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Im heimischen Büro: Zuhause hat sich Julia Lönz ein Büro eingerichtet. Was ihr hier fehlt ist der Austausch. Deswegen sucht sie Coworker. - © Foto: Amina Vieth
Im heimischen Büro: Zuhause hat sich Julia Lönz ein Büro eingerichtet. Was ihr hier fehlt ist der Austausch. Deswegen sucht sie Coworker. | © Foto: Amina Vieth

Höxter Höxteranerin sucht nach Coworkern

Wer von zu Hause arbeitet, dem fehlen auch mal der Austausch und Gespräche mit Kollegen

Amina Vieth
25.02.2017 | Stand 22.10.2018, 14:30 Uhr

Höxter. Vom Land in die Großstadt und zurück. Julia Lönz ist von Köln zurück in die Kleinstadt gezogen, will hier mit ihrem Verlobten sesshaft werden. Ein Baby ist unterwegs. Aber der Job soll nicht zu kurz kommen. Lönz ist Marketingberaterin für Dienstleitungsunternehmen und arbeitet von zu Hause aus. Doch beim Homeoffice fehlen ihr die Kollegen, der Austausch, das soziale Geflecht. Deswegen sucht sie Coworker. Menschen, die sich zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammenschließen, Synergien erzeugen und sich auch mal über den Tatort austauschen. In der Großstadt gibt es sie schon längst, Coworker und Coworking Space. In der Kleinstadt bedarf es noch der Aufklärungsarbeit, wenn es um dieses Thema geht. Vor einigen Wochen suchte Julia Lönz, die seit knapp einem Jahr wieder im Kreis Höxter zu Hause ist, über die Facebook-Gruppe "Höxter - Packen wir es gemeinsam an" nach anderen, die von zu Hause arbeiten und eine Gemeinschaft bilden wollen. Kurz: Coworking. Die Resonanz war verhalten, die Reaktionen skeptisch. "Viele wissen gar nicht, was das ist", sagt Lönz und erklärt, was es mit Coworking auf sich hat. Es ist ein Zusammenschluss von Menschen, die Homeoffice betreiben, aber den Austausch mit anderen, wie mit Kollegen im Büro, nicht missen möchten. Es gibt verschiedene Varianten. "Man kann sich externe Räumlichkeiten suchen, wo man dann zusammenarbeitet, oder sich bei einem aus der Gruppe zu Hause trifft, also Hoffice", erklärt Lönz. Das hänge von der Konstellation der Gruppe ab, wie viele Personen es sind oder ob beispielsweise ein Unternehmer Räume zur Verfügung stellt. Beim Hoffice könnte es einen Moderator geben, erklärt Lönz. Das bedeutet, dass einer sozusagen einen Zeitplan für die Arbeits- und Pausenzeiten erstellt und das Treffen dann moderiert. "Beispielsweise trifft man sich um 8 Uhr bei jemandem zu Hause. Trinkt erst einmal einen Kaffee zusammen und unterhält sich. Dann werden die Ziele formuliert, was man an dem Tag schaffen möchte. Um 8.30 Uhr geht es dann an die Arbeit. Nach einer gewissen Zeit kündigt der Moderator dann eine Pause für einen Kaffee an", erläutert Lönz. Mittags könnte die Gruppe dann zusammen kochen oder sich etwas zu Essen holen. »Wichtig ist, dass sie offen dafür und auch am Austausch interessiert sind« Es gehe halt nicht darum, einfach nebeneinander still zu arbeiten, sondern auch Gespräche zu führen, sich gegenseitig zu helfen, Rat und Tipps einholen zu können - kurz: Synergien zu schaffen. Dafür sei es nicht notwendig, dass alle im gleichen Berufsfeld arbeiten, betont Lönz. Die 35-Jährige ist Marketingberaterin für Dienstleister, schwerpunktmäßig Friseure (www.einfach-erfolgreicher-salon.de). Ihre Ausbildung absolvierte sie im Kreis Höxter bei einer Unternehmensberatung für Friseure. Dann zog sie nach Köln, arbeitete bei dem Hundefutterhersteller Royal Canin und schloss noch ein Marketingstudium an. Doch in dem großen Konzern habe sie sich auf Dauer nicht wohlgefühlt. Ihren heutigen Verlobten, der gebürtig aus Derental stammt, lernte sie in Köln kennen. Das Paar kaufte ein Haus in Köln - richtig glücklich wurden sie aber in der Großstadt nicht. "Wir waren häufiger im Kreis Höxter zu Besuch", berichtet Lönz. Das Paar habe noch Verwandte und Bekannte hier. "Wir finden es schön hier. Und haben dann beschlossen, herzuziehen", sagt Lönz. Seit März 2016 ist das Paar nun in Höxter. Die Entscheidung, von der Großstadt aufs Land gezogen zu sein, bereuen Lönz und ihr Verlobter nicht. "Das hat viel mit Entschleunigung zu tun. Und für Kinder ist es toll, hier aufzuwachsen", sagt Lönz, die im Mai ihr erstes Kind erwartet. Auch wenn der Nachwuchs da ist, möchte sie ihrer Arbeit weiter nachgehen. "Es gibt schon einige Dienstleister, die sich für meine Arbeit interessieren. Ich konzentriere mich nicht nur auf Friseure, sondern berate auch andere Dienstleister in Sachen Marketing." Egal ob Hundeschule oder Handwerker. Und weil es sich zusammen besser arbeitet, als allein in einem Kämmerchen, hofft Lönz nun Coworker zu finden. "Es können Freiberufler sein, Blogger oder auch jemand, der seine Näh- oder Strickwaren einmal die Woche im Internet einstellt - und vielleicht auch mal Hilfe braucht", sagt Lönz. "Wichtig ist, dass diejenigen offen dafür und auch am Austausch interessiert sind." Wer Interesse hat, kann sich direkt bei Julia Lönz melden, entweder per E-Mail an julia.loenz@gmx.de oder sie bei Facebook anschreiben. Wenn sich Interessenten finden, ist ein erstes Treffen zum Kennenlernen geplant. "Da kann dann besprochen werden, ob man sich Räume suchen will oder sich bei jemandem zu Hause treffen möchte."

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