Der Fundort: An dieser Stelle an der L 817 zwischen Lichtenau-Asseln und Herbram-Waldlag die Leiche von Frauke Liebs. - © Tyler Larkin
Der Fundort: An dieser Stelle an der L 817 zwischen Lichtenau-Asseln und Herbram-Waldlag die Leiche von Frauke Liebs. | © Tyler Larkin

Bielefeld/Höxter Neue Spuren im Mordfall Frauke Liebs

Ungeklärtes Verbrechen: Wilfried W. gerät wieder in den Fokus der Ermittler. Die Auswertung von Mobilfunkdaten und Aufenthaltsorten könnten den mutmaßlichen Doppelmörder von Höxter belasten

Jürgen Mahncke

Bielefeld/Höxter. Der Mord an Frauke Liebs gehört zu den mysteriösen, bis heute nicht aufgeklärten Kapitalverbrechen in der Region. Im Juni 2006 verschwand die 21-jährige Frau in Paderborn. Ihre Leiche wurde vier Monate später in einem Waldstück, 40 Kilometer von Höxter entfernt, gefunden. Ihr Mörder ist bis heute nicht gefasst worden. Jetzt flammt bei den Ermittlern und Angehörigen der Toten neue Hoffnung auf, dass der Fall doch noch gelöst werden kann. Seit Wochen sitzen Angelika W. und Wilfried W. in Untersuchungshaft. Ihnen wird vorgeworfen, zwei Frauen in ihrem Haus in Höxter zu Tode gequält zu haben. Schon zu Beginn der Ermittlungen wurde spekuliert, ob das Folterpaar noch weitere Opfer auf dem Gewissen hat. Alle ungeklärten Mordfälle wurden unter diesem Gesichtspunkt erneut untersucht. Und sofort war auch das ungeklärte Verbrechen an Frauke Liebs auf dem Tisch. "Wir wären dumm, wenn wir nicht ganz akribisch untersuchen würden, ob der jetzige Beschuldigte von Bosseborn nicht auch für den Tod der Frauke Liebs verantwortlich sein könnte, es ist nichts auszuschließen", sagte Kriminalhauptkommissar Ralf Östermann nach der Festnahme des Folterpaares aus Höxter. Handy-Auswertung erhärtet Verdacht Lange schienen dies nur theoretische Ansätze zu sein. Aufwendige Ermittlungen lassen nun jedoch den Schluss zu, dass Wilfried W. auch der Mörder von Frauke Liebs sein könnte. Bei den Auswertungen der Handys von Wilfried W. und Frauke Liebs sollen sich überraschende Übereinstimmungen ergeben haben. Peter Wüller, Strafverteidiger der Hauptbeschuldigten Angelika W., spricht von auffälligen örtlichen Zusammenhängen. Durch eine sogenannte Funkzellenabfrage von benutzten Mobilfunktelefonen erhalten die Ermittler zeitliche und räumliche Erkenntnisse über die Benutzer. Die so gewonnen Handydaten wurden vermutlich abgeglichen und mehren den Verdacht, dass Wilfried W. einen dritten Mord begangen haben könnte. "Wilfried W. war immer in der Nähe von Frauke Liebs", sagt Wüller, immer mehr Indizien sprächen gegen ihn. Inzwischen geht die Polizei davon aus, dass der 46-Jährige Dutzende von Autos auf seinen Namen zugelassen hatte. Das Geld hierfür erpresste er vermutlich von seinen Folteropfern, es sollen über 300.000 Euro gewesen sein. Besonderes Augenmerk legen die Ermittler jetzt auf Wohnmobile oder VW Bullis. Es könnte sein, dass er in einem dieser Fahrzeuge Frauke Liebs umbrachte. Nicht alle Frauen von Mittäterin erkannt "In ihrer heutigen, sechsstündigen Vernehmung im Bielefelder Polizeipräsidium wurde klar, dass Angelika W. sicherlich nicht jede Frau kannte, mit der ihr Lebensgefährte Wilfried W. Umgang pflegte", so Rechtsanwalt Peter Wüller am Donnerstag. So konnte die Beschuldigte längst nicht alle Frauen identifizieren, die ihr auf Fotos gezeigt wurden. Sie stammen aus Mobilfunkgeräten, die im Folterhaus gefunden wurden. Es gebe viele weiße Flecken im Leben von Wilfried W. Derzeit versuche man zu rekonstruieren, wann welche Frau im Haus gefangengehalten und gequält wurde. Die Zeitschiene weise immer noch erhebliche Lücken auf, die es zu füllen gelte. "Angelika W. hat sich jetzt gänzlich offenbart, mehr weiß sie nicht", sagte ihr Verteidiger Peter Wüller nach der sechsstündigen Vernehmung. Wilfried W. schweigt weiter zu den ihm vorgeworfenen Taten. Mit einer Aussage könnte er die Ermittlungen im Fall Frauke Liebs erleichtern.

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