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Engpass: 800 Betten hat das Klinikum Herford, 24 davon stehen auf einer Risikostation für werdende Mütter. Die suchten sich jetzt eine andere Klinik, weil der Kreißsaal wegen fehlender Hebammen geschlossen worden war. - © Klinikum Herford
Engpass: 800 Betten hat das Klinikum Herford, 24 davon stehen auf einer Risikostation für werdende Mütter. Die suchten sich jetzt eine andere Klinik, weil der Kreißsaal wegen fehlender Hebammen geschlossen worden war. | © Klinikum Herford

Kreis Herford 20 Babys von Kreißsaal-Krise im Herforder Klinikum betroffen

Das Krankenhaus gibt an, man habe Risiko-Schwangere rechtzeitig über den Hebammen-Engpass 
und die Schließung informiert. Die werdenden Mütter bestreiten das jedoch

Peter Steinert
01.06.2019 | Stand 01.06.2019, 13:04 Uhr

Kreis Herford. Anfang vergangener Woche machte Pflegedirektor Bastian Flohr erste Symptome eines Hebammen-Engpasses im Kreißsaal des Klinikums bekannt. Aus ersten Symptomen ist ein Infarkt geworden. Einen Tag später stand fest, dass der Kreißsaal geschlossen werden muss. Mitarbeiter und werdende Mütter sollen davon erst eine knappe Woche später aus den Medien erfahren haben. Flohr bestreitet das, Personal als auch Patienten seien rechtzeitig durch das Klinikum informiert wurden. Für drei Frauen mit einer sogenannten Risikoschwangerschaft dürfte das neu sein. Wie für eine 35-Jährige, deren erstes Kind 2017 sechs Wochen vor dem eigentlichen Termin das Licht erblickte. Eine ähnliche Entwicklung bahnte sich jetzt beim zweiten Kind an, so dass die werdende Mutter ab der 32. Schwangerschaftswoche die Entbindungsstation des Klinikums in Anspruch nahm. Klinik in Halle ist kleiner und persönlicher Bis zur 36. Schwangerschaftswoche wollte sie in unmittelbarer Nähe des Kreißsaals bleiben. „Entbunden hätte ich sowieso nicht in Herford sondern in Halle, wo das Haus kleiner und persönlicher ist", sagt die künftige zweifache Mutter. Für das Klinikum entschied sie sich, weil Halle keine Betten für Risikoschwangere hat. Inzwischen sieht sie in der Kinderklinik Bielefeld-Bethel dem freudigen Ereignis entgegen. „Im Notfall hätte ich in Herford womöglich nicht versorgt werden können", sagt die Patientin und entschied sich nach Lektüre des NW-Artikels („Klinikum muss Kreißsäle schließen", 29. Mai) für den Umzug. Nicht bekannt ist im Klinikum, wie viele Schwangere von der Kreißsaal-Krise betroffen gewesen sind oder sein werden. Bastian Flohr: „Das könnte man nur herunterrechnen." Bei 1.505 Entbindungen (2018) wären das bei fünf geschlossenen Tagen etwa 20 Babys gewesen. Flohr: „Wir schwanken in den Geburten bei minimum zwei und sieben bis acht am Tag." Zwei kurz vor der Geburt stehende Frauen waren nach Auskunft des Pflegedirektors in ein anderes Krankenhaus verlegt worden. Weitere Hochschwangere seien in den vergangenen Tagen nicht hinzu gekommen. 14 Hebammen sind für gewöhnlich im Dienst Das Klinikum Herford betreibt eine Station für werdende Mütter (Risikostation mit 24 Betten) und eine Wöchnerinnenstation(acht Betten), die ihr Kind schon geboren haben. 14 Hebammen im Vollzeitdienst sind für gewöhnlich tätig. Zuletzt waren es neun, von denen sich drei zuletzt krank gemeldet hatten. Zum Teil hätten verbliebene Mitarbeiterinnen die unplanmäßige Auszeit genutzt, um Überstunden abzubauen. Ab Montagmorgen, 7 Uhr, soll der Kreißsaal des Klinikums wieder zur Verfügung stehen und eine Rund-um-die Uhr-Betreuung gewährleistet sein. Bis Freitagmittag lagen Pflegedirektor Bastian Flohr keine neuen Krankmeldungen vor.

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