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Spaß beim Training: Luise Lüth, Reinhold Steinbach, Shioban Maatz und Viola Frehe demonstrieren eine virtuelle Operation am Darm. Das Foto aus dem Bauchraum ist hier in den Bildschirm einmontiert. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Spaß beim Training: Luise Lüth, Reinhold Steinbach, Shioban Maatz und Viola Frehe demonstrieren eine virtuelle Operation am Darm. Das Foto aus dem Bauchraum ist hier in den Bildschirm einmontiert. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Kreis Herford Warum junge Ärzte das Klinikum Herford als Arbeitgeber wählen

Medizin: Vier neue Assistenzärzte sind im Juli und August hinzugekommen. Der Chefarzt setzt beim Nachwuchs auf den „Klebeeffekt“

Frank-Michael Kiel-Steinkamp
14.08.2019 | Stand 14.08.2019, 15:00 Uhr

Kreis Herford. Gleich vier neue Assistenzärztinnen und -ärzte haben im Juli und August in der Viszeralchirurgie des Herforder Klinikums ihren Dienst angetreten. Das scheint in Zeiten des Ärztemangels mit Prämien in Höhe von mehreren Tausend Euro für die Vermittlung von bestimmten Ärzten und Pflegekräften keine Selbstverständlichkeit zu sein. "Mein Team mit acht Oberärzten und 16 Fach- und Assistenzärzten ist komplett", freut sich Chefarzt Professor Günther Winde. Die Art, wie angehende Mediziner schon in ihrem Praktischen Jahr in dieses Team aufgenommen und von den erfahreneren Kollegen angeleitet werden, ist es wohl, die es ihnen schmackhaft macht, auch die sechsjährige Weiterbildung zum Facharzt hier zu absolvieren. "Ich setze hier auf den Klebeeffekt", sagt der Chefarzt und Hochschullehrer. Drei junge approbierte Ärztinnen und ein Arzt sind die "Youngster" im Team, wie der Chefarzt es im Pressegespräch formuliert. Sie sollen sich selbst vorstellen: Shiobhan Maatz Shiobhan Maatz (28) hat sich in Herford als begabte Oboistin einen Namen gemacht und Preise bei Jugend musiziert gewonnen. 50:50 habe es gestanden, als sie überlegte, Musik oder Medizin zu studieren, berichtet sie. Am Herforder Gymnasium habe die Naturwissenschaft sie nicht begeistert. Erst ein Jahr in den USA mit hochqualifiziertem Unterricht habe ihr gezeigt, dass Biologie und Chemie Spaß machen können und ihr Selbstvertrauen gestärkt. Und auch das Interesse an medizinischen Themen war da. Als eine Entscheidung getroffen werden musste, riet die Mutter, die selbst Profi-Musikerin bei der Nordwestdeutschen Philharmonie ist, der beruflichen Aussichten wegen zum Medizinstudium. Das absolvierte Shiobhan Maatz an der Uni Witten-Herdecke. Sie wollte zunächst lieber Gynäkologin als Chirurgin werden. "Und ich wollte eigentlich nicht zurück nach Herford", erinnert sich Maatz. Dennoch absolvierte sie das chirurgische Drittel ihres Praktischen Jahres in Herford. "Hier wurde ich gut integriert und man arbeitet auf Augenhöhe. Bei verantwortungsvollen Aufgaben ist immer jemand im Hintergrund", sagt sie. Die Thoraxchirurgie findet die junge Ärztin besonders interessant und freut sich, dass in Herford ein Thoraxzentrum im Aufbau ist, in dem es um die Chirurgie im Brustraum geht. Reinhold Steinbach Reinhold Steinbach (31) hatte seine erste berufliche Berührung mit der Medizin im Praktischen Sozialen Jahr im Krankenhaus Enger. Er schloss eine Krankenpfleger-Ausbildung an und als die medizinischen Ambitionen wuchsen, holte der Bünder sein Abitur am Bielefelder Westfalen-Kolleg nach. Nach sieben Semestern Studium in Tübingen zog es ihn näher an die Heimat und er studierte in Münster zu Ende. Sein letztes Trial des Praktischen Jahres absolvierte er am Klinikum Herford, das unterdessen Uniklinik der Ruhruniversität Bochum geworden war. "In den Bewertungsportalen hat die Ausbildung am Klinikum einen guten Ruf", berichtet er. Viola Frehe Viola Frehe (32) hat in Marburg studiert. Der gebürtigen Herforderin ist der Arztberuf schon in die Wiege gelegt. "Ich wurde supertoll ins Team integriert", schwärmt sie. Im Praktischen Jahr habe der Unterricht immer stattgefunden und wenn der Chefarzt ihn nicht persönlich halten konnte, habe er für Ersatz gesorgt. Luise Lüth (25) aus Bad Oeynhausen hat in Bochum studiert. Sie hat gleich zwei Drittel des Praktischen Jahres in Herford gearbeitet. Sie findet die Kombination aus Uniklinik und ländlicher Umgebung reizvoll. "Es ist wichtig zu erkennen, ob jemand geeignet ist für die Chirurgie" "Im Praktischen Jahr lernt man die jungen Ärzte gut kennen. Hier sollen sie das Wissen aus dem Studium umsetzbar machen", sagt Günther Winde. "Es ist wichtig zu erkennen, ob jemand geeignet ist für die Chirurgie. Sie sollen gut mit den Patienten umgehen und das Gespräch mit ihnen suchen. Dann sprechen wir den einen oder anderen an, ob er bei uns bleiben will. So auch bei den nun eingestellten Assistenzärzten. Die Entscheidung liegt natürlich bei jedem selbst." Die Harmonie mit Patienten und Team sei in dem Beruf ebenso wichtig wie das Handwerkliche und das Fachwissen. "Die ersten vier Wochen mit unseren neuen Ärzten sind um und es hat bisher hervorragend geklappt", spart der Chefarzt nicht mit Komplimenten. Vom ersten Tag an stehen die jungen Ärzte mit im OP. Eine erste Orientierung über Herforder Standardverfahren in den jährlich 3.000 Operationen gibt ihnen ein Datensatz. Winde sieht in der Anbindung an die Ruhruniversität Bochum seit drei Jahren auch praktische Vorteile für die Ärzte in Ausbildung: "Wir haben hier Lehrmittel, die wir sonst nicht anschaffen könnten." Als Beispiel führen die vier Assistenzärzte und der betreuende Facharzt Jan Wieltsch einen 60.000 Euro teuren Lapsim-Trainer vor. Der sieht auf den ersten Blick wie ein Video-Spielautomat aus. Er hat aber Bedienelemente, die die Geräte einer minimal invasiven Operation im Magen-und Darmtrakt nachbilden. Genau wie bei einer echten Operation sieht der Chirurg das Ergebnis seiner Arbeit auf einem Bildschirm und spürt in seinen Händen den Widerstand, wenn er etwas im Bauch des virtuellen Patienten durchtrennt. Nur hat es keine Folgen, wenn es ein falscher Handgriff war. Für viele Ärzte sei es reizvoll, dass in Herford nun auch wissenschaftlich geforscht werde, meint Winde. "Auch bei der Promotion geht es nicht nur um den Doktortitel", sagt Shiobhan Maatz. "Die Forschungsarbeit ist spannend."

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