0

Höxter Ausstellung: Alexander Kapitanowski zeigt jüdische Porträts

Das Forum Jacob Pins zeigt in Höxter Arbeiten von Alexander Kapitanowski

Christine Longère
05.04.2016 | Stand 04.04.2016, 23:09 Uhr

Höxter. „Was, ihr geht nach Deutschland? In das Land der Täter?" Mit Fragen wie diesen wurden viele konfrontiert, die den Schritt wagten „Zurück ins Land, das uns töten wollte". In ihrem so betitelten Buch berichtet die Autorin Andrea von Treuenfeld über die Schicksale von Remigrantinnen. „Bleiben – Gehen – Zurückkehren?" Diese Entscheidung fiel in den meisten Fällen schwer. Welche Beweggründe gaben den Ausschlag? Ähnlich wie viele andere Juden sprach auch Jacob Pins, der seiner Geburtsstadt die Hand zur Versöhnung reichte und durch die Schenkung eines großen Teils seiner Werke den Anstoß zur Gründung des Forums in Höxter gab, von seiner Prägung durch die deutsche Kultur und Sprache. „Ich kann den Deutschen nicht untreu werden. Auch heute ist dieses Land ein Jugendtraum", gestand er im Alter. Ein Jahr nach seinem folgenreichen Besuch in Höxter zum 50. Jahrestag der Pogromnacht von 1938 beantragte und erhielt der als junger Mann nach Palästina Geflohene die deutsche Staatsbürgerschaft. Es war die Idee der Jacob-Pins-Gesellschaft, mit Porträts jüdische Persönlichkeiten vorzustellen, die nach 1945 zurück nach Deutschland fanden oder in Deutschland blieben. Der Künstler Alexander Kapitanowski ist Jude. Er fand nach langem Zögern den Weg nach Deutschland. Gezögert hatte er, weil er, wie er selbst es einmal formulierte, „lange mit dem Klischee lebte, dass Deutschland und Juden nach der Shoah zwei Dinge sind, die nicht zusammenpassen". Seit 2006 lebt er in Enger. Aus Sicht von Dieter Schuler, Ausstellungskurator des Höxteraner Kunstvereins, ist er prädestiniert, mit den Mitteln der Kunst der Frage nachzugehen, wie es möglich war, dass nach dem Terror der Nazizeit wieder jüdisches Leben in Deutschland entstand. Für die Ausstellung wurden bekannte Frauen und Männer wie Theodor W. Adorno, Rose Ausländer, Michel Friedmann, Ralph Giordano, Marcel Reich-Ranicki, Lea Rosh nach Fotografien porträtiert. Mit expressiven Strichen hält Kapitanowski das Charakteristische eines Gesichtes fest. Ballungen von Linien, Formen und Farben verfremden und weisen auf die Vielschichtigkeit der Individualität eines Menschen hin. Wichtig ist dem Maler und Grafiker nicht nur die Interpretation der dargestellten Persönlichkeiten, sondern auch die Auseinandersetzung mit der kulturellen Tradition, in der er sich sieht. Um eine sprachliche Dimension bereichert wird die Ausstellung durch die Beteiligung des Rumpelstilzchen-Literaturprojektes am Gymnasium Enger unter Leitung von Michael Hellwig. Die Gedichte, zu denen sich junge Autorinnen und Autoren durch die Porträts anregen ließen, geben Anregungen für die Deutung der Werke. Sie fassen in Worte, was die Gesichter dem Betrachter sagen. In den vorgestellten Biografien sieht Dieter Schuler Zeichen der Hoffnung, „darum dürfen die Bilder von Alexander Kapitanowski bunt sein". Die Ausstellung „Bleiben – Gehen – Zurückkehren?" im Forum Jacob Pins in Höxter ist geöffnet bis 22. Mai, täglich von 10 bis 17 Uhr (außer montags). Im Programm zur Ausstellung liest Andrea von Treuenfeld am Mittwoch, 27. April, um 19.30 Uhr im Forum Jacob Pins aus ihrem Buch „Zurück in das Land, das uns töten wollte".

realisiert durch evolver group