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Mit Tragegriffen: Die fertig befüllten und beschrifteten Archiv-Kartons werden teilweise in alten Holzkisten aufbewahrt, die im Falle eines Feuers hinausgetragen werden können, erklärt Wili Brümmer. Hier lagern die Unterlagen aus der Kernstadt Beverungen. - © Manuela Puls
Mit Tragegriffen: Die fertig befüllten und beschrifteten Archiv-Kartons werden teilweise in alten Holzkisten aufbewahrt, die im Falle eines Feuers hinausgetragen werden können, erklärt Wili Brümmer. Hier lagern die Unterlagen aus der Kernstadt Beverungen. | © Manuela Puls

Beverungen Neues Zentralarchiv für Beverunger Großpfarrei

Willi Brümmer kümmert sich um die neue Einrichtung in Herstelle

Manuela Puls
07.07.2019 | Stand 06.07.2019, 17:03 Uhr

Beverungen. Die Fenster sind abgedunkelt, die Räume kühl – die Sommerhitze draußen wird ausgesperrt. Und ein bisschen stickig ist es im neuen Zentralarchiv der Pfarrei Heiligste Dreifaltigkeit Beverungen in Herstelle. „Die alten Papiere und Bücher brauchen das ganze Jahr über die gleiche Temperatur von 17, 18 Grad und etwa 50 Prozent Luftfeuchtigkeit", erklärt Willi Brümmer. Seit dreieinhalb Jahren kümmert er sich um den Aufbau des neuen Zentralarchivs im ehemaligen Hersteller Pfarrhaus. Am Samstag, 6. Juli, soll es um 10.30 Uhr offiziell übergeben werden. Jede freie Minute verbringt der 69-jährige Hobby-Genealoge mit den historischen Akten der Großpfarrei, die aus elf kleinen Gemeinden entstanden ist. Willi Brümmer erinnert sich noch genau, als die Spedition vorfuhr und sage und schreibe 450 Kartons anlieferte – das gesammelte Gedächtnis aus der Kirchengeschichte aus allen Orten der Großgemeinde Beverungen. Die Kartons hatte Brümmer vorher auch höchstpersönlich gepackt. „Ich stand da ganz alleine davor. So umfangreich hatte ich mir das dann doch nicht vorgestellt", sagt der Hersteller. "Keine Akte darf dieses Archiv wieder verlassen" Und dann machte er sich an die Sisyphos-Aufgabe, die Unmengen an teils schon vergilbten, fleckigen, zerfledderten Akten zu sichten. Allein einen Winter verbrachte Willi Brümmer damit, alles nach Ortschaften zu sortieren. Im nächsten Schritt müssen die Unterlagen jetzt aus den alten Ordnern rausgenommen und in säurebeständige Mappen mit Plastikheftung und einheitlicher Etikettierung getan werden, die anschließend in beschriftete Archivkartons wandern. „Alles Metall muss raus. Es dürfen keine Heftschienen, keine Tackernadeln, keine Büroklammern dazwischen sein, weil die rosten", erläutert der Chefarchivar. Im Laufe der Zeit bekam er immer mehr Unterstützung. Inzwischen hat Willi Brümmer mit Bernhard und Annegret Pieper, Lioba Spieker und Volker und Christiane Klos ein ganzes Helferteam gefunden. Trotzdem sind erst 20 Prozent des Materials bewältigt. Jahrelang wird das ehrenamtliche Archiv-Team noch damit zu tun haben. „Und wir werden ja vom Pfarrbüro auch immer wieder mit Nachschub versorgt", erklärt Willi Brümmer. Alle Unterlagen werden in eine digitale Datenbank aufgenommen, die das spätere Auffinden erleichtert. Kirchenbücher werden in Paderborn aufbewahrt Die Kirchenbücher mit den Geburts- und Sterbedaten der Gläubigen werden aber nicht in Herstelle, sondern in Paderborn aufbewahrt. Das neu eingerichtete Hersteller Zentralarchiv birgt dagegen zum Beispiel alte Steuerlisten, Sitzungsprotokolle, Rechnungen, Pachtverträge, Aufzeichnungen zu Bau- und Renovierungsmaßnahmen sowie prunkvoll gestaltete historische liturgischen Bücher, Gesangbücher und Bibeln. Die ältesten Dokumente stammen aus der Zeit um 1620, sind also 400 Jahre alt. Der Großteil des Archivs ist mit Regalen bestückt. Nur die bereits bearbeiteten Beverunger Akten lagern in einem eigenen Raum in alten, hölzernen Archivkisten und Schränken. „Die haben extra seitliche Tragegriffe, damit man sie schnell raustragen kann, wenn es mal brennt", erklärt der Archivar. Das neue Zentralarchiv hat fünf Räume auf einer Fläche von 120 Quadratmetern und ist mit einem Leseraum für Besucher und neuestem Equipment ausgestattet – so gibt es beispielsweise einen speziellen Scanner, unter den beispielsweise ein aufgeschlagenes Buch gelegt werden kann. Und eine Vorrichtung zum Abfotografieren für Repros mit der Kamera. „Herausgeben dürfen wir nichts. Keine Akte darf dieses Archiv wieder verlassen", betont Willi Brümmer. Ahnen- und Geschichtsforschung ist sein Hobby Schon immer war die Ahnen- und Geschichtsforschung sein Hobby. Aktuell arbeitet der ehemalige Ausbilder am Brakeler Berufbildungswerk übrigens an einem Ortsfamilienbuch von Herstelle. „Es ist sinnvoll, alles Vergangene für die Nachwelt zur Einsicht zu erhalten", ist der Hersteller überzeugt. Deswegen verbringt er gerne seine Freizeit in dem barocken Steinbau im Herzen Herstelles, der jetzt das Pfarrarchiv birgt. 12 Monate dauerten die Umbauarbeiten. Am Samstagnachmittag, 6. Juli, gibt es nachmittags einen Tag der offenen Tür, an dem Interessierte das Archiv in Augenschein nehmen können.

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