Brenkhausen 25 Jahre Koptisches Kloster: Anba Damian spricht über Aufgaben, Erfolge und Pläne

Jubiläum: Seit 25 Jahren ist Anba Damian für die koptische Gemeinde in Deutschland aktiv. Was seine Mission ist, wie das Kloster sich entwickelte und was er sich für die Zukunft wünscht

Amina Vieth

Brenkhausen. Knapp 25 Jahre existiert das Koptische Kloster in Brenkhausen. Die Feierlichkeiten zum silbernen Jubiläum beginnen mit dem ökumenischen Gottesdienst zum Dorfkirchentag am Sonntag, 21. Mai. Von der Klosterruine zum Ort des Willkommens und Glaubens war es ein weiter Weg, erinnert sich Bischof Anba Damian (62). Mit ihm allein fing die Geschichte der Kopten in Brenkhausen und des Wachsens der koptischen Gemeinde in Deutschland an. Seine Mission sei „sehr geglückt", aber die Arbeit höre nicht auf. Das neueste Projekt: das Gründen einer internationalen koptischen Schule. Das Gebäude ist bereits erworben. Anba Damian sitzt im Klostergarten und blickt zufrieden auf das alte Gebäude, das er vor dem völligen Zerfall bewahrt hat. Als Damian 1993 nach Deutschland kam, um die koptische Gemeinde wiederzubeleben und zusammenzuführen, wusste er noch nicht, welche Arbeit vor ihm liegt, welche Erfolge und große Freude es noch geben wird. Seine Arbeit begann in Düsseldorf. Seine Aufgabe: Sich um die koptischen Jugendlichen zu kümmern, die ausschließlich die deutsche Sprache hören. „Die Gefahr war groß, dass sie die Verbindung zur Kirche verlieren", berichtet Damian. Als er davon hörte, dass das Land eine neue Nutzung für eine Klosterruine suchte, stand fest, dass dort das Herz der koptischen Gemeinde in Deutschland entstehen sollte. »Geprüft, ob wir eine Sekte oder eine christliche Gemeinde sind« Doch die Verhandlungen waren nicht einfach. „Wir Kopten waren hier unbekannt. Es wurde geprüft, ob wir eine Sekte oder eine christliche Gemeinde sind." Ein Empfehlungsschreiben aus dem Erzbistum Paderborn von Johannes Joachim Kardinal Degenhardt trug zum Erfolg der Gespräche bei, berichtet Damian. Und so erhielt er im Dezember 1993 „als Weihnachtsgeschenk" den symbolischen Schlüssel für das Kloster. Für eine Deutsche Mark hatte er die Ruine erworben. Die Auflage war: Wenn innerhalb von zehn Jahren nicht ein Drittel des Klosters restauriert ist, fällt es zurück an das Land. Damian war immer noch alleine auf seiner Mission, „nur ich und die Fledermäuse" waren im Kloster. Wo heute die Kapelle ist, war sein Schlafzimmer. „Eine Couch diente nachts als Bett und tags für Gespräche." Es gab kein Wasser oder Strom. Sanitäranlagen gab es nur im Gemeindehaus. Um dorthin zu gelangen, musste er durch den Innenhof gehen, bei Minusgraden und Schnee. Nach wenigen Tagen hatte der Ägypter eine eitrige Bronchitis, wie er berichtet. Nur durch die Hilfe eines Nachbarn habe er „überlebt", wie Damian sagt. Auch bei der Restaurierung half der Nachbar und Tischlermeister im Ruhestand. Dann kamen weitere Helfer aus der Umgebung und aus Ägypten hinzu. Nach fünf Jahren ging das Kloster in den Besitz der koptischen Gemeinde über – und die Arbeit in den drei Barockflügeln weiter. Es entstanden eine Kapelle, Mönchszellen, Gebetraum – und erst kürzlich wurde der Gästetrakt fertig und geöffnet, der sogar einen Fahrstuhl hat. „Mehr als 90 Prozent der Arbeit sind getan", berichtet Damian