Mühselig einen Berg hochradeln oder eine Langstrecke überwinden – das alles wird durch den eingebauten Motor eines Pedelecs erheblich erleichtert. Und das erklärt auch den Boom, der dahinter steht: Laut Dirk Sommer, Inhaber des Fahrradfachgeschäfts Zweirad Sommer, kommen die Hersteller mit der Produktion schlicht nicht nach. Immer mehr fahren damit, wenige sind sich über das Risiko im Klaren. Sommer erklärt im Gespräch mit der Neuen Westfälischen, wie es um die Branche der Pedelecs steht und worauf Radfahrer für eine sichere Tour achten sollten. „Heute sagen die Bezeichnungen E-Bike und Pedelec das Gleiche aus", erklärt Sommer. Das Verständnis von E-Bikes habe sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Vor 15 Jahren beschleunigten, so Sommer, die motorisierten Fahrräder durch Drehen an einem Handgriff – ähnlich wie bei Rollern oder Motorrädern. Sie mussten mit Nummernschildern gekennzeichnet sein, die Fahrer hatten Helmpflicht und durften nicht auf dem Fahrradweg fahren. „Das wollten die Leute nicht", resümiert Sommer. Heute bieten E-Bikes und Pedelecs nur dann eine Unterstützung durch den Motor, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Bis zu 25 Kilometer pro Stunde unterstützt der Motor, die Geschwindigkeit, die darüber hinausgeht, muss vom Radfahrer selbst gebracht werden. Auch im Straßenverkehr sind die Elektroräder so aufgestellt, dass der Radler keine Nachteile gegenüber anderen Fahrradfahrern hat. Im Gegenteil: „Durch das Pedelec wird man flexibler. Auch weite Strecken und Berge sind kein Problem mehr." „Und die Tendenz steigt noch" Ein Vorteil, der sich auch in seinem Verkauf widerspiegelt: „Anders als ich vor fünf Jahren dachte, sind E-Bikes nicht nur interessant für über 60-Jährige. Wir haben auch viele Kunden, die 20 oder 30 Jahre alt sind", weiß Dirk Sommer. Für dieses Jahr schätzt er sogar, dass er viermal mehr Pedelecs verkauft als klassische Räder. „Und die Tendenz steigt noch", prognostiziert Sommer. Der 50-Jährige besitzt selbst ein Pedelec und ist davon begeistert. „Ich wohne an einem steilen Berg. Wenn ich mit dem E-Bike nach Hause komme, pumpe ich bei weitem nicht so viel wie beim normalen Rad." Die Kehrseite des bequemen und schnellen Radfahrens sind Unfälle. „Mit dem E-Bike fährt man einfach schneller. Durch das Tempo wird der Bremsweg länger und das unterschätzen viele Radfahrer." Im Kreis Höxter gab es laut Andreas Hellwig, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Höxter, 2018 sowie 2017 drei Unfälle mit Pedelecs. Der jüngste Unfall passierte in Herstelle: Eine Frau verlor die Kontrolle über ihr Rad und fuhr nach einer Linkskurve ungebremst vor einen Baum. Die schwer verletzte 60-Jährige musste mit einem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik gebracht werden. „Wir warnen die Radfahrer, dass sie sich mit dem Pedelec vor Gebrauch vertraut machen sollen. Es ist ein anderes Fahren", so Hellwig. 2018 ereigneten sich drei Unfälle mit Pedelecs im Kreis Höxter Dennoch resümiert er: „Im Verhältnis sind die Unfallzahlen für den Kreis Höxter gering. Auch wenn selbstverständlich jeder Unfall einer zu viel ist." Bei den zwei weiteren Unfällen wurden die Fahrer laut Kreispolizeibehörde Höxter nur leicht verletzt: Eine Frau habe im Mai das Gleichgewicht verloren, und in dem anderen Fall habe ein Autofahrer die Vorfahrtsregeln nicht beachtet. Oliver Thöne, Geschäftsführer der Verkehrswacht im Kreis Höxter, hält die Unfälle mit Pedelecs für ein zunehmendes Problem. „Oft sind die Konsequenzen des Unfalls wegen der höheren Geschwindigkeit auch schwerer. Daher fordern wir von der Verkehrswacht im Kreis auch eine Helmpflicht", berichtet Thöne. Er empfiehlt E-Bike-Fahrern zudem, möglichst häufig mit ihrem Rad zu fahren, um ein Gefühl dafür zu bekommen. „Der Bremsweg ist ein anderer – und auch die Reaktionszeit, bis gebremst wird, muss beachtet werden", sagt Thöne. Dirk Sommer hält Pedelecs insgesamt nicht für gefährlicher als normale Räder. Dennoch: „Ich fände es gut, wenn beispielsweise mehr Fahrsicherheitskurse für E-Bike-Fahrer angeboten werden."

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