Setzen sich für ihre Schüler ein: Uli Brosowski, didaktischer Leiter und Schulleiterin Daniela Gehring. - © Dirk Windmöller
Setzen sich für ihre Schüler ein: Uli Brosowski, didaktischer Leiter und Schulleiterin Daniela Gehring. | © Dirk Windmöller

Löhner Gesamtschule: Voller Einsatz für einen guten Abschluss

Weil die Vielfalt der Schüler immer größer wird, steigen die Herausforderungen für die Schule. Nach den Ferien arbeitet deswegen auch eine Schulsozialarbeiterin in Mennighüffen

Dirk Windmöller

Löhne. Mehr als 200 Schülerinnen und Schüler haben in den vergangenen Wochen an der Bertolt-Brecht-Gesamtschule ihren Abschluss erreicht und einen großen Schritt im Erwachsenwerden gemacht. Manchen fiel der Weg durch die Schulzeit leicht, andere mussten sich durchbeißen. An Löhnes größter allgemeinbildender Schule ist auch für die Lehrer etwas Stolz mit im Spiel, wenn sie sehen, wie sich ein Wackelkandidat aus der fünften Klasse ein tolles Abschlusszeugnis mit Q-Vermerk erarbeitet hat. Diese Karrieren sind hier – wie an jeder anderen Schule – nicht selten. Die Gesamtschule unterscheidet sich aber durch die große Vielfalt, die sie abbildet. Das macht sich an den Bildungsabschlüssen fest. Vom Hauptschulabschluss bis zum Abitur reicht das Spektrum. Entsprechend bunt ist die Zusammensetzung der Schüler. „Wir bilden hier die ganze Gesellschaft ab", sagt Schulleiterin Daniela Gehring. Diese Vielfalt und die Ansprüche an die Schule sind noch größer geworden, seitdem viele Förderschulen ausgelaufen sind und ein großer Teil der ehemaligen Förderschüler jetzt an der Gesamtschule unterrichtet wird. Dazu kommt, dass der gesellschaftliche Wandel Einfluss auf den Schulalltag hat. „Es gibt immer mehr Probleme und Problemchen. Zum Beispiel nimmt die Zahl der Alleinerziehenden zu. Das kann dann zur Pubertät eine zusätzliche Herausforderung sein", sagt Gehring. Sozialarbeiterin wechselt von der Werretalschule an die Gesamtschule Deshalb ist die Schule sehr zufrieden, dass der Schulausschuss beschlossen hat, die Schulsozialarbeit an der Gesamtschule auszuweiten (siehe Kasten). Nach den Ferien wird die Schulsozialarbeiterin von der Werretalschule, die zum Ende des Schuljahres schließt, mit einer halben Stelle an die Gesamtschule wechseln. „Das wird eine große Hilfe für uns sein", ist Uli Brosowski, didaktischer Leiter der Schule, überzeugt. Oft könne mit dem Blick von außen ein Problem einfacher gelöst werden, als wenn sich der Lehrer darum bemüht, der mit einem Schüler einen Konflikt hat. Häufig reiche es auch, einfach nur da zu sein. Und durch die offene Tür zum Büro der Sozialarbeiterinnen zu signalisieren, dass hier jemand zuhören kann, wenn es ein Problem in der Schule oder in der Familie gibt. Die Gesamtschule muss sich Herausforderungen von vielen Seiten stellen. Die hohe Zahl der Förderschüler muss integriert werden, nach der Schließung der Hauptschule ist die Gesamtschule auch der Schulort für Schüler mit Hauptschulempfehlungen. Am anderen Ende des Leistungsspektrums werden Schüler bis zum Abitur geführt. Schüler mit Hauptschulempfehlung macht Abi mit 1,4 „Allerdings leiden wir unter einem Systemfehler. Die Idee einer Gesamtschule ist, je zu einem Drittel Schüler mit Haupt-, Realschul- und Gymnasialempfehlung zu beschulen. Dazu kommt es hier aber nicht", sagt Gehring. Durch die Koexistenz von Gesamtschule, zwei Realschulen und einem Gymnasium sei diese Drittelung nicht möglich. In Kirchlengern gelinge das besser, weil es dort mit der Erich-Kästner-Gesamtschule nur eine weiterführende Schule mit einer entsprechend anderen Schülerstruktur gebe. Das sorgt in Mennighüffen nicht für Entmutigung, sondern für Ansporn. „Die starken Schüler bedienen wir über Profilierungen, da haben wir mehr im Angebot als andere", sagt Brosowski. Wie erfolgreich das System Gesamtschule sein kann, zeigt sich auch immer wieder bei den Schülern, die mit einer Hauptschulempfehlung ihre Zeit in Mennighüffen begonnen haben. „Da hatten wir gerade einen Schüler, der mit einer solchen Empfehlung gestartet ist und sein Abitur mit 1,4 gemacht hat", sagt Brosowski zufrieden. Auch das viel diskutierte Thema Inklusion sorgt für Herausforderungen und Erfolgserlebnisse. Die Schulleiterin hat vor ein paar Wochen eine Klasse auf einer Klassenfahrt in Wangerooge besucht. Zur Klasse gehört auch ein Schüler im Rollstuhl. „Als wir am Strand waren, war plötzlich sein Rollstuhl leer. Wir haben uns schon Sorgen gemacht. Dabei war er von seinen Mitschülern herausgehoben worden. Er lag im Sand und baute an einer Sandburg, seine Augen leuchteten." Es gebe aber auch die schwierigen Fälle, wo eine Förderschule der bessere Schulort sei. Gehring und Brosowski sind überzeugt von der wichtigen pädagogischen Bedeutung der Gesamtschule. „Bei uns gibt es durch die Differenzierungsmöglichkeiten besonders gute Entwicklungsperspektiven, durch die es schon viele Schüler zum Abitur geschafft haben, die auf dem Gymnasium keine Chance gehabt hätten."

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