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Die Bismarckstraße wurde in den 1960er Jahren breit ausgebaut. Dafür wurden Bäume abgeholzt. - © Georg Heese (Kommunalarchiv)
Die Bismarckstraße wurde in den 1960er Jahren breit ausgebaut. Dafür wurden Bäume abgeholzt. | © Georg Heese (Kommunalarchiv)

Mittwochrätsel Auflösung: Für den Straßenbau fiel mancher Baum

Das Restaurant an der Bismarckstraße hatte früher eine Nachtbar, für die Stammgäste einen Schlüssel bekamen. Im Laden nebenan gab es für Kinder einen Kirschlutscher.

Frank-Michael Kiel-Steinkamp
04.12.2019 | Stand 04.12.2019, 13:48 Uhr

Herford. Das Rätselfoto vom 27. November zeigte eine Baustelle auf der Bismarckstraße. Carola Taßis schreibt: „Auf der rechten Seite befindet sich das Restaurant Kroatien, im Haus links davon die Mohren-Apotheke." Carolin Eschedor weiß: „Das Restaurant ist das Dalmatien. Ich bin 1982 geboren und am Virchowplatz aufgewachsen. Mein Elternhaus ist am Virchowplatz. Ich kann mich noch gut an den kleinen Laden Gößling direkt neben dem Restaurant erinnern. Dort gab es eine Wurst- und Käsetheke und für uns Kinder an der Kasse einen Kirschlutscher. Zu meiner Zeit gab es an der Kreuzung noch eine Sparkasse, dort sind wir in den Knaxclub gegangen. Und natürlich war der Weltspartag immer ganz spannend." Stadtarchivar Christoph Laue weiß: „Rechts in Nummer 76 ist das Lokal ,Onkel Günter‘, betrieben von Anna und August Heidsiek und später der Tochter Else, zu sehen, seit 1986 „Kroatia". ,Onkel Günter‘ war ein Nachtbetrieb mit Weinstube und Bar, die bis 7 Uhr morgen geöffnet war und in der Musiker auf Klavier und Hammondorgel zum Betrieb beitrugen. Nach Zeitzeugenaussagen fanden dort ausschweifende Feiern statt, bei denen sich die ,bessere Gesellschaft‘ – natürlich meist nur die Männer – unter anderem auch mit jungen Frauen vergnügt haben sollen."Burkhard Weier schreibt: „Im Restaurant Kroatien werden internationale und kroatische Speisen angeboten. Im Anschluss an dieses Gebäude wurde später ein Neubau erstellt, in dem jetzt die Mohren-Apotheke betrieben wird. Etwa in der Bildmitte ist links neben dem A-Strommast ein Oldtimer-LKW zu erkennen und zwar ein Mercedes Kurzhauber der Baureihe L 323 bzw. L 710. Mit dem Begriff Kurzhauber wurden LKW bezeichnet, deren Motor nicht mehr in ganzer Länge vor dem Fahrerhaus lag, sondern ein Stück in dieses hineingeschoben war. Die Fahrzeuge konnten dadurch wesentlich kürzer gebaut werden als bisher. Diese Lkw-Reihe, die zunächst bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 7,4 Tonnen über einen 100 PS starken Reihen-Sechszylinder-Dieselmotor verfügte, entwickelte sich in ihrer 40-jährigen Produktionszeit von 1959 bis 1999 zu einer der erfolgreichsten LKW-Baureihen von Daimler-Benz." Der Autor selbst erinnert sich: „Wir sind in den 1970er Jahren von unserem Musik- und Jugendclub Forum Enger gelegentlich nach Mitternacht, wenn Konzertveranstaltungen beendet waren, noch zu dem Restaurant gefahren. Es hieß meiner Erinnerung nach ,Dalmatien-Grill‘. Dort habe ich zum ersten Mal die gegrillten Hackfleisch-Röllchen Cevapcici gegessen und aus der Speisekarte gelernt, dass ,Veseli Bosanac‘ ,Lustiger Bosniak‘ heißt.." Barbara Klein: „Zu dem Zeitpunkt müsste sich in dem Haus rechts auf der Kreuzung noch eine Filiale der ehemaligen Stadtsparkasse befunden haben. Der Bismarckturm ist heute nicht mehr so gut zu erkennen." Elke Förster schreibt: „Vor diesem Lokal rechts abgehend ist ein Teil der Schumannstraße zu sehen. An dieser Stelle war es früher möglich, mit dem Auto direkt auf die Bismarckstraße zu fahren. In den Jahren ab 1957 ging ein Sohn der damaligen Gastwirtseltern in die Grundschule Stiftberg und war ein Klassenkamerad (Klassenlehrerin war Fräulein Coring von 41 Schülern und Schülerinnen). Da versucht wird, in den kommenden Jahren ein Einschulungsklassentreffen zu machen und es schwierig ist, die heutigen Anschriften herauszubekommen, würde es mich freuen, wenn ein Kontakt mit diesem damaligen Klassenkamerad zustande käme." Ulrich Stille schreibt: „Mich fasziniert besonders der Blick in die Ferne auf den Stuckenberg und den dort alles überragenden frei stehenden Bismarckturm. Diesen Blick gibt es schon lange nicht mehr. Nach dem Krieg ist der Wald dort auf der Höhe stark abgeholzt worden, um in den kalten Wintern als Brennmaterial zu dienen. Ich erinnere mich, dass auch mein Großvater