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Noch bis zum 3. Juni ist der Kreißsaal des Klinikums geschlossen. Der Grund: Personalmangel. - © Natalie Gottwald
Noch bis zum 3. Juni ist der Kreißsaal des Klinikums geschlossen. Der Grund: Personalmangel. | © Natalie Gottwald

Herford Kommentar: In Sorge um das Klinikum Herford

Die Negativ-Schlagzeilen rund um das Krankenhaus häufen sich. Darüber, was das für die Versorgung bedeutet und wer verantwortlich ist, macht sich der stellvertretende Chefredakteur der NW Gedanken.

Carsten Heil
30.05.2019 | Stand 30.05.2019, 10:49 Uhr

Herford. Was ist los mit dem Klinikum Herford? Seit Monaten folgt Negativ-Schlagzeile auf Negativ-Schlagzeile. Erst muss der Geschäftsführer des wichtigsten Krankenhauses weit und breit seinen Hut nehmen. So richtige Gründe dafür wurden von Verwaltungsratschef und Landrat Jürgen Müller öffentlich nicht genannt. Es bleibt die Vermutung, dass Stephan Judick es nicht konnte. Recherchen der Neuen Westfälischen haben damals ergeben, dass er schon auf seiner vorherigen Station nicht gut gewirtschaftet hatte. Warum wurde er dann in Herford eingestellt? Das muss sich der Verwaltungsrat mit Landrat Müller an der Spitze fragen lassen. Dann sickert durch, dass das Haus acht bis neun Millionen Euro Miese im Jahr 2018 gemacht hat. Dafür mag es Ursachen geben, wie den Streit mit den Krankenkassen über die gestellten Rechnungen. Besser wird die Reputation des Klinikums dadurch aber nicht. Und jetzt muss die Klinikleitung sogar bekannt geben, dass die Geburtsstation für mehrere Tage geschlossen werden muss. Ein Desaster. Der Ruf des 800-Bettenhauses nimmt beträchtlichen Schaden. Es wird lange dauern, bis der wieder aufpoliert ist. Und es verwundert nicht, wenn die Patienten nun noch sorgenvoller auf die bevorstehende Untersuchung oder OP in der Schwarzenmoorstraße blicken als sowieso schon. Medizinische Leistung hat viel mit Vertrauen zu tun. Das geht zunehmend verloren. Menschen sind in einer sensiblen Situation, wenn sie krank sind und ein Krankenhaus aufsuchen müssen. Und die 2.000 Mitarbeiter, die ihr Bestes geben, werden sicher in ihrem privaten Umfeld immer wieder auf die schwierige Lage angesprochen. Vielen wird das unangenehm sein. Klinikleitung und Verwaltungsrat sollten die Defizite möglichst schnell abstellen. Das ist ihr Job. Dafür werden sie bezahlt.

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