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Nacktfotos der eigenen Ehefrau soll ein Ex-Soldat aus Löhne 29 Mal an Fremde verschickt haben. - © dpa
Nacktfotos der eigenen Ehefrau soll ein Ex-Soldat aus Löhne 29 Mal an Fremde verschickt haben. | © dpa

Löhne Nacktbilder-Prozess: Plattform-Betreiber verweisen auf Sicherheits-Check

Laut Staatsanwaltschaft hat ein 30-jähriger Löhner erotische Fotos seiner Ehefrau per E-Mail an Fremde verschickt. Das geschah gegen ihren Willen. Jetzt äußern sich IT-Experten zum Fall.

Ulf Hanke
12.09.2019 | Stand 11.09.2019, 18:09 Uhr

Löhne. Auf analogen Marktplätzen werden Nacktfotos oder sogenannte Rache-Pornos, mit denen die Verflossenen blamiert werden sollen, eher nicht gehandelt. Dafür gibt es digitale Plattformen im Internet. Sehr zum Leidwesen einer jungen Frau aus Vlotho. Ihr inzwischen getrennt lebender Ehemann aus Löhne soll nach Darstellung der Staatsanwaltschaft Bielefeld bei 29 Gelegenheiten solche Nacktfotos gegen ihren Willen per E-Mail an Fremde verschickt haben. Der Ehemann bestreitet das vehement und behauptet, gehackt worden zu sein. Womöglich hat jemand seine Identität gestohlen. "Wie Pokémonbilder" getauscht Seine Ehefrau erklärte bereits beim Prozessauftakt, dass sie Passwort und Zugangsdaten zum E-Mail-Konto ihres Mannes kannte. Das sei in ihrer Ehe kein Geheimnis gewesen, beides war auf dem Klapprechner gespeichert. Auf Verdacht hatte sie den Mail-Eingang ihres Ehemannes geöffnet und will so erkannt haben, dass er auf der Plattform Markt.de zwischen August und Dezember 2017 die Nacktfotos gegen ihren Willen "wie Pokémonbilder" zum Tausch angeboten hatte. Der Verteidiger des Angeklagten, ein ehemaliger Soldat, beantragte daraufhin weitere Zeugenvernehmungen und ein IT-Gutachten. Zum zweiten Termin befragte das Gericht am Mittwoch deshalb eine Sachbearbeiterin der Plattform Markt.de aus Essen. Auf dieser Plattform sollen die Fotos gehandelt worden sein. Markt.de beschäftigt deshalb offenbar eine Mitarbeiterin, die nur solche missbräuchlichen Nutzungen aufklärt. Geschehen soll fünf Monate angedauert haben Zum konkreten Fall konnte die Zeugin keine Angebaben machen. Auf die Frage des Richters, was denn ein typischer Missbrauch der Plattform sei, antwortete die Zeugin, wenn zum Beispiel Privatadressen oder Telefonnummern von Frauen veröffentlicht würden, damit fremde Männer dort klingeln oder anrufen. Dazu würden oft Bilder hochgeladen. Solch einen Missbrauch aufzuklären gehe aber meist sehr schnell: "Ich brauche maximal einen halben Tag. Eine Woche wäre schon lang." In diesem Fall geht die Staatsanwaltschaft jedoch von einem fünf Monate währenden Geschehen aus. "Das habe ich so noch nicht erlebt" Die Gretchenfrage in diesem Prozess lautet: Konnte jemand mit einer fremden E-Mail-Adresse ein Konto auf der Plattform eröffnen? Die Zeugin verneinte das. "Das habe ich so noch nicht erlebt." Es komme schon vor, dass Tipper in der E-Mail-Adresse stehen. Aber normalerweise kenne man die E-Mail-Adresse seines Nachbarn nicht. Für eine Anzeigen-Veröffentlichung müsse zudem ein vierstelliger Zahlenschlüssel bestätigt werden, der an diese E-Mail verschickt wurde und nur vier Stunden gültig sei. Eine weitere Zeugin, eine IT-Fachfrau von der Bundeswehr, über deren Computernetzwerk der Angeklagte angeblich einen Teil der Fotos verschickt haben soll, war im Urlaub. Auch der Angeklagte fehlte. Der Prozess wird am 30. September fortgesetzt. Der Richter ließ jedoch durchblicken, dass seiner Ansicht ein Missbrauch der Daten des Angeklagten durchaus möglich sei. Die Behauptungen im Beweisantrag des Verteidigers sehe er als Tatsachen an.

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