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Potenzial in der Nische: Der Personalbestand am Stammsitz an der Füllenbruchstraße wurde "verschlankt". - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Potenzial in der Nische: Der Personalbestand am Stammsitz an der Füllenbruchstraße wurde "verschlankt". | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Kreis Herford HTT Energy entlässt 20 Mitarbeiter

Thomas Hagen
22.10.2017 | Stand 23.10.2017, 14:15 Uhr
Fertigung am Standort Füllenbruch: Hier stellt das Unternehmen seine Anlagen im Bereich Hochtemperatur-Technik her. Unser Foto zeigt, wie eine Rohrwendel zum Aggregat transportiert wird. - © HTT
Fertigung am Standort Füllenbruch: Hier stellt das Unternehmen seine Anlagen im Bereich Hochtemperatur-Technik her. Unser Foto zeigt, wie eine Rohrwendel zum Aggregat transportiert wird. | © HTT

Kreis Herford. HTT Energy - hinter den drei Buchstaben verbirgt sich die Hoch-Temperatur-Technik GmbH mit ihrem Sitz im Gewerbegebiet Füllenbruch. Nun ist das einstige Familienunternehmen mit den Produktionsanlagen an die Deutsche Industriekapital (DIK) mit Sitz in Berlin verkauft worden.

Die Gründe dafür, dass sich Familie Schmitt nach einem neuen Gesellschafter umgesehen hatte, lagen unter anderem in "finanziellen Herausforderungen in der näheren Zukunft" und dem Wunsch aus der Geschäftsführung auszuscheiden. Grundstück und Immobilien bleiben im Besitz der Familie Schmitt.

Seit drei Jahren habe sich die Firma "in schwierigem Fahrwasser" befunden, wie es Holding-Geschäftsführer Erik Theilig (37), Wirtschaftsingenieur für Energietechnik, und einer der beiden neuen HTT-Geschäftsführer, gestern im Gespräch mit der NW beschrieb. Theilig verfügt über 80 Prozent der Anteile an der Gesellschaft DIK.

20 Entlassungen waren notwendig

Erst am Donnerstag habe er auf einer Betriebsversammlung die Entlassung von 20 Mitarbeitern verkünden müssen. Bis auf einen Beschäftigten aus der Fertigung stammen nach Auskunft Theiligs alle aus dem Verwaltungsbereich. "Es musste sein, denn wir haben nach der Übernahme viele verkrustete Strukturen im Unternehmen vorgefunden", erklärte Theilig. HTT habe ein optimales Standing in der Nische, sei gut am Markt aufgestellt und verfüge über einen guten Auftragsbestand, doch sei es dringend notwendig aus der Verlustzone zu kommen.

"Wir haben es mit einem hausinternen Problem zu tun, das wir nun angepackt haben. Wir streben mehr Wachstum an, denn das Unternehmen hat deutlich mehr Potenzial in der Nische der Bereiche Lebensmittel und chemischer Industrie sowie der Wärmebehandlung und gilt als Problemlöser", erklärte Theilig.

Gewerkschaftssekretär Peter Kleint von der IG Metall sagt zu den Kündigungen: "Wir hatten die Beschäftigten dazu ermuntert, einen Betriebsrat zu wählen. Das ist leider nicht passiert. Aus diesem Grunde hat es auch keine Sozialplanverhandlungen gegeben." Es bestehe aber für jeden Gekündigten die Möglichkeit, individuell Klage dagegen einzureichen.

Hergestellt werden bei HTT Energy Anlagen mit einer Leistung bis maximal zwei Megawatt. Das Familienunternehmen mit seinen nun 160 Mitarbeitern an den Standorten Herford (HTT Energy und HTT Systems) und Groß Leine im Spreewald (S & W/Schmitt und Wagner) beging im Juni sein Firmenjubiläum.

Ende August kam es innerhalb von vier Wochen zum Verkauf

Die Investorengruppe hat sich darauf spezialisiert, mittelständische Unternehmen zu erwerben, bei denen das Management Potenzial bei der künftigen Entwicklung sieht. Und die würden bei HTT überaus positiv beurteilt, so Erik Theilig beim Ortstermin gegenüber der NW.

Im Internet stellt sich das 2015 gegründete Unternehmen DIK so dar: "Als unabhängiger Investor sind wir für unsere Beteiligungsunternehmen ein umsetzungsstarker, unternehmerischer Partner ohne feste Anlagehorizonte. Unser Ziel ist es, für unsere Tochtergesellschaften Mehrwerte durch Umsetzung kreativer Dealstrukturen und Nutzung innovativer Finanzinstrumente sowie durch eine operative Betreuung zu erzielen." Wesentliches Ziel sei die Weiterentwicklung und der Ausbau des Unternehmens. Profitabilität und Wettbewerbsfähigkeit sollten maximiert werden, "um das Unternehmen auf neue Niveaus zu heben".

Ende August war es innerhalb von nur vier Wochen zum Verkauf gekommen, der der Familie Schmitt "nicht leicht gefallen sei". Die beiden früheren Geschäftsführer und Inhaber Georg Schmitt und dessen Bruder Stefan hatten die Belegschaft über ihre Entscheidung informiert.

Das Unternehmen setzte zuletzt rund 20 Millionen Euro um. Maßgeblicher Standort ist Herford. Die Entwicklung und die Produktion, so hatten die früheren Eigentümer während der Jubiläumsfeier betont, sei auf 16.000 Quadratmetern am Füllenbruch konzentriert. Dort gebe es aber keine Erweiterungsmöglichkeiten.