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Das Führungsteam der Bürgerinitiative präsentierte sich erstmals der Öffentlichkeit: Dazu gehören (v.l.) Hubertus Hartmann (Haarbrück), Heinrich Wenisch und Edith Götz (beide Lauenförde), Martin Hörning (Herstelle) und Dirk Wilhelm (Drenke). Es fehlt Thomas Fußgänger-May aus Bad Karlshafen. - © Manuela Puls
Das Führungsteam der Bürgerinitiative präsentierte sich erstmals der Öffentlichkeit: Dazu gehören (v.l.) Hubertus Hartmann (Haarbrück), Heinrich Wenisch und Edith Götz (beide Lauenförde), Martin Hörning (Herstelle) und Dirk Wilhelm (Drenke). Es fehlt Thomas Fußgänger-May aus Bad Karlshafen. | © Manuela Puls

Beverungen Atommüll-Gegner gehen am ehemaligen AKW Würgassen auf die Straße

Erste Mahnwache am geplanten Standort für neues Atommüll-Lagers. Die Demonstranten dürfen aber keine Protest-Rufe anstimmen.

Manuela Puls
18.05.2020 | Stand 18.05.2020, 18:30 Uhr

Würgassen. Am Montag ging`s für die Gegner des Atommüll-Lagers in Würgassen zum ersten Mal raus auf die Straße. Montagelang war die Protestbewegung von Corona ausgebremst. Da gab es Widerstand nur mit selbstgebastelten „W´s" im Vorgarten, Autoaufklebern oder auf Bannern. Allerdings gab es am Mittag bei der Mahnwache am ehemaligen Kernkraftwerk nur „stillen Protest": Wegen der Pandemie durften nur etwa 40 Demonstranten teilnehmen – und Sprechchöre waren wegen der Tröpfchenbildung auch untersagt. „Wir wollen erstmals öffentlich Präsens zeigen", freut sich Organisator Dirk Wilhelm.

Die etwa 40 Demonstranten reihten sich am Radweg auf - wegen der Corona-Abstandsregelung. Sprechchöre waren untersagt. - © Manuela Puls
Die etwa 40 Demonstranten reihten sich am Radweg auf - wegen der Corona-Abstandsregelung. Sprechchöre waren untersagt. | © Manuela Puls

Die Teilnehmer verteilten sich entlang des Radweges – wegen der Abstandsregelung. Ein bisschen enttäuscht zeigte sich Wilhelm, dass Beverungens Bürgermeister Hubertus Grimm nicht gekommen war. „Aus Gründen seiner Neutralität – so hat er es mir erklärt", bedauert der Sprecher der Bürgerinitiative gegen Atommüll im Dreiländereck. Auf dem Baum sind die Anhänger aktuell wegen der beginnenden Erdbohrungen. Die werden seit heute von der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung in Würgassen für ein geologisches Gutachten gemacht. Auch Vermessungsarbeiten laufen schon und es wird überprüft, ob das Gelände frei von Kampfmitteln ist. „Das alles dient der Vorbereitung, obwohl das Genehmigungsverfahren doch erst in einem Jahr beginnen soll", kritisiert Wilhelm.

Mistgabel mit "Atommist"

Ab 2027 soll Würgassen bekanntlich die zentrale Drehscheibe für Atommüll aus der gesamten Republik werden. Ein gigantisches Logistikzentrum zur möglichst effektiven Belieferung des Endlagers in Salzgitter ist dort geplant. Das würde bedeuten: 400 Lkw und 200 Güterzüge mit Atommüll jeden Monat, die durch die durch die Region rollen.

Diese Lüchtringerin hat den "Atommist" buchstäblich aufgespießt. Ihr Mitstreiterin Andrea Wesserling-Schrick aus Herstelle hat Angst vor Unfällen bei den künftigen Atommüll-Transporten. - © Manuela Puls
Diese Lüchtringerin hat den "Atommist" buchstäblich aufgespießt. Ihr Mitstreiterin Andrea Wesserling-Schrick aus Herstelle hat Angst vor Unfällen bei den künftigen Atommüll-Transporten. | © Manuela Puls

„Ich muss das nicht haben. Die fahren dann wahrscheinlich jeden Tag an meinem Küchenfenster vorbei", meint Andrea Wesserling-Schrick. Bei diesen vielen Transporten und dem gewachsenen Verkehr sei die Gefahr von Unfällen groß, man müsse immer mit menschlichen Versagen rechnen, betont die Herstellerin. Sie verweist auf einen Vorfall am 22. August 1988 in Bodenfelde, als es zu einem Beinahe-Zusammenstoß zwischen einem Atommüll-Transport aus Würgassen und einem mit Propangas gefüllten Triebwagen kam.

Viele Demonstranten hatten Transparente dabei. „Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv" war da zu lesen. Und eine Lüchtringerin hatte mit der Mistgabel den „Atommist" symbolisch aufgespießt.

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