Beim Überfall auf einen Juwelier in Herford wurden drei Männer festgenommen. Einer der Drahtzieher wurde jetzt verurteilt. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Beim Überfall auf einen Juwelier in Herford wurden drei Männer festgenommen. Einer der Drahtzieher wurde jetzt verurteilt. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford/Bielefeld Juwelier-Raub: Drahtzieher bleibt in Haft

Verteidigerin plädierte auf eine Strafe von viereinhalb Jahren und Aufhebung des Haftbefehls. Dem folgte die Kammer nicht

Herford/Bielefeld. Ein wenig geringer als in der Vorinstanz fiel am Dienstag das Urteil gegen den 42-jährigen Bielefelder Vinicio T. (Name geändert) aus. Die IX. Große Strafkammer des Landgericht verhängte gegen den Mann, der der sizilianischen Cosa Nostra angehören soll, wegen einfachen und schweren Raubes eine Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren. Er war einer der Drahtzieher der Überfälle Am 26. April 2016 verübten mehrere Täter einen Raubüberfall auf ein Gütersloher Juweliergeschäft und erbeuteten Schmuck und Bargeld in Höhe von 299.000 Euro. Am 11. Mai 2016 verübte die selbe Gruppierung einen Überfall auf ein Herforder Juweliergeschäft an der Berliner Straße. In diesem Fall fielen ihr Geld und Wertsachen im Wert von 120.000 Euro in die Hände. Noch am selben Tag wurden Vinicio T. und zwei seiner Komplizen in Herford festgenommen. Der Angeklagte legte ein Geständnis ab. Demnach war er einer der Drahtzieher der Überfälle, die von der Cosa Nostra gesteuert worden sein sollen. Seine Aufgabe bestand darin, geeignete Objekte auszuspähen, ein Fluchtauto und eine Softairpistole zu beschaffen und die aus Italien angereisten Tatausführenden zu rekrutieren. Am 30. Januar 2018 verurteilte das Landgericht T., wie berichtet, zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren und drei Monaten. Mitarbeiterinnen erlitten psychische Schäden Die Körperverletzung ist dem Angeklagten nicht zuzurechnen Durch den Überfall in Herford erlitten zwei Mitarbeiterinnen des Juweliers erhebliche psychische Schäden. Auch dafür machte die Strafkammer den Angeklagten verantwortlich. Das sah der Bundesgerichtshof in Karlsruhe in der Revision des Angeklagten anders. Da Vinicio T. bei dem Überfall gar nicht anwesend gewesen sei, könne man ihm die Körperverletzungen nicht anrechnen, heißt es in dem BGH-Beschluss vom 16. August 2018. Über diesen Teilaspekt musste nun eine andere Strafkammer neu entscheiden. Nach kurzer Verhandlung folgte die Kammer dem Antrag von Staatsanwältin Evelyn Harkötter und verhängte nun eine Haftstrafe von sechs Jahren. T.s Verteidigerin Christina Peterhanwar hatte auf eine Strafe von viereinhalb Jahren und Aufhebung des Haftbefehls plädiert. Die Kammer entschied jedoch, dass T. weiterhin im Gefängnis bleiben muss.

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