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Lebendige Installation im Dringenberger Burghof: David Mildner (vorne liegend), Constanze Weis (sitzend), Markus Jäntti, Anne Jungjohann, Frank Jimin Hopp, Thierry Harpes (Mitte v. l.) und Ahmed Ramadan (oben). - © Elisabeth Affani
Lebendige Installation im Dringenberger Burghof: David Mildner (vorne liegend), Constanze Weis (sitzend), Markus Jäntti, Anne Jungjohann, Frank Jimin Hopp, Thierry Harpes (Mitte v. l.) und Ahmed Ramadan (oben). | © Elisabeth Affani

Dringenberg Schräge Vögel und andere Überraschungen in der Burg Dringenberg

Kunst: Der Titel der Ausstellung der Berliner Kunststudenten lautet "Krrrzzz". ARTD Driburg eröffnet damit die Saison

Elisabeth Affani
04.04.2017 | Stand 03.04.2017, 17:21 Uhr

Dringenberg. Der Anspruch ist groß und dem altehrwürdigen Rittersaal und Gewölbekeller der Burg Dringenberg angemessen. Der Kunst- und Kulturverein ARTD Driburg verspricht ein Erlebnis wie einen Gang durch die Kunstakademie, Begegnungen mit Denkanstößen, direkte Auseinandersetzung und sinnlichen Sofortverzehr. Am Sonntagmittag führte der Beverunger Zeichner und Fotokünstler Albert Schriefer in die erste Ausstellung der Saison 2017 ein, die unter dem Titel „Krrrzzz“ steht. Hans Georg begrüßte im Namen des Heimatvereins Dringenberg zehn internationale Kunststudenten der Universität der Künste Berlin. Sie präsentieren ihre Malereien, Grafiken, Skulpturen und Installationen in der Burg Dringenberg. Sie studieren bei Michael Müller, Thomas Zipp, Robert Lucander und Martin Gerwers. Im Burghof waren einige der fröhlichen Künstler spontan zu einer lebendigen Installation bereit, passend zum lautmalerischen Titel der Ausstellung – „Krrrrzzz“. Er öffnet bereits den Blick und das Ohr des Besuchers und macht ihn neugierig, auf Werke mit Titeln wie „Schräger Vogel“, „1-swapped-reality-web“ oder „still rolling with the times“. Die Kunstwerke binden den Raum mit ein, in dem sie ausgestellt werden, der Kronleuchter wird zum mit Fahnen bestückten Objektträger, der Gewölbekeller zum Käfig für Geflüchtete. Der Gebetsteppich samt Taufbecken und Mokkakanne, gebettet in Wüstensand, bietet sich förmlich an. Etwas verschämt in einer Ecke zieht das Gemälde „shining“ mit einem im Dunkeln glänzenden weiblichen Rücken die Blicke auf sich. Der Idealist möchte sinnlich angesprochen werden. Der politische Betrachter erwartet von einer Kunstausstellung gesellschaftlich relevante Aussagen. Ein psychologisch vorbereiteter Konsument versucht, die Kunst im Unter- oder Unbewussten zu entdecken. Für einen Geschäftsmann muss sie einen in Euro messbaren Wert haben. In der Schule hat man vielleicht noch gelernt, an ein Kunstwerk die Frage zu stellen: „Was will der Autor damit sagen?“ Dieses Klischee aber vermeidet der Homo Aestheticus. Er denkt selbst darüber nach, warum ihm was gefällt. Er darf ablehnen oder annehmen, was er mit den Sinnen aufnimmt. Dieses Privileg kann jeder Besucher genießen und verzehren, was ihm schmeckt. Die Ausstellung in der Burg Dringenberg stellt jeden Betrachter zufrieden, auch weil sie viele Künstler und damit verschiedenste Häppchen bietet. Sie ist noch bis zum 21. Mai jeweils mittwochs und samstags von 14 bis 17 Uhr sowie sonntags von 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17.30 Uhr geöffnet.

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