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Bürgermeister Tim Kähler beschreibt den Abgeordneten Johannes Kahrs, Stephan Schwartze und Christian Dahm das zukünftige Angebot in der Herforder Markthalle. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Bürgermeister Tim Kähler beschreibt den Abgeordneten Johannes Kahrs, Stephan Schwartze und Christian Dahm das zukünftige Angebot in der Herforder Markthalle. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford In der Herforder Markthalle soll wenig Verpackungsmüll entstehen

Bürgermeister zeigt Bundestags- und Landtagsabgeordneten geförderte Projekte in der Stadt. Auch Langzeitarbeitslose sollen profitieren

Frank-Michael Kiel-Steinkamp
12.06.2019 | Stand 12.06.2019, 09:54 Uhr

Herford. Bund und Land lassen Millionenbeträge nach Herford fließen, um Projekte wie die Sanierung der Markthalle, den Bau eines Archäologischen Fensters am Münster und den Wandel von Kasernen zum Bildungscampus in ziviler Nutzung zu fördern. Bürgermeister Tim Kähler führte am Dienstagmorgen den im Haushaltsausschuss sitzenden SPD-Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs, den örtlichen SPD-Landtagsabgeordneten Christian Dahm und den SPD-Bundestagsabgeordneten Stephan Schwartze an die Orte des Geschehens, um ihnen zu versichern, dass das Geld gut angelegt ist. Am Rande verriet er Neuigkeiten. Markthalle soll mit Bürgerfest eröffnet werden Die Markthalle ist noch Baustelle. Sie soll am Samstag, 31. August, mit einem Bürgerfest in Anlehung an "100 Jahre Rathaus" in der Halle und auf dem Rathausplatz eröffnet werden. Als einen Grund für die Verzögerung um zunächst fünf und dann weitere drei Monate nannte Kähler den Einbau der Oberlichter: "Die Dachkonstruktion war anders als gedacht." Der Antrag auf Förderung wurde 2015 gestellt und bewilligt. Die ursprünglich kalkulierten Investitionskosten in Höhe von 4,81 Millionen Euro stiegen auf 5,54 Millionen Euro, von denen 3,2 Millionen vom Bund gezahlt werden. Gründe waren nach Angaben der Stadt gestiegene Preise am Bau, Überraschungen in der Bausubstanz und unerwartete behördliche Anforderungen wie die der Lebensmittelüberwachung. Nach dem neuen Konzept gibt es sowohl ein markttypisches Frischeangebot wie auch ein hochwertiges gastronomisches Angebot. 90 Prozent der Standflächen sind vergeben. Der Bürgermeister verspricht Nachhaltigkeit für die Markthalle, die ein Ort der Begegnung werden soll: "Wir setzen auf wenig Verpackung und servieren das Essen auf Porzellan." Der Verzicht auf Einweg-Teller hat auch einen sozialpolitischen Aspekt. Der Bürgermeister möchte Langzeitarbeitslose in der Logistik der Markthalle zu Tariflöhnen einsetzen, etwa um benutztes Geschirr und Besteck der Spülküche zuzuführen. Kähler: "Zur Not stellen wir die Leute selbst ein." Es wird einen Bierstand in der Halle geben, an dem die Leute sich das Bier in einen verschließbaren Krug zapfen lassen und mit nach Hause nehmen können. Poggenpohl liefert eine Show-Küche. In der Halle können auch am Abend Veranstaltungen durchgeführt werden. Der Raum, in dem früher Wurst und Käse verkauft wurden, wird auch von Privatleuten zu mieten sein. Ein Catering aus der Markthalle ist möglich. Neues Parkhaus an der Bielefelder Straße denkbar Eine Auflage des Bundes für die Förderung der Markthalle sei die Umgestaltung des Rathausplatzes mit Außengastronomie. Die solle folgen, wenn auch das Archäologische Fenster am Münster in Betrieb sei. Doch wo sollen dann die Kunden und Touristen parken? "Im nächsten Verkehrsausschuss wird ein neues Parkraumkonzept vorgestellt", verriet Kähler. Es gebe Bedarf an 300 zusätzlichen Stellplätzen in der Innenstadt. Eine denkbare Variante sei der Bau eines modernen, begrünten Parkhauses auf dem alten EMR-Parkplatz an der Bielefelder Straße, das auch Ladestationen für E-Mobilität bieten könne. Die Kleine Markthalle wird für die Tourist-Information umgebaut. Von hier aus sollen auch die Stadtrundgänge gesteuert werden, deren Teilnehmer in Zukunft mit Hilfe von Bildschirm-Brillen in die Herforder Vergangenheit blicken können. Archäologisches Fenster wird Mitte 2022 geöffnet Den Blick in die Geschichte der Stadt soll auch das Archäologische Fenster am Münster auf den Grundmauern der Fürstabtei ermöglichen.Tim Kähler freut sich auf eine moderne Erzählung von Stadtgeschichte nach Ideen des Archäologen Matthias Wemhoff : "Die Vase in der Vitrine will heute keiner mehr sehen." Baubeginn soll Anfang 2020 sein, Eröffnung eineinhalb Jahre später. Aus dem Planungswettbewerb gingen zwei erste Preisträger hervor. Über ihre nachbearbeiteten Entwürfe wird bis Mitte Juli entschieden. Heiraten im Offizierscasino Mit dem Kleinbus ging es zum Bildungscampus auf Stiftberg. "Hier ist alles ausverkauft" verkündete der Bürgermeister. Die Blöcke A und B seien komplett vermietet an die Fachhochschule der Finanzen, die Schulungseinrichtung des Altenpflege-Unternehmens Bonitas und an den Personal- und Organisationsentwickler PTA. Im Haus F, dem früheren Kindergarten, will die Stadt Startup-Unternehmen ein Angebot machen. Das Landesunternehmen Wald- und Holz denkt über einen Neubau auf dem Gelände nach. Das Schmuckstück der Kaserne, das Offizierscasino, soll sich gemäß der neuesten Planung nicht mehr abgeschottet hinter Mauern und Hecken verstecken, sondern in Richtung Vlothoer Straße öffnen. Teil des als Mensa genutzten Casinos ist auch eine Rotunde - ein großer runder Raum mit hohen Fenstern in königlichem Rot gehaltenen Teppichboden, den Bürger in Zukunft für Veranstaltungen mieten können. "Hier könnte ja das Standesamt Trauungen anbieten", schlugen die von der Ausstrahlung des Raumes beeindruckten Abgeordneten vor.

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