Startschuss: Seit gestern wird das ehemalige Offizierskasino auf dem Stiftberg als Mensa für die Fachhochschule für Finanzen genutzt. Vorhandene Säle und Gesellschaftsräume im Erdgeschoss wurden erhalten. Bestehende Küchenräume mussten für die Versorgung von bis zu 560 Personen erweitert werden. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Startschuss: Seit gestern wird das ehemalige Offizierskasino auf dem Stiftberg als Mensa für die Fachhochschule für Finanzen genutzt. Vorhandene Säle und Gesellschaftsräume im Erdgeschoss wurden erhalten. Bestehende Küchenräume mussten für die Versorgung von bis zu 560 Personen erweitert werden. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford Fachhochschule für Finanzen öffnet in Herford

Nach neun Monaten Zeit für Planung, Aus- und Umbaumaßnahmen fällt der Startschuss für den Bildungscampus

Peter Steinert

Herford. Freitag vergangener Woche vernahm Klaus-Wilhelm Gratzfeld noch kritische Fragen. „Schaffen die das?" Oder: „Lohnt es sich nach Herford zu fahren?" Der amtierende Verwaltungsleiter der Fachhochschule für Finanzen (FHF) setzte auf die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Bürgermeister Tim Kähler und Quartiersentwickler Norbert Landshut, die deutlich gemacht hatten: „Wir brauchen das, wir schaffen das." Das Vertrauen zahlte sich aus. Gratzfeld: „Das Wunder ist geschehen." Gestern eröffnete die FHF ihre Pforten für 160 Studierende und 14 Lehrkräfte. Nach neun Monaten Zeit für Planung, Aus- und Umbaumaßnahmen fiel damit der Startschuss für den Bildungscampus auf dem Gelände der ehemaligen britischen Wentworth-Kaserne. Erster Nutzer auf dem Stiftberg ist die Fachhochschule für Finanzen, weil die Landesregierung einen personellen Engpass in den Finanzämtern aufziehen sah und reagierte: Neben dem Hochschulstandort Nordkirchen sollten weitere Studienplätze geschaffen werden. „Das Land NRW hat im Rahmen des Projekts ’Finanzverwaltung der Zukunft’ eine Ausbildungsoffensive gestartet, die dazu führt, dass neben den demografisch notwendigen Neueinstellungen 250 zusätzliche Plätze in unserem dualen Studium angeboten werden. Deswegen haben wir hier in Herford eine Dependance gegründet", sagte zur Eröffnungsfeier Ministerdirigent Jörg Hansen vom Finanzministerium. »Schon im nächsten Jahr wollen wir weiter expandieren« Der Beamte aus der Landeshauptstadt ging davon aus, dass sich die Anzahl der Studierenden in Herford noch erhöht. „Schon im nächsten Jahr wollen wir weiter expandieren. Vorbehaltlich der Zustimmung des Landtags als Haushaltsgesetzgeber wird gegenwärtig die Planung für die Unterbringung von weiteren 310 Studierendenplätzen ab September 2018 in Angriff genommen", sagte Hansen. Dass dem Standort Herford gute Chancen eingeräumt werden, war schon bei der ersten Vergaberunde deutlich geworden. „Wir brauchten Lehrraum, Unterkunft und Verpflegung. Also gut ausgebildete, trocken wohnende und satte Studierende", sagte Klaus-Wilhelm Gratzfeld. Dessen Vorgänger, Wilhelm Schulte, begleitete die erste Kontaktaufnahme zwischen dem Land NRW und der Stadt Herford Ende August 2016 sowie die Planungen zum Frühjahr 2017. Zweifel an der Umsetzung aller Vorgaben hegte er nicht, durfte er nicht hegen. „Das war verboten, denn es gab keinen Plan B", verriet der pensionierte Hochschul-Verwaltungsleiter, der zu den 75 Prozent jener Spitzenbeamten gehört, die unlängst aus dem Finanzdienst ausgeschieden sind. Schulte ist demnach ein Vorfahre von Studentinnen wie der Herforderin Ann-Kristin Flörkemeier. Die 19-Jährige kehrte nach dem ersten Ausbildungsjahr zurück in ihre Heimat und räumt mit Vorurteilen auf. Mit einem Wust an Zahlen habe dieses Studium nichts gemein. „Das geht eher in Richtung Jura", sagte Flörkemeier. Wie zur Bestätigung zog Kommilitonin Nadine Nierbröker (19) in der dritten Etage des einstigen Stabshauses A ein Steuerhandbuch aus dem Regal ihrer Studentenbude, die ansonsten noch karg wirkt. Nachschub ist indes nicht weit. Nierbröker stammt aus Rödinghausen. Eine weitere Anreise lag hinter dem Gütersloher Sven Bonensteffen. Seit einem Jahr ist er auf dem Bildungsweg zum Diplom-Finanzwirt. „Eigentlich hatten wir uns schon in Nordkirchen eingelebt. Anfang 2017 erfuhren wir, dass wir das Studium in Herford fortsetzen", sagte Bonensteffen, dessen erste Eindrücke von Herford als Hochschulstandort in der Mensa bei Currywurst und Pommes Frites positive Züge annahmen: „Das Essen ist super. Besser als in Nordkirchen." Und auch Tim Kähler durfte zufrieden sein. „Wir wollen die Chancen nutzen, die sich mit der Entwicklung der Konversion bieten", sagte Herfords Bürgermeister. Porträt des dualen Studiengangs Einstellungsvoraussetzungen: Abitur oder Fachhochschulreife, grundsätzlich nicht älter als 38 Jahre. Beginn: Grundsätzlich am 1. September eines Jahres. Dauer: Drei Jahre. Verlauf: Studium (insg. 21 Monate) und berufspraktische Ausbildung (insg. 15 Monate) wechseln sich ab. Studium: An der Fachhochschule für Finanzen NRW in Nordkirchen, Hamminkeln und Herford. Berufspraktische Ausbildung: Im Finanzamt. Ausbildungsvergütung 1.220,68 Euro monatlich (Stand August 2017), schon während des Studiums. Abschluss: Diplom-Finanzwirtin (FH) / Diplom-Finanzwirt (FH). Bewerbung online unter www.studium-im-finanzamt.de

realisiert durch evolver group