Film ab: Christoph Maier ist einer von vier Betreibern des einzigen Kinos in Herford. Derzeit, so Maier, verzeichne das Capitol jährlich Besucherzahlen zwischen 60.000 und 70.000. - © Mareike Gröneweg
Film ab: Christoph Maier ist einer von vier Betreibern des einzigen Kinos in Herford. Derzeit, so Maier, verzeichne das Capitol jährlich Besucherzahlen zwischen 60.000 und 70.000. | © Mareike Gröneweg

Herford Capitol hofft auf einen Herbst mit vielen Besuchern

Cineasten: Das Herforder Kino ringt nach der Hitzewelle um Besucher, ist mit der Entwicklung der vergangenen Jahre jedoch sehr zufrieden. Die Kino-Branche befindet sich wegen Netflix und Co. im Wandel

Mareike Gröneweg

Herford. Vormittags um 10 Uhr im Capitol-Kino hängt bereits der Duft von frisch gemachtem Popcorn in der Luft. Für die erste Vorstellung am Tag muss Nachschub produziert werden. "Wir bekommen viel Lob für unser Popcorn, das unter den Snacks auch der Bestseller ist", berichtet Christoph Maier, einer von vier Betreibern des traditionsreichen Herforder Kinos. Trotz seiner langen Geschichte ringt auch das mittlerweile einzige Kino Herfords um jeden Besucher und befindet sich in Zeiten von Streamingdiensten wie Netflix und Co. im Wandel. Christoph Maier erzählt im Gespräch mit der Neuen Westfälischen, wie es derzeit um das Capitol steht und wie radikal die Branche sich verändert. Nachdem die vier Betreiber das Kino 2009 übernommen haben, stand zunächst eine Renovierung und Neuausrichtung des Kinos an. Diese hat ein Jahr angedauert und ging ins Geld: "Um einen Saal technisch umzurüsten, braucht es zwischen 55.000 und 70.000 Euro", berichtet Maier. Die Renovierung habe nur gelingen können, weil alle Betreiber sehr viel Herzblut in das Capitol gesteckt hätten. Heute hat das Kino vier Säle und 425 Plätze. "Unsere Besucherzahlen liegen jährlich zwischen 60.000 und 70.000 - da ist also noch Luft nach oben", sagt Maier. Die gesamte Kinobranche befindet sich im Umbruch Doch wegen der Hitzewelle der vergangenen Wochen hänge das Capitol den Besucherzahlen vom Vorjahr hinterher. "Wir hoffen auf einen starken Herbst", sagt Maier. Dass die gesamte Kinobranche sich zusätzlich im Umbruch befindet, macht es nicht einfacher: "Das Kino bekommt starke Konkurrenz durch Netflix, Amazon Prime und andere Streamingdienste", weiß Maier. Der Grund dafür: Die Streamingdienste würden vermehrt auf Eigenproduktionen von Filmen und Serien setzen, die nach der Veröffentlichung nicht mehr im Kino laufen. Dennoch: Das Capitol, so Maier, sieht seine Stärke darin, ein gemeinschaftliches Kinoerlebnis zu verkaufen und Menschen zusammenzubringen. "Einen Saal mit 200 Leuten füllen, die einen Film gemeinsam schauen - das kann Netflix eben nicht", so Maier. Eine weitere Stärke des Capitols sei das Lokale. Die Betreiber sind im Innenstadtverein organisiert und bemühen sich um Kooperationen mit Herforder Unternehmen und Akteuren. "Das Capitol ist in Herford als Ort sehr beliebt und viele freuen sich, dass es hier noch ein Kino gibt", berichtet Maier. "Aber es ist nun mal kein Selbstläufer, wir schauen uns jede Woche die Zahlen an." Nicht jedes Kino kann jeden Film spielen, da braucht es Kontakte Der 52-Jährige betreibt das Kino nebenberuflich, hauptberuflich ist er als Personaldisponent bei der Deutschen Post tätig. Maier kennt die Kinobranche nicht nur gut, er ist fasziniert davon. Er war es auch, der einen Draht zu den Filmverleihen hergestellt hat. "Das war ein Stück Arbeit. Nicht jedes Kino kann jeden Film spielen, da braucht es Kontakte." Heute könne sich das Capitol aussuchen, welcher Film es auf die Leinwand schafft. Dabei bleibe es jedoch publikumsorientiert und spiele Filme, die eine größere Menge begeistern. Trotz der Konkurrenz von Streamingdiensten ist Christoph Maier überzeugt, dass es immer Kinos geben wird: "Das Kino ist schon so oft totgesagt worden, bei der Erfindung von Fernsehern oder auch zur Zeit der Videotheken. Überlebt hat es aber immer."

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