zusammen mit einem Nachbarn schon mal auf den Stuckenberg zog, um dort einen Baum zu schlagen und so mit seinem Bollerwagen Brennholz zu holen. Dabei war für beide immer wieder ein riesiger Baum eine ganz große Verlockung, der sie aber schließlich im Hinblick auf ihr einfaches Forstwerkzeug und den leichten Bollerwagen schweren Herzens aber wohl zu ihrem Glück widerstanden haben. Ich habe den Baum später noch gesehen und vielleicht ist seine gewaltige Krone auf dem Foto am Horizont rechts vom Bismarckturm sogar zu erkennen." Bruno Vehmeier erinnert sich: „In dem Wohn- und Geschäftshaus am rechten Bildrand befand sich die Bar der Geschwister Heidsiek, auch Schlüsselbar genannt. Schlüsselbar, weil seinerzeit besten Gästen ein Schlüssel für die Bar übergeben wurde, welche die Möglichkeit hatten, bei Günther, der auch scherzhaft ,Fusel‘ Heidsiek genannt wurde, nach der normalen Zeit die Bar aufzusuchen. Danach übernahm Herr Abraham die Räume und eröffnete das Restaurant Kroatien. Dort entstand dann der Song ,Hey Leute, esst beim alten Abraham cevapcici, cevapcici, cicici‘. Im Anbau links befindet sich die Mohrenapotheke. Das nächste Haus wird nun von Ärzten genutzt. Bis etwa vor zehn Jahren befand sich auch eine Zweigstelle der Sparkasse in dem Gebäude. Rechts um die Ecke rum ein Blumenladen. Am linken Bildrand, leider nicht mehr zu sehen, gab es die Gaststätte Maiwiese. Daneben lebt unser alter Schützenbruder und Musikus Jockel."Gerhard Heitholt schreibt: „Die Bismarckstraße ist eine der wichtigsten Ausfallstraßen Herfords, führt sie doch, nachher über die Vlothoer Straße, an die Weser, nach Vlotho und ins nördliche Lipperland, vor allem aber als Zubringer zur Autobahn A 2. All das wohl auch Argumente für unsere Stadtväter, den Ausbau der Straße in den 1960er Jahren zu planen: heute breit und mit Fahrradwegen und Parkstreifen links und rechts. Dafür wurden viele Bäume geopfert. Vor dem Ausbau nämlich hatte die Bismarckstraße in weiten Teilen Alleencharakter, so wie heute noch die Vlothoer Straße, da wo Bürgersteige vorhanden sind. Eine so große Diskussion wie jetzt aktuell bezüglich des Erhaltes der Bäume an der Vlothoer Straße wegen dem geplanten Ausbau gab es damals an der Bismarckstraße wohl nicht. Seit meiner frühesten Kindheit kenne ich schon die (alte) Bismarckstraße: Nach Kriegsende 1945, als das Leben wieder begann normal zu werden, nahmen mich meine Eltern auf dem Fahrrad mit zu Verwandtenbesuchen nach Exter oder zur Steinegge. Dabei benutzten wir sogar stückweise die Autobahn, kein Verkehr sonst; nur vor den britischen Besatzern musste man auf der Hut sein! Später dann ging’s im Winter zum Rodeln und auch Skifahren in den Stuckenberg. Wenn Hausschlachtungen anstanden, musste ich zum ,Fleischereibedarf Behring und Schütter‘ an der Bismarckstraße, um die nötigen Zutaten zur Verarbeitung und Verwurstung unserer Hausschweine zu besorgen." Gerhard Heitholt schreibt: „Die Bismarckstraße ist eine der wichtigsten Ausfallstraßen Herfords, führt sie doch, nachher über die Vlothoer Straße, an die Weser, nach Vlotho und ins nördliche Lipperland, vor allem aber als Zubringer zur Autobahn A 2. All das wohl auch Argumente für unsere Stadtväter, den Ausbau der Straße in den 1960er Jahren zu planen: heute breit und mit Fahrradwegen und Parkstreifen links und rechts. Dafür wurden viele Bäume geopfert. Vor dem Ausbau nämlich hatte die Bismarckstraße in weiten Teilen Alleencharakter, so wie heute noch die Vlothoer Straße, da wo Bürgersteige vorhanden sind. Eine so große Diskussion wie jetzt aktuell bezüglich des Erhaltes der Bäume an der Vlothoer Straße wegen dem geplanten Ausbau gab es damals an der Bismarckstraße wohl nicht. Seit meiner frühesten Kindheit kenne ich schon die (alte) Bismarckstraße: Nach Kriegsende 1945, als das Leben wieder begann normal zu werden, nahmen mich meine Eltern auf dem Fahrrad mit zu Verwandtenbesuchen nach Exter oder zur Steinegge. Dabei benutzten wir sogar stückweise die Autobahn, kein Verkehr sonst; nur vor den britischen Besatzern musste man auf der Hut sein! Später dann ging’s im Winter zum Rodeln und auch Skifahren in den Stuckenberg. Wenn Hausschlachtungen anstanden, musste ich zum ,Fleischereibedarf Behring und Schütter‘ an der Bismarckstraße, um die nötigen Zutaten zur Verarbeitung und Verwurstung unserer Hausschweine zu besorgen."

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