Selbstbewusst: Mit viel Applaus wurde die Theatergruppe der Werkstätten Am Grünenberg bedacht, die unter der Anleitung von Theaterpädagogin Melanie Peter das Stück „Die Farblusase“ aufführte. - © Helga Krooß
Selbstbewusst: Mit viel Applaus wurde die Theatergruppe der Werkstätten Am Grünenberg bedacht, die unter der Anleitung von Theaterpädagogin Melanie Peter das Stück „Die Farblusase“ aufführte. | © Helga Krooß

Brakel Ein buntes Fest für Inklusion in Brakel

Auf dem Marktplatz in Brakel wird auf die Chancen und Barrieren im Miteinander zwischen Menschen mit und ohne Behinderung aufmerksam gemacht

Brakel. Eine fröhliche und ungezwungene Atmosphäre beherrschte am Samstag die Szenerie auf dem Marktplatz. Anlässlich des Europäischen Aktionstags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung fand erstmals in Brakel ein Marktplatzfest statt. Das Motto: „Inklusion von Anfang an – einfach gemeinsam". Organisiert hatte dies Karl-Josef Günther, Leiter der Kontaktstelle Höxter der BSK-Landesvertretung Selbsthilfe Körperbehinderter NRW, mit verschiedenen Kooperationspartnern. Und es war ein tolles Fest. Zahlreiche Menschen mit und ohne Behinderung amüsierten sich gemeinsam beim Boccia, bei verschiedenen Outdoor-Spielen und beim Bingo. Besonders gut angenommen wurde der Rollstuhl-Parcours. Im Rollstuhl sitzend versuchten Kinder, wie Erwachsene mit diesem, verschiedene Hindernisse zu bewältigen. „Das ist doch schon recht anstrengend", meinte Bernd Müller, Prokurist bei der Lebenshilfe Brakel, nach seinem Selbstversuch. Am Stand der Lebenshilfe Brakel boten die Teilnehmer des Freizeittreffs Brakel selbst gefertigte Dekoration und anderes mehr an. Beim „Haus der Spiele" konnten die Besucher ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Im Festzelt informierten neben dem BSK (Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter), die Lebenshilfen Brakel und Höxter, der Behindertenbeirat Höxter, das Netzwerk „Barrierefreier Kreis Höxter", die Selbsthilfegruppe Angehöriger psychisch Erkrankter sowie der Paritätische NRW – Kreisgruppe Höxter über ihr Angebote und Unterstützungsmöglichkeiten. Für tolle Stimmung und große Begeisterung sorgten Schülerbands der „Schule unterm Regenbogen" mit rockiger Musik sowie die Theatergruppe der Werkstätten Am Grünenberg mit einem fantasievollen Stück „Die Farblusase". Theaterpädagogin Melanie Peter hatte dies mit ihnen eingeübt. Ziel soll sein, sich auf Augenhöhe zu begegnen Mit dem Marktplatzfest wollte das Organisationsteam zum einem auf die Chancen und Barrieren im Miteinander zwischen Menschen mit und ohne Behinderung aufmerksam machen. Zu anderem sollten die vielfältigen kreativen, spielerischen und kulturellen Angebote die Möglichkeit bieten, miteinander ins Gespräch zu kommen. Dass Inklusion von Anfang an gelingen kann und ein Gewinn für alle Menschen darstellt, darüber waren sich die Festredner einig. Allerdings sei es zur Gleichstellung noch ein langer Weg mit vielen Baustellen. „Wenn es einmal in den Köpfen der Verantwortlichen einen Ruck gebe und Einsicht, dann kann selbstbestimmtes Leben auch ermöglicht werden", betonte Karl-Josef Günther. "Nur wenn alle Menschen mitmachen, kann Inklusion funktionieren" Gerhard Handermann, Fachbereichsleiter Familie, Jugend und Soziales Kreis Höxter, stellte heraus: „Uns allen muss immer klar sein: Nur wenn alle Menschen mitmachen, kann Inklusion funktionieren." Jeder könne dabei helfen: in der Schule, im Sportverein, im Job, in der Freizeit, in der Familie. „Je mehr wir über Inklusion wissen, desto weniger Angst haben wir davor", so Handermann. Brakels stellvertretende Bürgermeisterin Ursula Grewe sagte, dass ‚„Menschen mit Behinderungen meistens über ihre Defizite definiert würden, nicht aber über ihre Fähigkeiten". Ziel müsse es sein, dass sich Behinderte und Nichtbehinderte auf Augenhöhe begegneten. Das bedeute Inklusion von Anfang an, also schon im Kindergarten. Claudia Middendorf, Behinderten- und Patientenbeauftragte des Landes NRW, führte an, dass jeder Mensch ganz individuell nach seinen Stärken und Schwächen behandelt und gefördert werden soll. „Deshalb möchte ich mit meinem Wunsch nach Gleichbehandlung auch nicht sagen, dass wir alle Förderschulen und Werkstätten abschaffen müssen." Gefördert wurde der Aktionstag aus Mitteln der Aktion Mensch.

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