Unterhaltend: Autorin Carla Berling brachte ihr Publikum bei der Lesung zum Schmunzeln und zum Lachen. - © Kristine Greßhöner
Unterhaltend: Autorin Carla Berling brachte ihr Publikum bei der Lesung zum Schmunzeln und zum Lachen. | © Kristine Greßhöner

Hiddenhausen Erfolgsautorin liest auf Gut Bustedt

Autorin Carla Berling kam auf Einladung des Fördervereins der Gemeindebücherei. Die Leiche in der Erzählung stammt aus Herford

Kristine Greßhöner
02.02.2019 | Stand 01.02.2019, 19:40 Uhr

Hiddenhausen. Man muss sie einfach mögen. Diese Ira Wittekind, Protagonistin der mörderischen Krimireihe, die bei Tante Friedchen und Tante Sophie (flott gesprochen mit zwei F) einen "Rehmer Braken" eingeschenkt bekommt. Ein hochprozentiges Schnäpschen, das versteht sich von selbst, und ebenso ostwestfälisch charmant wie die Wachstuchdecke im Dekor "weiße Spitze". Und ebenso muss man ihre Erfinderin mögen, die am Donnerstagabend vor ausverkauftem Haus auf Gut Bustedt las. Krimiautorin Carla Berling, das erklärt sie gleich vorab, lebt in Köln und ist Jahrgang 1960 wie ihre Buchheldin. Das mache es durchaus einfacher, Iras Lebensumstände je nach Epoche zu schildern, sagt Berling. Und doch habe ein Leser sie kürzlich angeschrieben und Iras fitte Befindlichkeit in Frage gestellt. Mit Plauderton den Geschmack der Gäste getroffen Belustigung und Empörung schwingen mit, als Berling klarstellt, dass sie sich für ganz schön rüstig halte. Außerdem gedenke sie, ihre erste, wenige Monate alte Enkelin zu einer starken, selbstbewussten Frau zu erziehen. Das passt! Das Publikum, an diesem Abend sind es viele Frauen, schmunzelt und lacht auf, denn Berling trifft mit äußerst angenehmer Stimme und im Plauderton den Geschmack ihrer Gäste. "Ich tauge nicht fürs Feuilleton", hat sie vorab in einem Pressegespräch gesagt. Ihr sei es viel wichtiger, ostwestfälische Mundart und Mentalität zu vermitteln. Das gelingt ihr. Die beiden liebenswerten, alten Tanten auf dem Gehöft, auf dem Ira Wittekind lebt, genießen nach wenigen Textzeilen Kultstatus im Publikum. Tante Erna, eine Königspudeldame, rundet das skurrile Trio ab. Dass die Leiche ein Verleger aus Herford ist und im alten Schlachthof in Bad Oeynhausen gefunden wird, holt die fiktive Ermittlerin für die Zuhörer in die direkte Nachbarschaft. Locker und routiniert blickt Berling derweil auf ihr eigenes Leben zurück. Passagen aus dem Krimi - "Ich habe das für Sie etwas gestrafft. Das andere ist auch wichtig, das müssen Sie dann selbst lesen!" - wechseln sich ab mit persönlichen Bemerkungen der Autorin, die übrigens einen Künstlernamen trägt und eigentlich Peggy Wehmeier heißt. Kurz umreißt sie ihren Werdegang; wie ihr erster Mann starb, sie zunächst erfolglos ihre Bücher über Kleinverlagen vermarktete, bis sie selbst die Bücher verlegte und schließlich das Angebot eines großen Publikumsverlages folgte. Ehemalige Lokalreporterin für die NW Ihre Heldin, eine Lokalreporterin, habe sie ganz bewusst ausgesucht, sagt Berling. Sie wolle mit Vorurteilen aufräumen. Denn: "Wir sind nicht sensationsgeil." Mit "wir" meint sie sich selbst und alle anderen Journalisten, denn früher arbeitete sie als ebensolche Lokalreporterin für die Neue Westfälische in Bad Oeynhausen. Dort in der Kurstadt hat Berling 42 Jahre gelebt. Bei nächtlichen Einsätzen musste sie auch zu tödlichen Unfällen fahren. Diese Bilder werde sie nicht mehr vergessen, sagt sie heute. In ihren Büchern habe sie die Möglichkeit, das Erlebte zu verarbeiten. In der Krimireihe um Ira Wittekind geht es brutal zu, doch viel Blut fließe nicht, wie Berling betont. Ira Wittekind habe "keinen an der Waffel" und lebe privat recht beschaulich in einer Beziehung mit einem Koch. Das Bodenständige ihrer Krimis werde geschätzt, sagt die Autorin. Dass Kommissar Zander aus Bielefeld ermittelt und die Leiche aus Herford stammt, machen es für die Zuhörer in Hiddenhausen noch gruseliger. Deutlich mehr als 80 Eintrittskarten wurden für die jährliche Krimi-Nacht des Fördervereins der Gemeindebücherei verkauft. "Bei den anderen Veranstaltungen waren es weniger, schätzungsweise um die 50", sagte die Leiterin der Hiddenhauser Bücherei, Christine Kuske. Wohltemperierten Rotwein, Wasser und Schnittchen reichten die Ehrenamtlichen ihren Gästen, bevor es weiterging mit kriminellem Hörgenuss in und aus Ostwestfalen-Lippe.

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