Das Essen schmeckte Minister Joachim Stamp, wie auch den Kindern der AWO-Kita Schwarzenmoor. Der AWO-Vorsitzende des Präsidiums Norbert Wellmann (v. l. hinten) und Landtagsabgeordneten Stephen Paul (FDP) und Christian Dahm (SPD) gingen leer aus. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Das Essen schmeckte Minister Joachim Stamp, wie auch den Kindern der AWO-Kita Schwarzenmoor. Der AWO-Vorsitzende des Präsidiums Norbert Wellmann (v. l. hinten) und Landtagsabgeordneten Stephen Paul (FDP) und Christian Dahm (SPD) gingen leer aus. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Herford Welche Pläne der neue NRW-Familienminister Joachim Stamp für die Betreuung in Kitas hat

Der FDP-Politiker verschafft sich beim Rundgang in der AWO-Kindertagesstätte Schwarzenmoor einen Eindruck

Peter Steinert
02.08.2017 | Stand 02.08.2017, 13:11 Uhr

Herford. Wer mag wohl dieser ältere Herr im dunklen Anzug sein, der zu einem weißen Hemd gelbe Manschettenknöpfe und eine grau-weiß gestreifte Krawatte trägt? Antonio traut sich: "Wie heißt du?" "Joachim. Aber du darfst mich Jo-Jo nennen", hört der Fünfjährige. Später wird Erzieherin Nicole Grospitz dem Jungen erklären, dass der unbekannte Mitesser am Mittagstisch der nordrhein-westfälische Familienminister Joachim Stamp (FDP) gewesen ist. Der besuchte am gestrigen Dienstag zum Auftakt des Kita-Jahres die AWO-Kindertagesstätte Schwarzenmoor und präsentierte seine Vorstellungen zur Zukunft dieser Einrichtungen im Land. "Dieses Haus verströmt eine Atmosphäre der Geborgenheit", lobte der Gast aus Düsseldorf später im Besprechungszimmer vor Mitarbeiterinnen und Vertretern der AWO, zu denen auch Norbert Wellmann zählte, der Vorsitzender des Präsidiums und des Aufsichtsrates der AWO OWL ist. AWO fordert mehr U3-Plätze Und der den Freidemokraten gleich in die Pflicht nahm. "Wir brauchen dringend Plätze für die Unter-Dreijährigen. Und weil zu einer guten Kindergartenarbeit auch die finanzielle Unterstützung gehört, haben wir eine Unterschriftenaktion ins Leben gerufen, an der sich schon über 33.000 Menschen beteiligt haben", sagte Wellmann, forderte eine "sichere Finanzierung für Kindergärten" und fügte die Begründung an: "Wir sind natürlich auf die Nachhaltigkeit angewiesen." Das durfte Joachim Stamp als Vorlage verstehen. "Wir werden diese Einrichtungen auch in Zukunft auf ein festes Fundament stellen und nehmen kurzfristig einen ordentlichen Betrag in die Hand, um ein Rettungsprogramm für die Kita-Träger auf den Weg zu bringen", sagte der Minister. Dieser Schritt habe für die Landesregierung oberste Priorität, denn sonst sei zu befürchten, dass im Kindergartenjahr 2018/19 Einrichtungen schließen müssten. "In einem zweiten Schritt soll dann die Qualität der Betreuung deutlich verbessert werden", ergänzte Stamp, der die frühkindliche Bildung als zentralen Schwerpunkt der neuen Landesregierung ansieht: "Die frühkindliche Bildung legt einen wichtigen Grundstein in der Bildungsbiografie. Für Kinder mit Fluchterfahrung sind besonders die Brückenprojekte ein wichtiger Baustein, der bei der Integration hilft." Zu den weiteren Plänen gehöre auch eine Flexibilisierung der Öffnungszeiten, die sich mehr an den Bedürfnissen der Familien orientiere. Wobei der Minister Pluspunkte damit gerade in Herford gesammelt haben dürfte, befindet sich die AWO-Kindertagesstätte doch in direkter Nähe des Klinikums, wo Pflegekräfte und ärztliches Personal oftmals im Schichtdienst arbeiten und insbesondere von einer solchen Flexibilisierung profitierten. Minister lehnt völlige Beitragsfreiheit ab Lediglich bei einem von Norbert Wellmann angesprochenen Punkten musste der auskunftsfreudige Besucher passen: "Die vollständige Beitragsfreiheit wäre die Krönung. Doch dafür haben wir derzeit keinen finanziellen Spielraum." Die Schnittchen im Besprechungsraum blieben unangetastet. Schließlich hatte Stamp schon gegessen. Zusammen mit den Kindern. Reis und Hühnchengeschnetzeltes gab's. Und "Hmmm!" (Stamp) Salat. Den Teller aß der Minister sauber leer. "Lecker war?s", fand der Politiker, dem es in Herford so gut gefiel, dass er "am liebsten noch länger geblieben wäre". Länger bleiben, fragte Joachim Stamp in die Runde, möchten die Kinder in diesem schönen Haus doch wohl auch? Der Antwort mit dem langgezogenen "Jaaaa" schloss sich Antonio nicht an. Als Fünfjähriger hat er größere Ziele vor Augen: die Schule. "Dort", sagte Antonio treuherzig zum Minister, "darf ich Playstation spielen." Der verblüffte Gast ließ den kleinen Herforder in diesem Glauben.

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