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Tradition endet: Die Hahne-Mühlenwerke müssen schließen. - © Dirk Windmöller
Tradition endet: Die Hahne-Mühlenwerke müssen schließen. | © Dirk Windmöller

Löhne Zahlreiche Arbeitsplätze betroffen: Hahne Mühlenwerke endgültig vor dem Aus

Eines der ältesten Unternehmen in Löhne ist nicht mehr zu retten. 114 Arbeitsplätze sind betroffen. Dabei hätte es sogar ein Unternehmen gegeben, dass Hahne mit allen Mitarbeitern übernommen hätte

Dirk Windmöller
30.09.2019 | Stand 02.10.2019, 18:39 Uhr

Löhne. Schlechte Nachrichten für 114 Arbeitnehmer: Die Hahne Mühlenwerke schließen zum Jahresende. Darüber informierte Insolvenzverwalter Stefan Meyer am Montag die Öffentlichkeit. Damit geht ein Stück Industriegeschichte in Löhne zu Ende. Das Unternehmen, das im Jahr 1848 gegründet wurde, gehört zu den ältesten in der Werrestadt. Erst Ende 2017 wurde Hahne von Simone Böhne und Karsten Krüger übernommen, den Inhabern von Karlchens Backstube. Die Mühlenwerke mussten im April Insolvenz 2019 anmelden.

In den darauf folgenden Monaten wurde nach Angaben von Insolvenzverwalter Stefan Meyer mit zahlreichen potenziellen Käufern verhandelt. "Trotz intensiver Bemühungen konnte kein Käufer gefunden werden." Dabei habe es ein Unternehmen gegeben, das Hahne übernommen hätte. "Leider konnte keine Einigung über einen Mietvertrag mit der Vermietungsgesellschaft bezüglich der Betriebsimmobilie erzielt werden", so Meyer. Nach Informationen der NW könnte die Übernahme an der Höhe der Miete gescheitert sein.

"Wir hatten eine deutliche Mietentlastung angeboten"

Eigentümer der Immobilien ist die Familie Hahne. Dietrich Hahne weist diesen Vorwurf entschieden zurück. "Wir hatten dem einzigen Interessenten, mit dem wir persönlich sprechen konnten, noch mal eine deutliche Mietentlastung angeboten." Hahne betont jedoch, "dass nachweislich nicht die Miete oder die Miethöhe der oder ein Grund für die Insolvenz von Hahne war". Er habe dem Insolvenzverwalter mehrfach seine Hilfe bei der Suche nach einem Investor angeboten. Das sei dankend abgelehnt worden. Man habe auch angeboten, sich an Verhandlungen mit potenziellen Investoren zu beteiligen und dabei auch die Miete zu besprechen. Auch das sei abgelehnt worden.

Fest steht, dass es keine Zukunft mehr für das Unternehmen gibt. Den Mitarbeitern werden jetzt die Kündigungen ausgesprochen. "Die Produktion wird voraussichtlich bis Ende November fortgeführt und die vorliegenden sowie noch eingehenden Aufträge abgearbeitet", erklärte Meyer. Und weiter: "Ich bin sehr enttäuscht über die Entwicklung im Verfahren. Das wird dem außerordentlich großen Einsatz der Mitarbeiter nicht gerecht."

20 Millionen weniger Umsatz in drei Jahren

Das Unternehmen befand sich auch vor der Übernahme durch Karsten Krüger und Simone Böhne schon viele Jahre in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Bereits im Januar 2016 musste der erste Insolvenzantrag gestellt werden. Diesem Schritt war ein massiver Umsatzverlust vorausgegangen. Zwischen 2013 und 2016 war der Umsatz des damals in sechster Generation geführten Familienunternehmens kontinuierlich von 60 Millionen Euro um 20 Millionen Euro gesunken. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten bei Hahne 218 Mitarbeiter. Im März 2016 verkündeten Insolvenzberater Joachim Walterscheid und die Geschäftsführung eine Einigung mit den Gläubigern. Die Rettung sei gelungen, allerdings mussten 70 Arbeitsplätze abgebaut werden.

Das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung lief bis Ende 2017. Schon damals stand es Spitz auf Knopf. Nachdem sich der damalige Geschäftsführer Nikolaus Hahne aus persönlichen Gründen dagegen entschieden hatten, die Gesellschafteranteile von seinem Vater Dietrich und seinem Onkel Axel zu übernehmen, mussten schnell neue Investoren her.

"Der Investitionsstau war zu groß"

Und die fanden sich in Simone Böhne und Karsten Krüger. Sie übernahmen die Gesellschafteranteile und wollten mit einer eigenen Mühle richtig durchstarten. In den ersten Monaten nach der Übernahme herrschte wohl Aufbruchstimmung und die Zahlen wurden besser. „Im August hatten wir den höchsten Umsatz seit drei Jahren", sagte Karsten Krüger im September 2018 gegenüber der NW.

Doch es hat nicht gereicht. "Wir hatten gehofft, dass wir das Unternehmen mit Innovationen und guten Ideen retten können. Am Ende war der Investitionsstau zu groß. Das konnten wir nicht ausgleichen." Viele Jahre habe Hahne nicht in neue Maschinen investiert. Ihm tue es um die Mitarbeiter leid. "Die haben mit hohem Engagement und großer Loyalität mitgezogen." Er hofft, dass alle schnell einen neuen Arbeitsplatz finden. "Das sind alles hochqualifizierte Fachkräfte, da bin ich optimistisch."

Zugleich betont Karsten Krüger, dass es keine wirtschaftlichen Verflechtungen zwischen Hahne und Karlchens Backstube gibt. Krüger: "Das läuft völlig getrennt voneinander. Bald beginnen wir mit dem Neubau unserer Backstube."

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