Gunner & Smith aus Kanada gehören zu dem breiten Bandspekturm, das beim OBS-Festival spielt. - © Torsten Wegener
Gunner & Smith aus Kanada gehören zu dem breiten Bandspekturm, das beim OBS-Festival spielt. | © Torsten Wegener

Beverungen OBS-Besucher und Bands trotzen dem gewittrigen Auftakt

3.400 Gäste feiern bei der 23. Auflage des Orange Blossom Special

Torsten Wegener
11.06.2019 | Stand 11.06.2019, 13:59 Uhr |

Beverungen. Buchstäbliche dunkle Wolken lagen über dem Musikfestival Orange Blossom Special am Pfingstwochenende (OBS). Ein Gewitter mit starken Sturmböen stellten die Organisatoren und die Festivalbesucher am Freitagabend vor eine nasse Herausforderung, doch diese wurde mit Bravour gemeistert. Perfektes Wetter an den beiden weiteren Tagen, tolle Bands und eine großartige Stimmung folgten. Nicht nur die Headliner konnten überzeugen, auch die kleineren Bands lieferten richtig starke Konzerte ab. Der alljährliche Festivalwahnsinn in Beverungen nahm seinen Lauf. Tröstende Worten mussten anschließend nur für den US-Künstler Sinkane gefunden werden, dessen Konzert abgebrochen wurde. „Das ist schon ärgerlich. Er war für nur drei Auftritte in Europa und dann muss er sein letztes Konzert abbrechen. Wir sind ihm und der Band aber dankbar, dass sie 25 Minuten gespielt haben. Das entspannte auch die Situation." Die letzte Band des Abends, Adam Angst, konnte schließlich wieder nach Zeitplan spielen. Im Regen von Beverungen gab es deutschen Punkrock, der den Festivalgarten zum Wackeln brachte. Sicherheitskonzept greift reibungslos Ein "richtiger" Festivalbesucher lässt sich von so ein "bisschen" Regen und Sturm eh nicht aus der Ruhe bringen, forderte lediglich für die Zukunft eine Bierbude in der Aufenthaltshalle. Feucht, aber eben auch fröhlich, ging die Party weiter. „In gewisser Weise hat uns der Abend auch Schwung für die weiteren Tage gegeben", sagt Stiewe. „Für uns war es eine gute Erfahrung zu Wissen, dass das Sicherheitskonzept funktioniert und die Gäste haben gemerkt, dass solche Situationen mit Ruhe und Ordnung gelöst werden können", erklärt der OBS-Chef. Das Festivalprogramm pendelte zwischen sanften, gefühlvollen Klängen und brachialem Punkrock hin und her, vermischt mit Country-, Folk- und Souleinflüssen. Mit Steiner & Madlaina, Christian Kjellvander, Money For Rope, Blind Butcher, der Überraschungsband Love A sowie dem Hauptact Die Nerven gab es sechs Bands, die beim OBS schon einmal auftraten. Die Schweizer Nora Steiner und Madlaina Pollina hatten 2018 in Beverungen ihren ersten Festivalauftritt in Deutschland überhaupt, starten nun 2019 bereits komplett durch und sind sage und schreibe für 40 Festivals in Europa gebucht worden. Warum, das zeigte die Freundinnen am Sonntagnachmittag. Ihre Songperle „Das schöne Leben" gehört sicherlich zu dem Hymnen des Beverunger Festivals und wurde vom Publikum begeistert mitgesungen. Ein Highlight des OBS-Wochenendes. Die Nerven bringen das Publikum zum Tanzen Steiner & Madlaina sind beim Label Glitterhouse Records genauso unter Vertrag, wie die Headliner des Festivals, Die Nerven. Zwei Bands, die unterschiedlicher nicht seien können. Der eng geschnürte Auftritt des Stuttgarter Trios verlangt dem Publikum einiges ab, Verschnaufpause sind nicht vorgesehen. Es wird wild getanzt, gesungen, gestaunt. "So eine wilde Tanzeinlage des Publikums gab es noch nie", staunte Stiewe nicht schlecht. „Es geht nicht um einen Einheitsbrei der allen schmecken soll, sondern um ein Büfett, das für ein breites Geschmacksspektrum viele exquisite Spezialitäten bietet", ist OBS-Chef Rembert Stiewe glücklich über sein Line-Up, das in diesem Jahr auch sehr viel Platz für Entdeckungen bot. So gehörten die eher unbekannten Cash Savage & The Last Drinks, Lysistrata, Angie McMahon und Tom Allan & The Strangest, die auf der kleinen Bühne spielten, zu den absoluten Lieblingen des Festivalpublikums. Ins Herzen schließen musste man natürlich auch den Kinderchor Tiny Wolves aus Bergen, die mit ihrem Grundschullehrer Kristof Beuthner, einem langjährigen OBS-Wegbegleiter, unbeschreiblich schön Hits aus der Pop- und Rock-Geschichte interpretierten. "Jeder Kilometer Anfahrt hat sich gelohnt" Dieser Mix von Musik, der mittlerweile drei Generationen von Musikliebhabern nach Beverungen lockt, gefällt auch Mathis Kittelberger aus der Kleinstadt Renningen (Baden-Württemberg), der mit zwei Freunden zum vierten Mal binnen fünf Jahren beim OBS war. „Jeder Kilometer Anfahrt hat sich gelohnt. Mir gefallen generell die Bands besser, wo etwas die Post abgeht. Aber man braucht ja auch an so einem Wochenende Verschnaufpausen. Diese findet man entweder auf dem Campingplatz oder in dem erweiterten Bereich des Konzertgeländes, die mir sehr gut gefällt. Da steht man sich nicht so auf den Füßen", sagt der 31-Jährige, der auch den Verlust eines Pavillons während des Gewitters hinnehmen musste. „Aber unsere Sachen sind größtenteils trocken geblieben. Das passte schon."

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