Als die Schornsteine noch rauchten: Ein Foto aus der Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der Motorenfabrik im Jahr 1955. - © Festschrift von 1955
Als die Schornsteine noch rauchten: Ein Foto aus der Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der Motorenfabrik im Jahr 1955. | © Festschrift von 1955

Herford Auflösung Mittwochrätsel: Gustav König gründete die Motorenfabrik

Auch heute sollen noch Herford-Diesel-Motoren im Einsatz sein

Peter Steinert

Herford. Das Mittwochrätsel der vergangenen Woche zeigte die Motorenfabrik von Gustav König an der Engerstraße. Viele Leserinnen und Leser verbinden mit dem Unternehmen ganz persönliche Erinnerungen. Ruth Rixe: Mein Mann Günther hat in der Motorenfabrik König gearbeitet, von 1949 bis 1952 hat er dort eine Lehre gemacht. Die Lehre war sehr gut, er ist gerne dort hingegangen. Danach war die Lage flau in der Firma und er musste sich nach etwas anderem umsehen. Heute kann man dort Feste feiern. Britta Hoedt: Heute sind diese Gebäude zu einem kleinen Shopping Center ausgebaut. Mustaf Ugur: 1905 gründete Gustav König die Fabrik, dahinter, zur Diebrocker Straße gelegen, war die Weberei Weddigen, daneben die Maschinenfabrik Benhil. König machte sich einen Ruf, mit Hilfsmotoren für Fahrräder und Motorradmotoren später stellte er bis Mitte der 80er Dieselmotoren her. Bernd Wilhelms: Mein Onkel arbeitete dort als Former. Er war bei der Herstellung der Gussformen für die großen Motorenteile im Formersand tätig. Die Firma war ein Beispiel für die Dichte von Industriebetrieben nur an der Engerstraße. Ich erinnere mich an die Firmen Heinze Kunststoff, Schwaco Möbel, Motoren König, Stüker Möbel und König und Böske Besen und Bürsten allein bis zur Bahn. Ein interessanter Aspekt für uns Kinder war, dass es in den Betrieben auch öfter mal brannte, so dass wir die Feuerwehr aus nächster Nähe bei der Arbeit beobachten konnten. Angefangen mit Hilfsmotoren für Fahrräder und Motorräder Klaus-Dieter Stork: Angefangen hat König nach dem 1. Weltkrieg mit Hilfsmotoren für Fahrräder und Motorradmotoren, die sich als „König-Motoren" auch im Ausland einen guten Ruf erwarben. Ab 1926 wurde der stationäre Motorenbau, wie liegende Gas- und Dieselmotoren mit 1-2 Zylindern dann wieder aufgenommen. Seit 1949 war der zweite Sohn des Firmengründers, Hans König, Geschäftsführer des Familienbetriebes. Die zuverlässigen Motoren waren wegen ihrer Kraftstoffgleichgültigkeit (sie liefen mit Steinkohlenteeröl, Gas oder Diesel) bei sehr geringem Verbrauch auch für den Export in unterentwickelte Länder besonders gut geeignet. In den 60er Jahren erfolgte dann die Entwicklung einer neuen stehenden Motorenbaureihe H280 nach dem Baukastenprinzip. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte die Firma etwa 300 Mitarbeiter. Bis 1985 hinein fertigte die Motorenfabrik Herford über 10.000 stehende und liegende Dieselmotoren, vorwiegend für den Export. Lothar Panhorst: Diese traditionsreiche Motorenfabrik wurde 1905 von Gustav König gegründet. Ab 1936 war Gustav König, der älteste Sohn des Firmengründers mit im Betrieb tätig. Er starb leider schon 1946, vier Jahre vor seinem Vater. Der zweite Sohn, Hans König, trat nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft in die Werksleitung ein und vollzog mit dem Vater zusammen den Wiederaufbau der Firma. Ab 1949 war er Geschäftsführer des Familienbetriebes. Das Betriebsgelände war ein Abenteuerspielplatz Rita Frentrup: Für meinen Mann war das Betriebsgelände als Kind am Wochenende oftmals, zwar unerlaubt, ein Abenteuerspielplatz. In einem Bunker wurde weißer Sand gelagert, der gebraucht wurde, wenn am Freitag neue Maschinenteile gegossen wurden, dann war der Schornstein vor Hitze ganz rot. So ein Motor ist im „Ziegelei-Museum, Lage" zu sehen. Aber die Jungs damals haben auch viel Blödsinn gemacht und so wurde meinem Mann, weil er der Kleinste in der Runde war, ein Seil um den Bauch gebunden und dann wurde er von der Mauer herab zu den Abfall-Eisenteilen gelassen, um einige Teile hoch zu holen, die anschließend beim Schrotthändler Schaminsky an der Diebrocker Straße zu Geld gemacht wurden. Bernhard Farecki: Hans König baute am Anfang der 50er Jahre die auf der Abbildung zu sehenden Gebäude. Im ersten OG befand sich anfangs die Privatwohnung der Familie. Im Hof, wie auf dem Foto zu sehen, war ein kleiner Garten und Spielplatz mit Springbrunnen und Sandkasten für die drei Töchter Stefanie, Nikola und Lore-Elisabeth angelegt. Im Erdgeschoss des rechten Gebäudeteils befanden sich die technischen und kaufmännischen Büros. Im linken Teil war hinter dem großen Rolltor der Versand, hinter dem mittleren das Magazin und links eine Garage. Benzin- und Dieselkraftstoff wurden über die sog. „eisernen Jungfrauen" gezapft, die später durch modernere Tanksäulen ersetzt wurden. Unter der Pflasterung des Hofes und dem Pflanzbeet befand sich der Firmenbunker, der nach dem Krieg verfüllt und teilweise beim Bau des Westrings abgerissen wurde. „Die Fabrik war ein Aushängeschild der Stadt – hieß sie doch Herford-Diesel" Manfred Rottmann: Das Foto zeigt die ehemalige Motorenfabrik GmbH an der Engerstraße von Hans König. Im Erdgeschoss, rechts im Bild, war das Konstruktionsbüro. Hier machte ich von 1951 an eine dreijährige Lehre als Technischer Zeichner. Die Firma stellte keine Dieselmotoren für Fahrzeuge her, sondern stationäre Motoren für den Antrieb von Maschinen, Pumpen und zur Stromerzeugung. Meine Eltern hatten in ihrer Mühle in Herringhausen an der Straße Zum Grünen Wald nahe der Herringhauser Kirche für den Antrieb des obereren Mühlsteins – der untere stand fest, darauf drehte sich der obere Mühlenstein – einen König-Dieselmotor zum Schroten von Getreide, nachdem 1927 die Herringhauser Windmühle stillgelegt wurde. Sie wurde 1935 abgerissen. Helfried Horstmann: Die Motorenfabrik von Hans König war viele Jahre lang ein Aushängeschild unserer Stadt. Hieß doch die Firma: Herford-Diesel. Von Informanten habe ich gehört, dass heute immer noch Herford-Diesel-Motoren im Einsatz sind. Zu erwähnen wäre noch das Nachbarhaus hinter unserem Rätsel. Hier befand sich der Hutladen von Martha Schuster und das Süßwarengeschäft von Robert Prybylski. Dort gab es auch eine Zigarrenfabrikation in Form von Schokoladenzigarren, die zu 10 und 20 Pfennig verkauft wurden. Als Schüler habe ich dort oft geholfen und damit mein Taschengeld aufgebessert.

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