Euphorisch: Patrick Schirrmacher und Pastor Harald Ludewig freuen sich nach einem Jahr Pause auf den nächsten Weihnachtsmarkt in Gohfeld. - © Felix Eisele
Euphorisch: Patrick Schirrmacher und Pastor Harald Ludewig freuen sich nach einem Jahr Pause auf den nächsten Weihnachtsmarkt in Gohfeld. | © Felix Eisele

Löhne Gohfeld lädt zum „Hüttenzauber“

Rund um die Simeonkirche: Nach einem Jahr Pause gibt es im größten Löhner Stadtteil wieder einen Weihnachtsmarkt. Möglich macht das ein Generationswechsel im Ort – und eine solidarische Gemeinschaft

Felix Eisele

Löhne. Dunkel war es im vergangenen Jahr rund um die Simeonkirche. Während der Advent den Rest der Werrestadt in ein heimeliges Licht tauchte, erloschen am Gohfelder Gotteshaus die Lampen. Selbst auf die Strahlkraft eines Christbaums, dem Sinnbild des Weihnachtsfestes schlechthin, hatte Pastor Harald Ludewig verzichtet. Und der traditionelle Weihnachtsmarkt glänzte lediglich durch Abwesenheit. Jetzt aber, ein gutes Jahr später, geht ein Hoffnungsschimmer durch den Ortsteil. Mit neuem Konzept, neuem Namen und neuem Enthusiasmus macht sich eine kleine Gruppe daran, dem Fest rund um die Kirche neuen Glanz zu verleihen. Das Plakat hält Organisator Patrick Schirrmacher schon in Händen. „Gohfelder Hüttenzauber“ ist in roten Lettern zu lesen, dazu die Silhouette eines Elchs und die schon feststehenden Daten: 14. Dezember ab 17 Uhr, 15. Dezember ab 14 Uhr, Simeonkirche, 17 Uhr. Schlicht gestaltet, dafür aber mit weihnachtlichem Touch und eleganter Note. „So, wie auch der Markt werden soll“, sagt Schirrmacher lächelnd. Schleichender Verfall des alten Marktes Tatsächlich ist es nicht weniger als eine Frischzellenkur, die das Organisations-Team dem Weihnachtsmarkt rund um die Simeonkirche verleihen möchte. Optisch ohnehin, aber auch inhaltlich. Und das aus gutem Grund, war der schleichende Verfall des alten Gohfelder Weihnachtsmarkt in den vergangenen Jahren doch unübersehbar – bis er 2017 sogar vollständig von der Bildfläche verschwand. Sehr zum Bedauern vieler Einheimischer. „Die Arbeitsgemeinschaft Gohfelder und Melberger Vereine hat getan, was sie konnte, um das hier aufrechtzuerhalten“, sagt Pastor Harald Ludewig. „Aber es fehlten zuletzt einfach die helfenden Hände.“ Die aber scheinen plötzlich wieder da zu sein. Und gewillt, einen Neustart zu wagen. Gleich mehrere ortsansässige Vereine mit Jugendarbeit wollen dafür im Verbund sorgen, von Grundschul-Förderern bis Sportlern, von Christen bis Feuerwehrleuten. Sie alle haben sich auf Initiative von Patrick Schirrmmacher, den Pastor Ludewig als „Motor der Bewegung“ bezeichnet, zusammengefunden. Geeint durch das Bestreben, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Ein ambitioniertes Ziel Ein ambitioniertes Ziel sicherlich. Aber – davon ist Schirrmacher überzeugt – kein utopisches. „In einem Ortsteil mit so vielen Einwohnern muss so etwas möglich sein“, sagt er. Und die Erfahrung gibt ihm Recht: Als etwa Ende Juli vergangenen Jahres die Jubiläumsfeier zum 25. Geburtstag des FC Löhne-Gohfeld anstand, feierten die hiesigen Fußballer gemeinsam mit den ortsansässigen Schützen ein rauschendes Fest auf der Aqua Magica. Mehr als 750 Gäste fanden den Weg ins Festzelt. Für Schirrmacher ein eindeutiges Indiz für den Zusammenhalt im Ortsteil. Und nicht nur das: Nachdem der 31-Jährige im März dieses Jahres zum Co-Vorsitzenden des FC Löhne-Gohfeld gewählt wurde, besuchte er mit dem verjüngten Klubvorstand die Vereine des Ortsteils. „Dabei kam der Wunsch auf, wieder etwas gemeinsam zu machen.“ Es war der Beginn einer Idee, die nach und nach mit Struktur versehen wurde. Und die Ideen sind durchaus vielfältig: Zwar sei das endgültige Programm noch in der Mache, einige Grundpfeiler aber wurden bereits festgezurrt. „Es wird verschiedene Holzhütten geben, die dem Markt einen weihnachtlichen Dorfcharakter verleihen“, sagen die Veranstalter. Eine Bühne für Darbietungen und Musik wird bereitstehen, verschiedene Sitzgelegenheiten sorgen für zwangloses Ambiente. Der CVJM baut seine Jurte auf dem Gelände auf, hinter der Kirche bietet der Mittelalterverein Ikosaeder ein Bogenschießen an. Hüttengold als Währung Zudem soll für den Hüttenzauber eine ureigene Währung geschaffen werden, das sogenannte „Hüttengold“. Das wirke nicht nur identitätsstiftend, sondern unterstreiche auch den Charakter der Veranstaltung: „Es geht dabei nicht um Kommerz oder Konkurrenz, sondern um die Stärkung der Gemeinschaft. Insofern werden auch sämtliche Einnahmen solidarisch untereinander aufgeteilt“, sagen die Organisatoren. Nicht nur Harald Ludewig ist mittlerweile optimistisch, dass der Hüttenzauber der Beginn von etwas Großem werden kann. „Man merkt, dass Gohfeld lebt“, sagt der Pastor. Er jedenfalls ist froh über den Generationswechsel im Ort. Und vielleicht auch über seine Entscheidung, die Kirche im vergangenen Jahr dunkel zu lassen.

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