Die Zuwegungen für den Fußgängerüberbau werden aktuell gebaut. - © Torsten Wegener
Die Zuwegungen für den Fußgängerüberbau werden aktuell gebaut. | © Torsten Wegener

Beverungen/Lauenförde Sperrung der Weserbrücke: Langer Umweg zwischen Beverungen und Lauenförde

Duch die Sperrung der Weserbrücke für den Kraftverkehr muss in vielen Bereichen für ein Jahr umgedacht werden

Torsten Wegener
07.06.2019 | Stand 07.06.2019, 19:36 Uhr

Beverungen/Lauenförde. Nun wird es ernst: Ab Dienstag, 11. Juni, wird im Zuge des Neubaus der Weserbrücke die alte Brücke für den Verkehr gesperrt und schrittweise abgerissen. Das Großprojekt bedeutet auch einen gravierenden Einschnitt für Bürger und Gewerbe, denn ein Jahr lang kann die Brücke zwischen Ortschaften Beverungen und Lauenförde, die in vielen Bereichen eng miteinander verbunden sind, nicht mit einem Kraftfahrzeug gequert werden. Gut neun Kilometer mehr müssen die Kraftfahrer künftig pro Fahrt in Kauf nehmen, wenn sie von Beverungen nach Lauenförde wollen oder umgekehrt. Das ist eine Mehrbelastung für Unternehmen, deren Arbeitnehmer und Bürger. Besonders umständlich wird es für die Landwirte, die viel die Brücke queren müssen. Denn ein Umweg von insgesamt 18 Kilometern (Hin- und Rückfahrt) ist in der Erntezeit ein immenser Zeitverlust und damit auch Geldverlust. Richtig los geht es in der Landwirtschaft im Juli mit der Gerstenernte. Ab dann rollen von der niedersächsischen Seite immense Transporte in Richtung Beverunger Kornhaus. Zehntausende Tonne Getreide werden dann angeliefert, selbst aus dem Uslarer Raum. Und auch die Rettungskräfte müssen sich auf die besondere Situation einstellen. Auch Landwirte müssen nach Lauenförde Aber auch Beverunger Landwirte müssen nach Lauenförde. „Wir ernten zum Beispiel auf 30 Hektar Mais. Das ergibt circa 1.500 Tonnen Ernte", sagt Andre Potthast, Betreiber der Biogasanlage in Beverungen. Die gleiche Menge falle anschließend an Substrat an, welches zurückgebracht werde. Pro Fahrt kalkuliert Potthast mit einer Beladung von 18 Tonnen. So ergeben sich knapp 170 Fahrten mit Ladung. „Das ist natürlich eine große Mehrbelastung für uns", sagt Potthast. Doch die Landwirte sind weit davon entfernt, die Situation schlecht zu reden. „Letztendlich sind wir froh, dass es eine neue Brücke gibt und wir dann für Jahrzehnte Ruhe haben", sagt Potthast. Im Februar 2014 hatten die Landwirte erfolgreich protestiert, dass die Weserbrücke für Schwerlasttransporte ab 18 Tonnen Gewicht gesperrt wird. Daraufhin wurde die Ampelregelung eingeführt. „Jetzt können wir auch nicht meckern, dass es die neue Brücke gibt. Es schränkt uns in dieser Erntesaison ein, aber der zeitliche Rahmen ist doch letztendlich überschaubar", sagt der Derentaler Landwirt Karl-Friedrich Pieper. Belastungen für Vereine Auch im Vereinsleben wird es für ein Jahr zu Einschnitten kommen, exemplarisch sind hier zwei Vereine angeführt, die auf beiden Seiten der Weser aktiv sind. Der Carnevalsverein aus Lauenförde und Beverungen hat die Weserbrücke gleich im Namen verankert und ist auf das Brückenbauwerk bei dem Kinderkarnevalsumzug und dem Rosenmontagsumzug, die von Lauenförde nach Beverungen führen, direkt angewiesen. „Die Umzüge im Februar 2020 können wir nicht in gewohnter Form durchführen", sagt der Vorsitzende Friedhelm Dierkes. Man prüfe zwar auch noch Varianten, wie man auf beiden Seiten Prunkwagen für die Tollitäten einsetzen könne, doch wahrscheinlicher sei ein reiner Straßenkarneval. Eine Mehrbelastungen gebe es zudem im Trainingsbetrieb der verschiedenen Tanzgruppen, die in Lauenförde oder Beverunger trainieren. „Es ist nichts unlösbares, aber sicherlich zusätzliche Belastungen für Eltern und Trainer." Die logistische Umsetzung vom Training wird auch den FC Blau-Weiß Weser beschäftigen. „In den warmen und schönen Monaten kann man mit dem Rad oder zu Fuß eine der beiden Sportstätten erreichen. Im Winter oder bei unschönen Wetter muss der Transport der Mitglieder per Auto passieren. Hier sind wir auf die Kooperation mit den Eltern und Trainern angewiesen", sagt Matthias Bergmann, Vorsitzender des Fußball-Clubs. Im Mädchen- und Damenbereich gebe es zudem eine Kooperation mit dem SV Ottbergen-Bruchhausen und dem MTV Derental, der gut koordiniert werden müsse. Spielbetrieb soll beibehalten werden Auch die Pflege der Grünflächen ist ein Thema, „weil der Rasenmäher-Traktor zwischen den beiden Sportstätten transportiert werden muss. Hier laufen noch Gespräch mit einer Firma über eine Übergangslösung. Sollte keine Lösung gefunden werden, so muss der Traktor jedes mal per Anhänger transportiert werden", sagt Bergmann. Der Spielbetrieb soll auch in der kommenden auf beiden Sportstätten rechts und links der Weser beibehalten werden.

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