Mit natürlicher Anmut in der Stimme: Sopranistin Sara Hershkowitz mit dem Dirigenten Vincent de Kort und der Nordwestdeutschen Philharmonie. - © Philipp Tenta
Mit natürlicher Anmut in der Stimme: Sopranistin Sara Hershkowitz mit dem Dirigenten Vincent de Kort und der Nordwestdeutschen Philharmonie. | © Philipp Tenta

Herford NWD verabschiedet sich mit Konzert in die Sommerpause

Eine neue Klangerlebnis-Erfahrung

Philipp Tenta

Herford. Mit Tschechiens inoffizieller Nationalhymne eröffnete die Nordwestdeutsche Philharmonie ihr letztes Abonnementskonzert dieser Saison. Bedrich Smetana ist es gelungen mit seiner Moldau ein Werk zu erschaffen, das vielleicht mehr Menschen kennen als den in Musik verwandelten Fluss in Tschechien. Gastdirigent Vincent de Kort demonstrierte von den ersten Takten an, dass er sein Dirigentenpult vor allem als Mischpult für Klangfarben und dynamische Nuancen versteht. Ihm gelingt so eine ganz eigene Interpretation, die zwar Hörgewohnheiten in Frage stellt, gleichzeitig aber mit musikantischer Natürlichkeit überzeugt. Viele mochten geglaubt haben, die Moldau bereits oft genug gehört zu haben. Sie waren aber schnell überzeugt, hier eine Aufführung zu erleben die eingängige symphonische Ohrwürmer Dank präziser Detailarbeit zu einer rundum erneuerten Erfahrung werden ließ. Die Singstimme als Illustrator der Handlung Lieder und nicht Arien für Singstimme und Orchester zu schreiben, ist eine Herausforderung, der sich nur wenige Komponisten gestellt haben. Hier ist die Singstimme nicht virtuoser Mittelpunkt, sondern Geschichtenerzähler, das Orchester nicht untergeordnete Begleitung, sondern Illustrator der gesungenen Handlung. Richard Strauss' Lieder für Sopran und Orchester sind sicher ein Meisterwerk dieses Genres, obwohl sie heute wirken, als würden sie irgendwie verloren zwischen Moderne und Romantik stehen. Mit Sara Hershkowitz wurde eine Interpretin gefunden, die den herausfordernden Part mit natürlicher Anmut, ohne jemals forcieren zu müssen, interpretieren kann. Vibrato wirkt bei Opernsängern oft wie eine Nebenwirkung einer gesanglichen Kraftanstrengung, hier wirkte jedoch alles leicht und ungezwungen. Die Textverständlichkeit war natürlich gering, selbst wenn man sich mit der verwirrenden Reihung der vertonten Gedichte im Programmheft zu Recht gefunden hatte. Für Strauss war es sicher wichtiger, den emotionalen Inhalt der Texte in Klang zu übertragen, als ihren Wortlaut verständlich zu machen. Mit Antonin Dvoraks achter Symphonie kehrten die Philharmoniker für den Abschluss des Abends nach Tschechien zurück. Ein charmantes Werk gefüllt mit tänzerischen Einlagen, folkloristisch wirkenden Melodien und oft überraschenden Ideen, die sich im Hintergrund verbergen. Vincent de Kort führt mit Schwung durch Dvoraks Werk Die Instrumentengruppen stehen oft im Dialog zueinander, das eine Mal im emotionalen Gleichklang, kurz darauf im Widerspruch. Besonders an die Bläser stellt dieses Werk hohe Anforderungen, doch die Philharmoniker, allen voran ihr Soloflötist, vermittelten auch hier reine musikantische Spielfreude. Vincent de Kort führte mit Schwung und sicherer Hand durch Dvoraks Werk. Auf beeindruckende Weise verdeutlichte er, dass nicht nur die freundlich, verführerischen Melodien dieser Komposition ihren Höhepunkt darstellen, sondern die oft vernachlässigten Übergänge und Vorbereitungssequenzen. Ein überzeugender, bereichernder Abschluss einer überaus erfolgreichen Konzertsaison. Die philharmonische Durststrecke der Sommerpause wird mit einem neuen, spannenden Abonnementsprogramm belohnt werden. Am 5. Oktober startet die neue Saison mit Werken von Prokofjew und Brahms unter Leitung von Chefdirigent Yves Abel.

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