Eröffnungsparty: Die Punkband Krawehl hatte schon bei der Eröffnungsparty am der Goebenstraße gespielt. - © Ralf Bittner
Eröffnungsparty: Die Punkband Krawehl hatte schon bei der Eröffnungsparty am der Goebenstraße gespielt. | © Ralf Bittner

Herford Volles Haus zum Start des neuen FlaFla

Zwei Anlässe zum Feiern: Die Eröffnung des FlaFla am neuen Standort und die traditionelle Party am 2. Weihnachtstag locken viele Besucher an. Das Konzept "Soziales Zentrum" gewinnt Kontur

Ralf Bittner

Herford. "Endlich haben wir ein Haus, das uns niemand mehr nehmen kann", sagte Maren Gottenströter vom Träger des Sozialen Zentrums in ihrer Rede zur Eröffnung des FlaFla. Ein Jahr später als erhofft hat sich das FlaFla nun mit einem rauschenden Fest der Generationen, zugleich Weihnachtsfeier und Eröffnungsparty, zurückgemeldet. "Ohne all die Menschen aus fast 48 Jahren Geschichte alter nativer unkommerzieller Kultur und Jugendarbeit würden wir hier heute nicht stehen", bedankte sich Gottenströter für den Fla-Trägerverein bei all denen, die den Hauskauf mit Spenden oder Krediten, durch ihre ehrenamtliche Arbeit auf der Baustelle oder durch die solidarische Begleitung ermöglicht hatten. "Nutzt den Raum!", schloss Leon Ragati, ebenfalls vom Verein, die Rede: "Diese Aufforderung ist explizit als Einladung an alle Herforder gedacht, die Interesse an einem Ort des subkulturellen Austausches und des sozialen Miteinanders haben." Mit der Fertigstellung von Veranstaltungsraum und Café gibt es in Herford wieder einen unkommerziellen Treffpunkt und einen Raum für subkulturelle Angeboten. Die Erteilung der Betriebsgenehmigung war nur ein Zwischenschritt, denn im Obergeschoss müssen noch weitere Räumeausgebaut werden, die als Büro, Archiv-, Sport- oder Gruppenräume genutzt werden könnten. Und im Haus Diebrocker Straße 4, das dem Verein ebenfalls gehört, gibt es noch reichlich Platz, der von Basisinitiativen genutzt werden könnte. So markierte die Eröffnung nicht nur einen Wiederanfang am neuen Standort, sondern auch eine konzeptionelle Neuausrichtung, die sich am Konzept Sozialer Zentren Italiens, Griechenland oder Lateinamerikas orientiert. Dahinter verbirgt sich die Idee, Menschen zueinander zu bringen, die einen Raum für Selbstorganisation brauchen, seien ihre Interessen sozialer, kultureller oder politischer Art. Vor allem aber markiert der Neuanfang den Abschied von der Konzentration auf eine überwiegend jugendliche Zielgruppe. Die Weihnachtsparty war schon immer ein Treffen verschiedener Fla-Generationen, aber so voll war es wohl noch nie. Viele Alt-Flaler, die sich noch an die Anfangszeit 1970 in Räumen an der Mittelstraße erinnern waren da, viele aus der Zeit an den Standorten Eimterstraße oder Goebenstraße. Einige arbeiten an einem Buch mit, dass zum 50. Geburtstag des FlaFla erscheinen soll, andere wollen eine monatliche Alt-Flaler-Kneipe anbieten. Auch Kammi von der Punkband "Krawehl", die schon bei der Eröffnung des FlaFla an der Goebenstraße gespielt hatte, lobte das Engagement und hob die Bedeutung solch unkommerzieller Kulturräume hervor. Auch die Band "Epilog", die zuvor die neue Bühne eingeweiht hatte, ist dem Fla schon seit Jahren verbunden. Und auch die akustische Musik zu Kaffee und Kuchen "I see Fire" und "Bella Ciao" war selbst gemacht weil die eingeplante Band einige Wochen vorher abgesagt hatte. Nicht nur über die überwältigend Besucherzahl war Ragati erfreut, sondern auch darüber, dass das Konzept Soziales Zentrum schon Früchte zu tragen scheint: "Der Kreisverband Herford/Minden der Falken will sein Büro aus Bielefeld in das Ladenlokal im Haus Diebrocker Straße verlegen. Die Falken, als ein aus der Arbeiterbewegung stammender mitgliederstarker Jugendverband, würden unser Angebot optimal erweitern." Die Chancen, dass aus dem Neuanfang mehr werde, ein "Weiter so" am neuen Standort stünden also gut.

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