Ermittlungen: Die Polizei musste einen schwierigen Einsatz bewältigen. Sicherheitsbehörden haben die Wohnungen zweier bekannter Herforder Islamisten durchsucht. - © Marc Köppelmann
Ermittlungen: Die Polizei musste einen schwierigen Einsatz bewältigen. Sicherheitsbehörden haben die Wohnungen zweier bekannter Herforder Islamisten durchsucht. | © Marc Köppelmann

Herford Terrorismusverdacht: Ermittler durchsuchen Islamisten-Wohnungen

Polizeieinsatz: Bei zwei Islamisten wurden Wohnungen durchsucht. Sie sollen eine "schwere staatsgefährdende Gewalttat" vorbereitet haben

Jobst Lüdeking

Herford. Anti-Terrorermittlungen in Herford: Nach Informationen der Neuen Westfälischen haben nordrhein-westfälische Sicherheitsbehörden die Wohnungen zweier bekannter Herforder Islamisten durchsucht. Wie es heißt, gehe es um den Verdacht der Vorbereitung einer "schweren staatsgefährdenden Gewalttat" - dazu zählt etwa ein Anschlag. Bei den beiden verdächtigten Männern handelt sich um Galionsfiguren der Herforder Salafistenszene und IS-Sympathisanten: einen bereits als islamistischen Gefährder eingestuften Tschetschenen und seinen Sohn. Beide Männer blieben auf freiem Fuß. Geduldeter Islamist gilt als Anhänger des Kaukasus-Emirats Der Vater wird von den zuständigen Behörden bereits seit mehr als drei Jahren als "islamistischer Gefährder" geführt und gilt zudem als die "graue Eminenz" der Herforder Salafisten. Unter dem Begriff "Gefährder" werden in Sicherheitskreisen Leute geführt, von denen es für möglich gehalten wird, dass sie in die Vorbereitung von schweren Straftaten verwickelt sein könnten. Nun gehen die Behörden in Herford sogar einem konkreten Verdacht nach. Der Sohn des Tschetschenen ist hingegen nicht nur als Islamist und religiöser Eiferer bekannt. Er war erst im Januar in Zusammenhang mit einer Einbruchsserie in mehrere Niederlassungen des Tierbedarfsmarktes "Fressnapf" vom Landgericht Braunschweig zu einer Haftstrafe von knapp drei Jahren verurteilt worden. Damals hatten die Ermittlungen keine Verbindungen zur Terrormiliz IS ergeben. Ein weiterer Herforder Islamist, der ebenfalls an den Einbrüchen in den Fressnapf-Filialen beteiligt war, hat seine Haftstrafe nicht angetreten und ist seit Sommer flüchtig (die Neue Westfälische berichtete in der vergangenen Woche). Der tschetschenische Gefährder war kurz nach 2002 nach Deutschland gekommen und hatte hier politisches Asyl beantragt - es aber nicht erhalten. Auch sein Einbürgerungsantrag wurde nach NW-Informationen abgelehnt. Der geduldete Islamist gilt als Anhänger des sogenannten "Kaukasus-Emirats", das sich wiederum der Terrororganisation - dem Islamischen Staat - angeschlossen hat. Der als Gefährder eingestufte Familienvater war bereits in Zusammenhang mit den Ermittlungen speziell gegen einen IS-Terroristen aus Herford - einen heute 30-jährigen Konvertiten - immer wieder in den Fokus geraten. So ging der Generalbundesanwalt in seiner Anklageschrift gegen den 30-Jährigen davon aus, dass mehrere aus Herford zur Terrororganisation IS ausgereiste Salafisten über ein Netzwerk von tschetschenischen Islamisten über Griechenland und die Türkei nach Syrien geschleust wurden. Enger Kontakt zu führenden Köpfen der deutschen Szene Filmaufnahmen zeigen den Mann bei Veranstaltungen von Salafisten in Herford zusammen mit weiteren zum IS ausgereisten und auch teils bei Kämpfen getöteten Terroristen. Gleichzeitig hatte er auch Kontakt zu führenden Personen der deutschen Islamisten-Szene: Aufnahmen im Internet zeigen ihn bei einer Veranstaltung auf dem Podium zusammen mit dem als Hassprediger bekannt gewordenen Ibrahim Abou Nagie. Abou Nagie wiederum ist Initiator der inzwischen verbotenen "Lies!"-Aktion, bei der Islamisten Gratis-Korane in Fußgängerzonen verteilten. Der Verein galt in Sicherheitskreisen als ein "Durchlauferhitzer" für Dschihadisten, die dann im syrischen Bürgerkrieg oder bei Terroranschlägen zum Einsatz kamen.

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