erfreut. Es wird aktuell noch an einem Museum gearbeitet, „jeder Raum hat ein Thema". Auch das Außengelände wird nach und nach hergerichtet. Die Gemeinde Während der Restaurierung des Klosters vergaß Damian aber nicht, sich um die koptische Gemeinde deutschlandweit zu kümmern. Rund 6.000 Kopten seien es damals in Deutschland gewesen. „Meine Aufgabe ist es, die Samenkörner der christlichen Nächstenliebe zu säen." Er sei herzlich empfangen worden von hiesigen Kopten, habe Gemeinden vernetzt und die Ökumene gepflegt – auch heute noch eine Herzensangelegenheit des Bischofs. Und Aufklärungsarbeit über Kopten und ihren Glauben leistete er. „Wir wurden für Griechen gehalten und nach dem 11. September für Terroristen." Wer sind nun Kopten? „Die Ureinwohner Ägyptens, direkte Nachfahren der Pharaonen. Keine Araber. Sie kamen erst später. Sondern Ägypter. Das Land war früher christlich. Die Araber verdrängten die Kopten über die Jahre. Mittlerweile machen wir in Ägypten nur noch 20 Prozent der Bevölkerung aus", erklärt Damian. Durch die Anschläge der Araber auf Kopten sei seine Gemeinde mehr in die Öffentlichkeit gerückt, so Damian. Es sei ein Bewusstsein für die Problematik der Christen in islamischen Ländern entstanden. Gründung einer internationalen koptischen Schuleist der große Wunsch Aber die Aggression halte an. „Aber sie geht nicht von uns aus", sagt Damian und betont erneut die Ökumene. „Unsere Religion kennt keinen Hass, es heißt: Liebe deine Feinde", erklärt der Bischof. Die Religionslehre des Islam müsse verbessert werden. „Aggression und Hass, Legitimierung von Gewalt und Tötung müssen ein Ende finden. Keiner wird kriminell geboren. Man verändert sich aufgrund seiner Religion. Aggression und Terrorismus sind Produkte einer absurden Lehre." Pläne Seine Mission in Deutschland sei geglückt, aber nicht beendet. Mittlerweile seien es 12.000 Kopten in Deutschland, „durch die Flüchtlinge gibt es aber auch einen Babyboom". Es existiere mittlerweile ein gutes Netzwerk. „Ich ernte jetzt sehr viele Früchte meiner Arbeit, sowohl materiell als auch emotional, in Form von Solidarität und enormer Unterstützung", berichtet Damian und betont: „Wir haben in Deutschland nicht nur Freunde, aber mittlerweile eine wahrhaft große Familie." Und weil er nicht müde wird, sich für seine Gemeinde – national und international – einzusetzen, gibt es bereits ein neues Projekt: eine internationale koptische Schule. „Der Kaufvertrag für eine Grundschule im Harz wurde bereits unterzeichnet." Auch ein Vertreter der ägyptischen Botschaft sei dabei gewesen. In der Schule sollen junge Kopten besser ausgebildet werden, als es bisher in vielen Regionen der Welt der Fall ist. Damian hat einen „namhaften Professor" für die Leitung der Schule gewinnen können. „Ich hoffe, dass wir im Kreis Höxter auch mal so eine Schule gründen können." In Brenkhausen hat der Bischof bereits Pläne für ein Gästehaus mit ägyptischer, deutscher und italienischer Gastronomie zu etablieren. Und das Schelpedorf soll zu einem „exzellenten Hochzeitsdorf" werden. „Vor Ort wird alles geboten, was man braucht. Das soll publik werden. Ob Fleischer, Bäcker, Unterkünfte, es ist alles da." Den Anfang macht sein Neffe mit seiner Hochzeit am 22. Juli.

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