Drei Generationen: Meshut Cakar (l.) und Maren Gottenströter stellen das neue Konzept vor. Harald Korten gehört zur Gründergeneration, Daniel Krenz-Dewe war in den 90ern im Fla an der Mindener Straße aktiv. - © Ralf Bittner
Drei Generationen: Meshut Cakar (l.) und Maren Gottenströter stellen das neue Konzept vor. Harald Korten gehört zur Gründergeneration, Daniel Krenz-Dewe war in den 90ern im Fla an der Mindener Straße aktiv. | © Ralf Bittner

Das FlaFla will ein "Soziales Zentrum" werden

Nach zwei Jahren Renovierung eröffnet des ehemalige autonome Jugendzentrum FlaFla mit neuem Konzept im eigenen Gebäude

Ralf Bittner

Fast auf den Tag genau zwei Jahre nach dem Start der Renovierung am 28. Dezember 2015 lädt das FlaFla zur Eröffnungsparty am zweiten Weihnachtstag ein. Gefeiert wird dann erstmals in der fast 50-jährigen Geschichte des FlaFla in eigenen Räumen. Gefeiert wird aber auch ein neues Konzept. Aus dem früheren autonomen Jugend- und Kulturzentrum FlaFla wird das „Soziale Zentrum" FlaFla. Für die aktuell im FlaFla aktiven Nutzern bedankte sich Meshut Cakar bei allen Menschen, die den Erwerb des Häuserkomplexes an der Diebrocker Straße ermöglicht oder sich in den zwei Jahren Renovierung engagiert hatten. „Ein harter Kern von 20 Leuten, dem wir nicht genug danken können, hat das mit seinem Engagement ermöglicht, dazu viele sporadische Helfer", sagte er, „zum Glück ist die Bauabnahme letztlich erstaunlich unkompliziert verlaufen." „Die Samstage werden für Konzerte und andere Kulturveranstaltungen frei gehalten" Maren Gottenströter stellte das Programm des Eröffnungstages (s. Kasten) und die ersten für das kommende Jahr geplanten Aktivitäten vor. Fest verplant sind die Dienstage mit einer Altflaler-Kneipe (1. Dienstag im Monat), Antifa-Tresen (2. Dienstag) , 4/4-Beat-Bar (3. Dienstag) und dem FLTI-Café Avanti (FrauenLesbenTransInter, 4. Dienstag) sowie die Freitage mit Themenkneipen. „Die Samstage werden für Konzerte und andere Kulturveranstaltungen frei gehalten", sagte sie. Ab dem 2. Januar soll wie schon am alten Standort Goebenstraße wieder eine selbst organisierte Nachhilfegruppe für Schüler angeboten werden, für den 13. Januar ist ein Flohmarkt geplant. Die Eröffnung sei nur ein erster Schritt. Das FlaFla plant, nur einen Teil der in beiden Häusern zur Verfügung stehenden Fläche zu nutzen. Der Rest soll von Vereinen und Basisinitiativen wie Falken, antirassistischen Sportvereinen oder einer unabhängigen Hartz-IV-Beratung genutzt werden. „Wir wollen nach dem Beispiel Sozialer Zentren in Italien oder Lateinamerika Menschen unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlichen Interessen erreichen" sagte Cakar: „Das ist eine explizite Einladung an alle, die sich hier engagieren möchten" sagte er und kündigte für das kommende Jahr eine Kampagne für eine „Stadt von unten", gegen eine „Politik der Verbote" und Einzelentscheidungen an. Harald Korten, der mit weiteren Alt-Flalern an einem Buch zur Geschichte das Zentrums arbeitet, das 2020 50 Jahre alt wird, erinnerte an die vielen Spuren, die das FlaFla in der Stadt hinterlassen hat: „Recyclingbörse, Provinzbuchladen, Communa-Metall, Bio-Gärtnerei Ulenburg, das Umsonst&Draußen-Festival in Vlotho oder die Wilde Liga Bielefeld hätte es ohne Anstöße aus dem FlaFla so vermutlich nie gegeben", sagte er. Daniel Krenz-Dewe, in den 90ern an der Mindener Straße aktiv, bedauerte, dass die Unterstützung durch die Stadt, sich immer wieder in verbalem Lob für die Arbeit äußere, die 2012 erfolgte Mittelstreichung aber nie zurückgenommen worden sei. Um so erstaunlicher sei die Leistung der jetzigen Generation, mit Hauskauf und Renovierung erstmals einer selbstbestimmten Sozial- und Kulturarbeit eine sichere Perspektive eröffnet zu haben.

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