Durch Gespräche informieren: Pastor Harald Ludewig, Alexander Hermelink (Einsatzleiter DRK), Sabine Brackmann (Kleiderkirche) und Helmut Jäppelt (Vorsitzender DRK Ortsverein Löhne) klären über den Nutzen der Kleiderkirche auf. - © Vanessa Hellwig
Durch Gespräche informieren: Pastor Harald Ludewig, Alexander Hermelink (Einsatzleiter DRK), Sabine Brackmann (Kleiderkirche) und Helmut Jäppelt (Vorsitzender DRK Ortsverein Löhne) klären über den Nutzen der Kleiderkirche auf. | © Vanessa Hellwig

Löhne Kleiderkirche im Gespräch

Besonderer Gottesdienst: Pastor diskutiert mit Helfern die Kleiderkammer in der entwidmeten Kirche

Vanessa Hellwig

Löhne. Anstatt einer Predigt lauschten die Besucher des Gottesdienstes in der Simeonkirche in Gohfeld einem Gespräch zwischen Pastor Harald Ludewig, Kleiderkirche-Organisatorin Sabine Brackmann, dem Einsatzleiter des DRK, Alexander Hermelink und Helmut Jäppelt, Vorsitzender des DRK-Ortsvereins in Löhne. Die Unterhaltung war jedoch keine alltägliche, denn Thema war die Kleiderkirche. Die entwidmete Johanneskirche in Melbergen wurde zur Kleiderkirche, in der Bedürftige und Flüchtlinge gegen kleines Geld Kleidung und Schuhe erstehen können. „Es ist besser, wenn die Menschen einen kleinen Obulus für die Kleidung zahlen, denn dadurch bekommen die Kleidungsstücke mehr Werthaftigkeit. Das fühlt sich dann weniger nach Almosen an“, so Helmut Jäppelt. Das ist dann fast wie ein kleiner Einkaufsbummel. „Jeder darf nehmen, was ihm oder ihr gefällt. Wir helfen den Leuten dann, die passenden Stücke und Größen zu finden. Fast wie in einer Boutique“, erzählt Sabine Brackmann, die das Projekt ehrenamtlich organisiert.Seit Juni ist die Kleiderkirche geöffnet Da zu einer Gesprächsrunde ein süßes Gebäck nicht fehlen darf, hat sich Familie Ailo für den Gottesdienst etwas besonderes ausgedacht. Die fünfköpfige Familie floh vor einem Jahr aus Syrien und wollte sich für die freundliche Aufnahme in der Gemeinde mit typisch syrischem Gebäck bedanken. Seit Juni ist die Kleiderkirche jeden Mittwoch von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Die meisten finden den Weg dorthin durch das Sozialamt. „Vor allem seit Dienstag gibt es einen regelrechten Pendelverkehr zwischen der neuen eingerichteten Notunterkunft in der Sporthalle der Hauptschule und der Kleiderkirche. Wir freuen uns natürlich, mit Kleidung aushelfen zu können“, so Hermelink. „Es ist schön, dass die Kirche dort plötzlich wieder mit Menschen gefüllt ist“, freut sich auch Pastor Ludewig. An der Kirchenwand hängt noch immer das Kreuz, doch anstatt das Wort Gottes nur zu hören, könne man nun am gleichen Ort direkt danach handeln.Winterjacken werden gebraucht Gebraucht werden in der kalten Jahreszeit vor allem Woll- und Fleecedecken, aber auch warme Schuhe und Kleidung. Vor allem Winterjacken, Handschuhe und alles, was dazu gehört, nehmen die Helfer gern an. Speziell Männerkleidung in den Größen S und M werde gesucht, so die Ehrenamtler. Auch über die Hilfe eines arabischsprechenden Übersetzers würden sich die Verantwortlichen der Kleiderkirche freuen. „Wir haben viele ehrenamtliche Helfer an Ort und Stelle, auf die man sich verlassen kann und die Freude an der Arbeit haben. Mir macht die Arbeit dort auch sehr viel Spaß, man lernt viele Leute und ihre Geschichten kennen. Besonders schön ist es, wenn man bemerkt, dass die Menschen dort einem mehr und mehr Vertrauen entgegenbringen“, freut sich Brackmann. Da stimmt auch Ludewig mit ein: „Man geht vom Alltag gehetzt zur Kleiderkirche und kommt beschenkt zurück. Die Erfahrung, helfen zu können, kann Menschen verändern.“

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