Ortstermin: Ein Teil der am Buchprojekt interessierten Menschen informiert sich in den neuem Räumen im Haus Diebrocker Straße 2 über den Stand der Umbauarbeiten. In Kürze soll die Rohbauabnahme erfolgen. Danach kann der Innenausbau richtig beginnen. FOTO: BITTNER|| - © Ralf Bittner
Ortstermin: Ein Teil der am Buchprojekt interessierten Menschen informiert sich in den neuem Räumen im Haus Diebrocker Straße 2 über den Stand der Umbauarbeiten. In Kürze soll die Rohbauabnahme erfolgen. Danach kann der Innenausbau richtig beginnen. FOTO: BITTNER|| | © Ralf Bittner

Herford Das FlaFla schreibt Geschichte

Projekt: Zum 50. Geburtstag soll ein Buch über die Geschichte des inzwischen autonomen Jugendzentrums erscheinen. Die Redaktion sucht Material und Zeitzeugen

Ralf Bittner

Herford. "Wenn wir unsere Geschichte nicht selber aufschreiben, macht das keiner", sagte Simon Büscher zur Begrüßung der Ex-Flaler, die gekommen waren, um sich über Konzept und mögliche Inhalte eines Buches zur Geschichte des FlaFla auszutauschen. Das den größten Teil seiner Geschichte selbstverwaltete, inzwischen aber autonome Jugend- und Kulturzentren gehört zu den ältesten seiner Art in Deutschland und wird 2020 50 Jahre alt. Ein Redaktionskreis um Büscher stellte die geplante Struktur des Buches vor. "Der historische Abriss soll nach den acht Standorten gegliedert werden", sagte Büscher. Seit seiner Gründung hatte das FlaFla Räume in Gebäuden an Mittelstraße, Wittekindstraße, Schillerstraße, Eimterstraße, Elverdisser Straße, Kurfürstenstraße, Goebenstraße und aktuell Diebrocker Straße genutzt. Ein zweiter theoretischer Teil soll sich um inhaltliche Fragen drehen. Vorgeschlagen sind Themen wie das Konsensprinzip bei den Hausversammlungen, die Rolle von Sozialarbeitern, die Akzeptanz städtischer Mittel, das Geschlechterverhältnis im Haus oder der Umgang der verschiedenen Interessengruppen in FlaFla untereinander. Immer gab es Kulturschaffende oder Kulturinteressierte, eher politisch orientierte Jugendliche und Jugendliche, die die Räume nur als Freizeitangebot nutzen wollen und wollten, und natürlich Konflikte zwischen diesen Gruppen. Ein dritter Abschnitt könnte Biografien, Anekdoten, Bilder und eine Übersicht der aus dem Fla entstandenen Unternehmen, Vereine oder Initiativen enthalten. Gleich zu Anfang sorgte der Künstler Weizenfeld aus der Gründergenration des FlaFla für Diskussionsstoff. "Wie kommt ihr auf eigentlich auf 1969 als Gründungsjahr?", fragte er den Redaktionskreis: "1970 stand Ulrich Tragl plötzlich mit den Schlüsseln für die Fabrik in der Mittelstraße bei uns. Das war der erste Treffpunkt. 1969 war Woodstock, und in dem Jahr gab es in Herford definitiv noch keine eigenen Räume." Meshut Cakar, ebenfalls vom Redaktionsteam, nahm den Einwand pragmatisch. "Dann haben wir eben einen etwas größeren zeitlichen Puffer für unser Buch." Beim Treffen zeigt sich , dass relativ viele Aktive aus den Anfangsjahren gekommen waren, die etwas zu dem Buch beisteuern wollen, dass aber ausgerechnet Vertreter fehlten, die im Haus Eimterstraße aktiv gewesen waren, obwohl das die am längsten genutzten Räume gewesen waren. Von 1980 bis 2006 hatte das FlaFla dort seinen Standort. Die Disco "7Inch" war vor dem kommerziellen "Kick" (heute "X"), ,der? Treffpunkt für Jugendliche, das Einzugsgebiet der Gothic-Disco reichte bis ins Ruhrgebiet. Als politische Gruppe meldete sich die "Junge Linke" zu Wort. "Die meisten Aktivisten aus dieser Zeit sind jetzt in der Phase, in der Beruf und Familie besonders fordern", lautete die Erklärung von Daniel Krenz-Dewe vom FlaFla-Förderverein für dieses augenfällige Defizit. "Wir bitten daher alle, die diese Zeit als Aktive im FlaFla oder als Besucher erlebt haben, ganz besonders, etwas zum Gelingen des Buchs beizutragen."

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